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Marsch Richtung Stadtrand – Dresdner lassen Nazis nicht ins Zentrum

Marsch Richtung Stadtrand – Dresdner lassen Nazis nicht ins Zentrum

Wieder einmal wurde die sächsische Landeshauptstadt von Neonazis heimgesucht und wieder einmal machte sich unter den Bürgern die Angst breit, dass negative Schlagzeilen aus der Elbestadt um die Welt gehen würden.

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Zahlreiche Dresdner demonstrierten am Sonnabend gegen die Neonazis.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Doch bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr zeigten die Dresdner und viele Vereine, dass für rechtsextreme Kundgebungen in der Kulturmetropole kein Platz ist. Sie stellten sich am Sonnabend weitgehend friedlich gegen die fremdenfeindlichen Demonstranten aus ganz Deutschland.

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Dresden. Wieder einmal wurde die sächsische Landeshauptstadt von Neonazis heimgesucht und wieder einmal machte sich unter den Bürgern die Angst breit, dass negative Schlagzeilen aus der Elbestadt um die Welt gehen würden. Doch bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr zeigten die Dresdner und viele Vereine, dass für rechtsextreme Kundgebungen in der Kulturmetropole kein Platz ist.

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In den vergangenen fünf Jahren fand die Demonstration, die unter dem Motto „Tag der Deutschen Zukunft“ steht, vor allem in Norddeutschland, zuletzt in Wolfsburg statt. Die Neonazis wollen damit ein Zeichen gegen „Überfremdung der Deutschen Heimat“ setzen. Rund 1000 Rechtsextreme wurden dazu ursprünglich in den Mittagsstunden am Trachenberger Platz erwartet. Bereits am Samstagmorgen hatten sich Hunderte Bürger in den Stadtteilen Pieschen und Trachenberge versammelt, um gegen den geplanten Aufmarsch zu demonstrieren.

Auch Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) zeigte Flagge. Die 61-Jährige sprach bei einer Kundgebung des DGB Sachsen auf dem Schlesischen Platz, direkt vor dem Bahnhof Neustadt, zu einem Dutzend Gegendemonstranten: „Wir haben es schon vielfach in Dresden bewiesen, dass wir diesem Fanatismus und dieser Menschenfeindlichkeit viel entgegen zu setzen haben. Deswegen werden wir auch heute deutlich machen, dass wir uns unser Dresden nicht mit fremdenfeindlichen Ideologien verschmutzen lassen“, betonte Orosz.

Die starke Präsenz der Dresdner zwang die Neonazis schließlich, die geplante Marschroute. zu ändern. Eigentlich wollten die Rechtsextremen über die Leipziger Straße bis zum Goldenen Reiter marschieren und vor dem weltberühmten Reiterstandbild von August dem Starken ihre Abschlusskundgebung abhalten. Unter Polizeischutz wurde der Aufzug schließlich entlang der Barbarastraße und der Großenhainer Straße bis hin zum stadtauswärts gelegenen Haltepunkt „Dresden-Trachau umgeleitet. Dort angekommen beendeten die Rechten schließlich ihre Demo und gaben bekannt, dass der „Tag der Deutschen Zukunft“ im kommenden Jahr in Neuruppin stattfinden wird. Erst während der Abschlusskundgebung standen sich am Sonnabend in Dresden tatsächlich beide Lager – Neonazis wie Gegendemonstranten – in Sicht- und Hörweite gegenüber. Knapp 200 Nazigegner machten mit „Haut ab“-Rufen und Trillerpfeifen ihrem Unmut Luft.

Anschließend kam es nach Informationen der Dresdner Neuesten Nachrichten dann doch noch zu Handgreiflichkeiten. Sowohl Journalisten als auch Polizisten wurden von 20 bis 30 Rechtsextremen angegriffen. Binnen weniger Minuten hatte die Polizei die Lage aber wieder unter Kontrolle. Im Bereich der Torgauer Straße kam es außerdem zu einem kurzen Gerangel zwischen etwa 150 Personen des linken Spektrums und Einsatzkräften der Polizei. Dabei wurde eine Beamtin durch einen Tritt verletzt und musste in ein Krankenhaus gebracht werden.

Am späteren Nachmittag saßen die fremdenfeindlichen Demonstranten dann wieder in den Bussen, um in ihre Heimat zurück zu kehren. Der leitende Polizeidirektor Horst Kretzschmar zog am Abend ein erstes positives Fazit: „Wir haben unsere wichtigsten Ziele erreicht. Jeder konnte sein Grundrecht ausüben und ein Protest in Hör- und Sichtweite war möglich. Schließlich bin ich auch sehr froh, dass alle Einsatzkräfte - bis auf eine Ausnahme - unverletzt in ihre Heimat abreisen können. Die Bilanz lässt sich auf einen Satz reduzieren: Es blieb friedlich.“

Nach Angaben der Polizeidirektion Dresden nahmen an dem Aufmarsch insgesamt rund 400 Rechtsextreme teil. Die Zahl der Gegendemonstranten ließ sich laut einem Sprecher der Beamten schwer einschätzen. Das Dresdner „Forum gegen Rechts“ geht von 1500 Teilnehmern aus, die trotz der prallen Sonne bei über 30 Grad entlang der Marschroute ausharrten. Etwa 2000 Polizisten, nicht nur aus Sachsen sondern auch aus anderen Bundesländern, waren in der Landeshauptstadt vor Ort. Für die Polizeidirektion Dresden ist der Einsatz am Abend aber noch nicht beendet. Zwei Hundertschaften werden auch in der folgenden Nacht noch im gesamten Direktionsbereich präsent sein.

Nach dem Abzug der Neonazis rief das „Forum gegen Rechts“ zu einer Spontandemo über die Großenhainer Straße und den Bahnhof Neustadt bis zum Goldenen Reiter auf – sprich: genau die Strecke, die ursprünglich die Rechten für den „Tag der Deutschen Zukunft“ nutzen wollten. Rund 500 Dresdner nahmen dem Forum zufolge an der „Siegesdemo“ teil.   „Ständige spontane Platzbesetzungen verhinderten heute, dass die Nazis ihre Route laufen konnten. Das ist ein Erfolg! Gleichzeitig konnten die Nazis deutlich weniger Menschen mobilisieren, als prognostiziert“, so Frank Neumann, Sprecher vom Dresdner „Forum gegen Rechts“. Kritisch sieht Neumann allerdings die Einschüchterung von Gegendemonstranten durch Wasserwerfer und das teilweise Einkesseln von Nazigegnern, etwa an der Robert-Matzke-Straße. „Dadurch hat die Polizei auch eine unnötige Eskalation in Kauf genommen“, ärgert sich Neumann.

Für den DGB erklärte der Stadtverbandsvorsitzende André Schnabel: „Ich begrüße es ausdrücklich, dass alle in Dresden heute an einem Strang gezogen haben. Wir sind erfreut über die zahlreichen Kollegen und Bürger der Stadt, die ihren Protest gegen den Naziaufmarsch in vielfältiger Weise gezeigt haben. Unser Dank gilt auch der Polizei und der Ordnungsbehörde für ihren umsichtigen Einsatz.“

Bereits am 17. Juni wollen die Rechtsextremen erneut einen Marsch in Dresden durchführen. „Auch an diesem Tag werden wir den Nazis aber nicht einfach die Straße überlassen und uns ihnen lautstark entgegenstellen“, verspricht Frank Neumann.

Die Kommentarfunktion steht bis morgen, 10 Uhr, nicht zur Verfügung.

Nadine Steinmann

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