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Morddrohungen gegen Deich-Kläger in Dresden - "Mich trifft nun die Wut"

Morddrohungen gegen Deich-Kläger in Dresden - "Mich trifft nun die Wut"

Ein Gohliser Anwohner, der gegen die Pläne für den Deichbau in dem elbnahen Dresdner Ortsteil geklagt hatte, hat nach dem Hochwasser Morddrohungen erhalten. Das teilte sein Anwalt den DNN mit.

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Der überflutete Dresdner Stadtteil Gohlis (Sachsen) am 05.06.2013.

Quelle: dpa

Dresden. Wolfgang Schütze hatte von 2010 bis 2012 prozessiert, um für einen Abschnitt des Bauwerks einen höheren Anteil mobiler Flutschutzwände zu erreichen. Letztlich scheiterte er mit seinem Anliegen. Nachbarn vermuteten, die Klage habe den Bau des Hochwasserschutzes in verzögert, und machten den 70-Jährigen für die jüngste Überflutung des Ortsteils verantwortlich.

Für den Bau des Deiches gab es Ende 2009 einen Planfeststellungsbeschluss, dem bis Januar 2010 eine öffentliche Auslegung der Pläne folgte. Dort hatten alle Betroffenen die Möglichkeit, ihre Einwände vorzubringen. Nachdem seine Einwände nicht berücksichtigt worden waren, sah Wolfgang Schütze im Februar 2010 nur noch den Gang vors Gericht als einzige Möglichkeit.

"Parallel zu der Klage, die zwei Jahre später abgewiesen wurde, war der erste Bauabschnitt im Bau und wurde 2012 auch fertiggestellt", verteidigt sich Schütze. Die ganze Zeit über habe Baurecht bestanden. Seine Klage habe in keinster Weise zu Verzögerungen im Bau geführt. Dies bestätigt auch die Landestalsperrenverwaltung (LTV) Sachsen: „Klagen gegen einen Planfeststellungsbeschluss haben keine aufschiebende Wirkung“, stellte Sprecherin Katrin Schöne am Freitag klar.

"Mich trifft nun die Wut, sie haben endlich einen Schuldigen gefunden", ärgert sich Schütze. Mehrfach habe er sich üblen Anfeindungen ausgesetzt gesehen. "Dich müsste man gleich ins Wasser reinschmeißen und ersäufen", habe man ihm gegenüber gedroht. Auch vom Aufhängen sei die Rede gewesen. Eine Frau habe ihm gegenüber gesagt: "Dir müsste man das Haus anzünden." LTV-Sprecherin Katrin Schöne hat für diese Auswüchse kein Verständnis: "Man kann die Dauer einer Hochwasserschutzmaßnahme nicht an einer Person festmachen. Die Anwohner sollten dort keine Hexenjagd veranstalten. Wichtig ist, jetzt nach vorn zu schauen!"

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In Gohlis sind die Deiche weiterhin zu niedrig - ein Anwohner gilt für seine Nachbarn als Schuldiger.

Quelle: Hauke Heuer

"Ich habe mich nicht gegen die Verbesserung des Hochwasserschutzes insgesamt ausgesprochen, sondern gegen einige Inhalte der Planungen, zum Beispiel für einen größeren Anteil mobiler Wände statt einer Betonmauer. Wie man das in Mickten oder auch in ganz anderen Städten gemacht hat, wäre das auch in Gohlis möglich gewesen", ist Schütze überzeugt.

Derzeit hält sich Schütze daheim in Niedergohlis auf und räumt nach dem Hochwasser sein Grundstück an der Dorfstraße gleich hinterm Elbdeich auf. "Ich brauche noch mindestens ein halbes Jahr, ehe ich wieder ordentlich hier wohnen kann", schätzt er. An seinem Haus sei, wie schon bei der Jahrhundertflut 2002, erneut Totalschaden entstanden. Auch die 400 Euro Soforthilfe für Flutopfer hat er sich bereits abgeholt.

Trotz der Beschimpfungen, die Wolfgang Schütze über sich ergehen lassen muss, würde er wieder genau so vorgehen. "Ich stehe zu den Klagepunkten und zu der Tatsache, dass ich die Klage geführt habe", sagt er. Er hoffe allerdings, dass, wenn die Schäden einigermaßen beseitigt sind, es in Gohlis wieder "zu einem einigermaßen friedlichen Weiterleben kommt". Zudem wünscht er sich, dass die aktuell im Bau befindlichen Hochwasserschutzanlagen schnell fertiggestellt werden.

Stefan Schramm

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