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Mutmaßlicher Terror-Helfer packt aus: Holger G. war eng in Zwickauer Neonazi-Zelle verstrickt

Mutmaßlicher Terror-Helfer packt aus: Holger G. war eng in Zwickauer Neonazi-Zelle verstrickt

Hamburg/Berlin/Leipzig. Der mutmaßliche Unterstützer der Zwickauer Terrorzelle Holger G. hat gegenüber den Ermittlungsbehörden umfangreich ausgesagt.

Nach einem Bericht des Spiegel soll der 37-Jährige dabei nicht nur seine eigenen Verstrickungen zum Neonaz-Trio offengelegt, sondern auch den ebenfalls in Haft sitzenden langjährigen NPD-Funktionär Ralf Wohlleben aus Jena schwer belastet haben.

G. unterstützte nach eigenen Angaben die mutmaßlichen Terroristen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe im Untergrund noch im Mai 2011. Dabei sei es um einen neuen Reisepass für Böhnhardt gegangen. Als er gezögert habe, hätten ihm die drei gesagt, dass es kein Zurück mehr gebe. Nach zehn Jahren sei es fürs Kneifen zu spät. G. half erneut. Zuvor hatte er das Trio mit einem Führerschein, Krankenkassenkarten und einer ADAC-Karte versorgt.

Pistole im Stoffbeutel

Bereits kurz nach dem Abtauchen der drei Neonazis 1998 habe Wohlleben ihn um Geld für die Flüchtigen gebeten, gab G. laut Spiegel gegenüber Ermittlern zu Protokoll. Er habe daraufhin 3000 Mark gespendet. 2000 oder 2001 habe Wohlleben ihn gebeten, einen ersten Reisepass für Böhnhardt erstellen zu lassen. Für ein Passfoto habe er sich auf Anweisung eigens einen Schnauzbart wachsen lassen und eine Brille aufgesetzt. Den Pass habe er konspirativ auf dem Zwickauer Bahnhof übergeben.

Den Kontakt zu den Flüchtigen stellte demnach Wohlleben her, der ihm eine geheime Telefonnummer gegeben habe. In seiner Vernehmung gestand G. zudem, dass er angeblich im Auftrag Wohllebens 2001 oder 2002 eine Waffe zu den Flüchtigen brachte. Er habe eine Reisetasche mit einem Stoffbeutel transportiert, den ihm Wohlleben gegeben habe und in dem er eine Pistole ertastet habe. Auf seine Fragen habe NPD-Mann Wohlleben geantwortet, es sei besser, wenn er, G., nicht wisse, was die drei damit vorhätten.

Regelmäßiger Telefonkontakt zum Terror-Trio

Zschäpe holte G. laut der Vernehmung am Zwickauer Bahnhof ab und brachte ihn in ein Mehrfamilienwohnhaus, wo Böhnhardt und Mundlos warteten. Einer von beiden habe die Pistole ausgepackt und durchgeladen. Danach will sich G. geweigert haben, weitere Kurierdienste für das Trio zu übernehmen. Mit Waffen wolle er nichts zu tun haben. Bis auf ein paar Unterbrechungen habe G. allerdings weiterhin ein- bis zweimal pro Jahr mit ihnen telefoniert.

Im Jahr 2005 hätten die drei unvermittelt vor der Tür von G.s Wohnung in Hannover gestanden. Etwas später habe ihn das Trio gebeten, einen Führerschein zu besorgen. Die Gebühr hätten sie ihm erstattet. Wie aus den Spiegel-Recherchen hervorgeht, versäumte es das Bundeskriminalamt nach der Festnahme Holger G.s im November 2011 offenbar, den Arbeitsplatz des Beschuldigten zu durchsuchen.

Zschäpe leidet unter Haftbedingungen

In Erfurt wird an diesem Montag ein erster Zwischenbericht zu möglichen Ermittlungspannen der Thüringer Behörden bei der Verfolgung des Terrortrios vorgelegt. Eine von der Landesregierung berufene unabhängige Kommission untersucht dort die Arbeit von Verfassungsschutz und Polizei. Deren Leiter, Ex-Bundesrichter Gerhard Schäfer, will sich zusammen mit Innenminister Jörg Geibert (CDU) zu den bisherigen Erkenntnissen äußern.

Zschäpe leidet nach den Worten ihrer Anwälte an Erschöpfung und unter den Bedingungen in der Haftanstalt Köln-Ossendorf. Ihr setzten nächtliche Dauerbeleuchtung, Durchsuchungen sowie Bespuckungen und Drohungen durch andere Insassen zu, berichtet Spiegel Online. Sie könne nicht ungehindert mit ihren Anwälten telefonieren. Anstaltsleiterin Angela Wotzlaw räumte die Bedingungen teilweise ein. „Frau Zschäpe wird aber keinen besonderen Haftbedingungen ausgesetzt“, sagte sie. Wie viele andere suizidgefährdete Häftlinge werde sie spätestens alle 15 Minuten beobachtet. Dazu müsse kurz das Licht eingeschaltet werden.

Dem Trio wird vorgeworfen, den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) gegründet zu haben. Der NSU soll mindestens zehn Morde an türkisch- und griechischstämmigen Kleinunternehmen sowie einer Polizistin begangen haben. Zur Mordserie wird es aller Voraussicht nach einen Bundestags-Untersuchungsausschuss geben. Die SPD-Fraktion wolle einem entsprechenden Antrag der Grünen zustimmen, sagte ein Sprecher am Samstag. Der Ausschuss soll unter anderem ein Versagen der Sicherheitsbehörden bei der Verfolgung der Terrorzelle und der Aufklärung ihrer Straftaten untersuchen.

dpa/nöß

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