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Polizeiticker Neonazi und Ex-V-Mann Brandt wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt
Region Polizeiticker Neonazi und Ex-V-Mann Brandt wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt
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21:23 13.11.2014
Der Rechtsextremist und frühere V-Mann des Verfassungsschutzes, Tino Brandt, steht wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern vor Gericht. Quelle: Michael Reichel/Archiv
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Gera

Das teilte die Geraer Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Insgesamt gehe es um 157 Fälle aus den Jahren 2011 bis 2014. „Das bedeutet, dass er selbst sexuelle Kontakte zu Kindern und Jugendlichen hatte“, sagte Behördensprecher Jens Wörmann.

Brandt soll zudem in 45 Fällen männliche Minderjährige für sexuelle Handlungen an Erwachsene vermittelt und dafür Geld genommen haben. Dies sei im juristischen Sinne keine Zuhälterei, sondern Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger. Der Staatsanwaltschaft zufolge sitzt Brandt seit Juni in Untersuchungshaft. Er habe aktiv am Ermittlungsverfahren mitgewirkt und sich zu den Vorwürfen eingelassen, hieß es. Wörmann bestätigte einen entsprechenden Bericht des MDR, wonach der 39-Jährige die Taten teilweise gestanden hat.

Wann das Hauptverfahren eröffnet wird, entscheide nun das Gericht. Er rechne aber nicht damit, dass es noch in diesem Jahr beginne, fügte der Sprecher hinzu. Brandt führte jahrelang die Neonazi-Kameradschaft „Thüringer Heimatschutz“, der auch die späteren mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe angehörten. Zudem war er zeitweise Mitglied im Landesvorstand der NPD und arbeitete als V-Mann des Verfassungsschutzes.

Mit dem erhaltenen Geld will er Aktivitäten in der rechten Szene finanziert haben. Einen Zusammenhang zu Brandts „politischen Ansichten“ gebe es bei der jetzigen Anklage aber nicht, betonte die Staatsanwaltschaft. Der Anfangsverdacht, der noch auf Zuhälterei lautete, entstand der Generalstaatsanwaltschaft in Gera zufolge aus einem anderen Verfahren.

Dabei geht es um Versicherungsbetrug mit einem Schaden von mehr als einer Million Euro, an dem Brandt beteiligt gewesen sein soll. Staatsanwalt Wörmann betonte, dass diese Ermittlungen aber noch nicht abgeschlossen seien. Dazu waren im März 2012 bei einer Razzia Wohnungen und Geschäftsräume in Rudolstadt und Leipzig durchsucht worden. Dabei waren die Ermittler auch auf ein illegales Waffendepot gestoßen. Anfang November war im Zusammenhang mit den Vorwürfen des Kindesmissbrauchs ein 56-Jähriger vom Geraer Landgericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Er hatte im Verlauf des Prozesses gestanden, einen minderjährigen Jungen missbraucht zu haben. Brandt selbst habe er aber nicht gekannt, sagte der Mann.

dpa

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