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Prozess um Mord an Jasmin: Tatverdächtiger soll unter Drogeneinfluss gestanden haben

Prozess um Mord an Jasmin: Tatverdächtiger soll unter Drogeneinfluss gestanden haben

Es war nur ein Moment: Als die Anwälte, Richter und Schöffen am Pult mit einem Zeugen Fotos diskutierten, saßen sich die Eltern der getöteten Jasmin K. (19) und der mutmaßliche Mörder Sebastian S.

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Der 24-jährige Angeklagte im Gerichtssaal (Archivbild).

Quelle: Andreas Döring

Leipzig. (24) plötzlich ohne menschliche Sichtbarrieren gegenüber - und konnten sich zum ersten Mal in die Augen schauen. Sebastian S., der ansonsten die Tischplatte vor sich anstarrte, hob den Blick, traf auf den von Jasmins Mutter und Vater. Ein eisiger Moment, der haften blieb, auch wenn der junge Mann binnen Sekunden auswich.

Der Prozess am Landgericht Leipzig soll klären, weshalb die Eltern ihre Tochter verlieren mussten. Doch auch der vierte Verhandlungstag brachte noch keine Klarheit. Die Anklage lautet unter anderem auf Vergewaltigung und Mord aus niedrigen Beweggründen sowie um eine Straftat zu verdecken. Fest steht bislang nur: Sebastian S. hat die junge Frau aus Elbisbach (Kreis Leipzig) am frühen Morgen des Pfingstsonnabends 2014, nach einem gemeinsamen Disco-Besuch, getötet. Über das Motiv schweigt der 24-Jährige bis dato. Nur so viel hat er von seinem Strafverteidiger Rainer Wittner erklären lassen: "Es stimmt, ich bin am Tod von Jasmin schuld. Das ist für mich im Nachhinein unfassbar und unerklärlich."

Vor dem Landgericht wurden am Dienstag noch einmal die Disco-Nacht von Frohburg, die Suche nach der vermissten Jasmin über das Pfingst-Wochenende hinweg sowie die ersten Befragungen von Sebastian S. thematisiert. "Als wir am 7. Juni gegen 9 Uhr bei ihm in Hopfgarten eintrafen, kniete Sebastian S. merkwürdig auf dem Boden in Glasscherben, war an Händen und Knien verletzt, bekam kein Wort heraus, konnte nicht allein laufen", beschrieb der Polizist Alexander H. den ersten Kontakt. Sein Verdacht: Hier stimmt etwas nicht, auch wenn keine eindeutigen Kampfspuren zu sehen waren - "ich hatte ein schlechtes Bauchgefühl". Aufgrund des Zustandes von Sebastian S. habe man sich entschlossen, einen Notarzt zu rufen, der ihn schließlich in das Krankenhaus Borna einlieferte.

Auf dem Weg in die Klinik fertigte die begleitende Polizistin Julia A. einen Drogen-Schnelltest an. Das Ergebnis: Sebastian S. wies einen Mix aus Marihuana und Opiaten auf. Vor und während des Disco-Besuchs soll er bereits Bier, eigene Alkohol-Mischungen sowie Stroh-80-Rum getrunken haben. Es könnte also sein, dass sich der 24-Jährige, Vater eines kleinen Kindes, im Rausch befand - für das Urteil wäre dies von maßgeblicher Bedeutung. Sebastian S. hat in Vernehmungen ausgesagt, dass er sich nach der Tat umbringen wollte.

"Ich hatte das Gefühl, dass er keinerlei Schmerzempfinden besaß", sagte Julia A. gestern aus - das würde, erklärte die Polizistin, neben den offensichtlichen körperlichen Defiziten, ebenfalls auf Drogen hinweisen. Nach ihren Angaben wurde Sebastian S. in der Klinik derart aggressiv, dass sie sich nur mit Pfefferspray und durch die Unterstützung von mehreren Pflegern zu helfen wusste. "Ich habe ihn auf einem Krankenbett mit Handschellen fixiert", so Julia A. Am späten Pfingstsonnabend wurde Sebastian S. wieder aus dem Krankenhaus entlassen - und anderthalb Tage darauf als Tatverdächtiger festgenommen.

Der Prozess wird am 20. Januar fortgesetzt. Das Urteil wird für den 30. Januar erwartet.

Andreas Debski

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