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Staatsanwältin sagt im Terrorprozess um „Gruppe Freital“ aus

Oberlandesgericht in Dresden Staatsanwältin sagt im Terrorprozess um „Gruppe Freital“ aus

Die Dresdner Staatsanwaltschaft hat zunächst keine Verbindungen zwischen den einzelnen der rechtsextremen „Gruppe Freital“ zugeschriebenen Anschläge gesehen. In der Befragung der Staatsanwältin ging es vor allem um den Anschlag auf das linke Dresdner Wohnprojekt „Mangelwirtschaft“ im Oktober 2015 sowie auf eine Asylunterkunft in Freital im November 2015.

In dem Prozess in Dresden wird sieben Männern und einer Frau im Alter zwischen 19 und 39 Jahren unter anderem die Bildung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen.

Quelle: dpa

Dresden. Der mutmaßliche Rädelsführer der unter Terrorverdacht stehenden „Gruppe Freital“ hat den Ermittlungsbehörden bereitwillig Auskunft zu einzelnen Anschlägen gegeben. Das ist das Fazit der Vernehmung einer Staatsanwältin am Dienstag bei der Verhandlung im Oberlandesgericht in Dresden. Die Frau war damals mit dem Fall beauftragt. Der 28 Jahre alte Timo S. habe über viele Dinge gesprochen, die „wir gar nicht auf dem Schirm hatten“, sagte sie: „Wir waren perplex, zu wie vielen Sachen er etwas sagen konnte.“

S. habe auch ausgesagt, dass bei dem Überfall auf das alternative Dresdner Wohnprojekt „Mangelwirtschaft“ in der Nacht vom 18. zum 19. Oktober 2015 neben Mitgliedern der Freien Kameradschaft Dresden Leute von den Skinheads Sächsische Schweiz (SSS) beteiligt waren, gab die Staatsanwältin zu Protokoll. Das habe S. aber nur vom Hörensagen her gewusst. Auch bei den Krawallen vor einer Flüchtlingsunterkunft im August 2015 in Heidenau sollen „SSS“-Leute eine Rolle gespielt haben. Die Neonazi-Kameradschaft war 2001 in Sachsen verboten worden.

In dem Prozess wird sieben Männern und einer Frau im Alter zwischen 19 und 39 Jahren unter anderem die Bildung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Sie sollen 2015 mehrere Sprengstoffanschläge in Freital und im nahen Dresden verübt und für ein Klima der Angst und Repression gesorgt haben. Nach Darstellung der Bundesanwaltschaft nahmen sie die Verletzung und Tötung von Menschen in Kauf. In der Anklage geht es auch um versuchten Mord. Die verwendeten Böller waren für die Anschläge präpariert worden und besaßen enorme Sprengkraft.

Laut Zeugenaussage hatte S. bei seiner Vernehmung den mitangeklagten Patrick F. als Ideengeber zumindest der letzten beiden Anschläge genannt. F. soll maßgeblich für die Sprengsätze zuständig gewesen sein. Offenbar versuchte S. im Gegenzug für Aussagen vor Polizei und Staatsanwalt wieder aus der Haft zu kommen. Diese Vermutung äußerte zumindest Anwalt Endrik Wilhelm, der die einzige Frau in der Runde der Beschuldigten vertritt. Eine solche Zusage sei S. aber seitens der Ermittler nicht unterbreitet worden, erklärte die Staatsanwältin.

Die Dresdner Staatsanwaltschaft hatte zunächst keine Verbindungen zwischen den einzelnen, der rechtsextremen „Gruppe Freital“ zugeschriebenen Anschlägen gesehen. „Es war wie ein Puzzle, wo man von 1000 Teilen nur fünf hat“, berichtete die Staatsanwältin. Nach und nach seien dann aber weitere Teile hinzugekommen. Da es damals verschiedene Tatorte gab, habe man auch verschiedene Verfahren eingeleitet und bearbeitet. Im Frühjahr 2016 übernahm die Bundesanwaltschaft den Fall.

Verteidiger Wilhelm machte am Dienstag auch eine vermeintliche Ermittlungspanne öffentlich. Er wollte von der Staatsanwältin wissen, ob ihr bekannt sei, dass der Anschlag auf das linke Wohnprojekt hätte verhindert werden können - wenn nämlich die Bänder von einer angeordneten Telefonüberwachung eher abgehört worden wären. In dem Gespräch soll über den Anschlag gesprochen worden sein. Die Auswertung sei erst am darauffolgenden Morgen erfolgt. Die Staatsanwältin hatte nach eigenem Bekunden keine Kenntnis davon.

LVZ

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