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Staatsanwaltschaft: Keine Ermittlungspannen im Fall des getöteten Flüchtlings Khaled I.

Staatsanwaltschaft: Keine Ermittlungspannen im Fall des getöteten Flüchtlings Khaled I.

Nach dem Tod des 20-jährigen Asylbewerbers Khaled Idris Bahray in Leubnitz-Neuostra werden mehr Details zu dem Geschehen in der Nacht zum Dienstag bekannt. Zugleich stellen sich immer mehr Fragen zum gewaltsamen Tod des Eritreers.

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Quelle: dpa

Dresden. Neu ist: Bei der Obduktion wurden nicht nur mehrere Einstichwunden am Hals und der Brust des Mannes gefunden, er hatte auch einen offenen Knochenbruch. Dass die Polizei am Dienstag mitteilte, es gebe „keine Anhaltspunkte auf eine Fremdeinwirkung“ erklärte die Dresdner Staatsanwaltschaft mit der „Auffindesituation“. „Da konnte man nicht sagen, dass er erstochen worden ist“, sagte Lorenz Haase, der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Dennoch hat Volker Beck, Bundestagsabgeordneter der Grünen, Anzeige erstattet. „Strafvereitelung im Amt“ lautet der Vorwurf, den Beck dabei erhebt. Polizei und Staatsanwaltschaft gingen bei den Ermittlungen zu „nachlässig“ vor, moniert der Politiker.

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Lorenz Haase beschrieb am Mittwoch den Ablauf am Dienstagmorgen auf DNN-Nachfrage. Demnach wurde der Tote von Anwohnern entdeckt. Dabei handelt es sich um Wienried K., eine 62-Jährige aus einem Nachbarhaus, das an den Sechsgeschosser anschließt, in dem die Asylbewerber wohnen. „Ich bin am Morgen gegen halb acht mit dem Hund raus“, berichtete die Dresdnerin. „Da hab‘ ich etwas am Haus liegen sehen. Ich dachte zuerst, dass dort jemand Kleidung hingelegt hat. Als ich dann nähergekommen bin, habe ich gesehen, dass es ein Mensch ist. Der hat nicht mehr geatmet.“ Die Frau alarmierte sofort die Polizei, die „keine zehn Minuten später“ vor Ort war. Blut oder Verletzungen hat Wienried K. an dem Toten nicht gesehen. „Nein, da war nichts“, erinnert sie sich. Den Tod des 20-Jährigen kann sie sich genauso wenig erklären wie alle anderen Nachbarn. „Die waren ganz ruhig“, berichtet sie von den Asylbewerbern im 1. Stock des Hauses an der Johannes-Paul-Tilmann-Straße, die sie gern auch „die Schwarzen“ nennt.

Haase berichtete, nachdem am Dienstagmorgen klar war, dass es sich um einen Toten handelt, seien ein Notarzt und Ermittler des Kommissariats 11 informiert worden. Zu diesem Kommissariat gehört auch die Mordkommission. Auch der Arzt habe „aufgrund der Auffindesituation“ nicht mehr sagen können, als dass es sich nicht um einen natürlichen Tod handelt.

Deshalb wurde der Tote am Mittwoch von Rechtsmedizinern untersucht. Haase weiter: „Am Morgen um 9 Uhr fing die Obduktion an. Zehn Minuten später wurde die erste Stichverletzung entdeckt und sofort die Mordkommission informiert.“ Da sei noch nicht klar gewesen, ob die Stichverletzung auch die Todesursache war. „Das ist vom Ablauf her völlig normal gelaufen“, wies Haase Kritik an den Ermittlungen der Polizei zurück. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft gab es also keine Ermittlungspannen.

Oberbürgermeisterin Helma Orosz und Innenminister Markus Ulbig (beide CDU) warnten gestern vor voreiligen Schlüssen. Die Tat habe geschockt und werfe viele Fragen auf, sagte Orosz. Wichtig sei ihr jedoch, dass es nun keine Spekulationen in die eine oder andere Richtung gebe. Ulbig kritisierte das Vorgehen von Volker Beck. „Strafanzeigen aus der Politik helfen keinen Deut bei der Aufklärung“, sagte der sächsische Innenminister, „Zurückhaltung und Respekt vor der Ermittlungsarbeit aber schon.“

Die Polizei berichtete am Dienstag, der 20-Jährige habe die Unterkunft am Montagabend gegen 20 Uhr verlassen und gesagt, er wolle einkaufen gehen. Der nächstgelegene Supermarkt befindet sich in den Leubnitz-Arkaden und ist nur etwa zwei Gehminuten entfernt von dem Sechsgeschosser, in dem die Asylbewerber wohnen. Auf dem Weg dorthin ist er von mindestens zwei Überwachungskameras gefilmt worden. Die Ermittler hoffen darauf, dass Khaled Idris Bahray gesehen worden ist. Bisher gab es aber noch keine Zeugenhinweise, die eine heiße Spur ergeben, sagte Haase. Weshalb die Mitbewohner des 20-Jährigen nicht selbst und viel früher Alarm geschlagen haben, nachdem Khaled Idris Bahray vom Einkauf nicht zurückgekommen ist, ist unbekannt. „Dazu kann ich im Moment nichts sagen“, erklärte Oberstaatsanwalt Haase.

Christoph Springer

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