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Polizeiticker Thügida-Chef Köckert festgenommen – Razzia auch in Sachsen
Region Polizeiticker Thügida-Chef Köckert festgenommen – Razzia auch in Sachsen
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11:27 01.11.2018
David Köckert bei einer Gerichtsverhandlung im Februar 2015 in Gera. Quelle: Sebastian Kahnert / dpa
Leipzig

Die Staatsanwaltschaft Gera hat am Dienstagmorgen David Köckert, Chef der rechtsextremen „Thügida“-Gruppe, festnehmen lassen. Das sagte Behördensprecher Sven Schroth gegenüber der LVZ. Zudem wurden an mehreren Orten in Thüringen und Sachsen Wohnungen und Geschäftsräume des 39-Jährigen durchsucht.

Bei der koordinierten Aktion von Thüringer Landeskriminalamt (LKA) und Zoll seien unter anderem Schlagringe, Pyrotechnik, Geschäftsunterlagen und Datenträger sichergestellt worden. Neben dem bekannten Rechtsextremen selbst stehen noch zwei andere Männer im Fokus der Ermittlungen der Behörden. Zu diesen wurden bisher aber keine Angaben gemacht.

Vorwurf: Verstoß gegen Waffengesetz, Erpressung und Betrug

Grundlage für Festnahme und Razzien bilden offenbar zwei verschiedene Strafverfahren der Geraer Staatsanwaltschaft. „Im ersten Verfahrenskomplex werden zwei der Beschuldigten neben einer schweren räuberischen Erpressung auch Verstöße gegen das Waffengesetz vorgeworfen“, heißt es. Konkret soll Köckert zusammen mit einem der beiden anderen Beschuldigten am 6. Oktober in Gera-Lusan einen Pizzaboten ausgeraubt haben. Wie die Ostthüringer Zeitung schreibt, wurde der 24-jährige Lieferant damals mit Pfefferspray attackiert, die beiden Angreifer raubten ihn aus und flüchteten anschließend mit einem Pkw.

Im zweiten Verfahren geht es um Sozialversicherungsbetrug, der neben Köckert auch dem dritten Beschuldigten zur Last gelegt wird. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, betriebt Köckert in Thüringen und Sachsen mehrere Tattoo-Studios und soll für seine Mitarbeiter „seit geraumer Zeit erheblich zu niedrige Sozialversicherungsbeiträge abgeführt“ haben. Kranken- und Rentenkassen sei so ein nicht unbedeutender Schaden entstanden.

Wie Sven Schroth weiter erklärte, befand sich eines von Köckerts Tattoo-Studios im sächsischen Kirchberg und wurde deshalb am Dienstagmorgen ebenso von Beamten durchsucht, wie weitere Geschäftsräume in Gera, Greiz und Zeulenroda sowie Wohnungen in Greiz, Wünschendorf und Zwickau.

Führungsfigur der rechtsradikalen Szene

David Köckert ist eine der führenden Figuren der Rechtsextremen in Ostdeutschland. In den 1990er Jahren soll der 39-Jährige Kopf einer neonazistischen Kameradschaft gewesen sein. 2013 trat er in die AfD ein, wechselte ein Jahr später aber zur NPD und zog 2014 als Kandidat der Partei in den Kreistag des Landkreises Greiz ein. Seit mehreren Jahren organisiert er zudem Demonstrationen für die offen rassistisch und fremdenfeindlich auftretende Thügida-Gruppe.

Köckert ist mehrfach im Verfassungschutzbericht des Landes Thüringen im Bereich Rechtsextremismus erwähnt. Wie es in der Ausgabe von 2017 unter anderem heißt, griff er bei einer Veranstaltung in Apolda die Bundeskanzlerin scharf an und nannte sie ein „Brotspinne“. Konkret soll er damals gesagt haben: „Ich will der Wolf sein, der dieses Rudel dahin führt und diese bucklige Brotspinne zur Hölle fahren lässt.“ Neben seiner Forderung, die Kanzlerin zu stürzen, „griff er auch auf nationalsozialistische Propagandamuster zurück, in denen der Wolf als Figur der germanischen Mythologie verwandt wurde“, heißt es weiter im Bericht.

Auffällig wurde der 39-Jährige in diesem Jahr unter anderem auch auf den rechten Demonstrationen in Chemnitz und Köthen. Köckert trägt eine „schwarze Sonne“ als Tattoo im Gesicht. Aufgrund ihrer Verwendung im Nationalsozialismus gilt das Symbol als eines der Erkennungszeichen der neonazistischen Szene.

Von Matthias Puppe

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