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Wenn Helfer Hilfe brauchen

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Sie wollen helfen, oft aus Berufung. Doch Rettungssanitäter werden selbst regelmäßig bei Einsätzen Opfer von Gewalt, was aus einer Studie aus Nordrhein-Westfalen hervorgeht.

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Laut einer Studie werden Rettungskräfte häufiger als angenommen selbst zu Opfern.

Quelle: dapd

Leipzig. In Sachsen sollen Deeskalationsschulungen die Einsatzkräfte vor Übergriffen bewahren.

"In Coswig ging es einmal so weit, dass sogar Schrauben an einem Rettungswagen gelockert wurden", sagt Albrecht Scheuermann, zuständig für die Rettungsdienste beim Arbeiter-Samariter-Bund Sachsen. Diese Eskalation sei von ein paar Jugendlichen ausgegangen, die jede Art von Blaulicht bekämpften. Feuerwehrmänner, Sanitäter und Polizisten haben in größeren Dimensionen mit diesem Problem zu kämpfen.

Die Ausmaße belegt eine Studie aus Nordrhein-Westfalen. Die Soziologin Julia Schmidt von der Ruhr-Universität Bochum befragte Sanitäter und Feuerwehrleute. Verbalen Angriffen war bereits fast jeder ausgesetzt, 59 Prozent auch aggressiven Übergriffen. Mehr als jeder vierte Retter wurde Opfer von körperlicher, strafrechtlich relevanter Gewalt.

Wer auf Rettungskräfte losgeht, ist meist männlich und im Rausch. Das ist kaum überraschend, andere Ergebnisse der Untersuchung schon: Verbale oder körperliche Angriffe passieren häufiger tagsüber als nachts, ebenso oft im privaten wie im öffentlichen Raum.

Großveranstaltungen wie Demon- strationen, Volksfeste oder Sportereignisse spielen dabei keine herausgehobene Rolle. Und soziale Brennpunkte sind bei weitem nicht die einzigen Tatorte: Mehr als jeder vierte Übergriff gegen Rettungskräfte ereignet sich in bürgerlichen Wohngegenden.

Konkrete Zahlen für Sachsen gibt es nicht. Von einer aktuellen Zunahme wollen weder die Rettungskräfte noch die Polizei sprechen. Doch es passiert immer wieder. "1141 Fälle von Gewalt gegen Polizisten gab es 2011", erklärt Lothar Hofner. Das ist ein leichter Rückgang. Doch der stellvertretende Pressesprecher des sächsischen Innenministeriums warnt: "Wer Polizisten angreift, greift die Gesellschaft an." Und wird per Gesetz bestraft. Bis vor zwei Jahren galt das aber nicht bei Angriffen auf Rettungskräfte. Doch aufgrund der bundesweit immer größeren Zahl an Übergriffen, reicht nun bereits ein Drohung gegen einen Sanitäter für ein stattliche Strafe.

"Wir bedauern, dass die Übergriffe trotzdem nicht zur Anzeige gebracht werden", sagt Marco König, Vorsitzender des Deutschen Berufsverbandes der Rettungskräfte (DBRD). Der Entwicklung müsse entgegengewirkt werden. Sonst bekomme man Nürnbergeske Zustände: Sanitäter tragen im Dienst stichfeste Westen und Pfefferspray. In der bayerischen Stadt sind die Übergriffe besonders drastisch. Einem Sanitäter wurde in Nürnberg ein mundgroßes Stück Fleisch aus dem Oberarm gebissen, andere Einsätzkräfte mit Schusswaffen bedroht. Innerhalb von sieben Monaten kam es dort zu 70 Übergriffen.

Das Deutsche Rote Kreuz in Sachsen und der ASB Sachsen schulen ihre Mitarbeiter zur Deeskalation von Gewaltsituationen. "Lieber vor die Tür gehen und auf die Polizei warten", erklärt DBRD-Vorsitzender König. "Dass die Beamten im Dienst der Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt sind, liegt in der Natur der Sache", so Ministeriumssprecher Hofner.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.03.2013

Matthias Pöls

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