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35 Jahre nach dem Absturz

35 Jahre nach dem Absturz

Die Sonderausstellung „Katastrophenflug IF-1107“ ist derzeit im Delitzscher Barockschloss-Museum zu sehen. Sie erinnert an den Absturz einer Tupolew-134 am 1. September 1975 am Flughafen Schkeuditz.

Schkeuditz/Delitzsch. Exponate, bisher unbekannte Untersuchungsakten über den Absturz aus den Archiven der Gauck-Behörde sind zu sehen. Bei dem Absturz sterben 26 der 34 Insassen des DDR-Interflug-Flugs von Stuttgart nach Leipzig, die süddeutsche Geschäftsleute zur Leipziger Herbstmesse brachte.

„Seit März 2009 haben wir sehr viele Akten bei der Gauck-Behörde in Leipzig sondiert und ausgewertet“, erläutert Jürgen Geisler, der Leiter des Museums. Zuvor habe es eine derart intensive Sichtung der Akten nicht gegeben. Ein Anliegen des Museums sei es gewesen, zum 35. Jahrestag mit Unklarheiten aufzuräumen. Die grundsätzliche Motivation sieht Geisler allerdings darin, an dieses Ereignis zu erinnern. „Die Ausstellung ist nicht sensationslüstern angelegt. Dennoch ist der Flugzeugabsturz ist eine deutsch-deutsche Tragödie und das wollten wir herausstellen“, betont Geisler.

„Ein wichtiger Aspekt war, wie die Behörden in beiden deutschen Staaten trotz des Kalten Krieges zusammen gearbeitet haben“ erzählt Geisler. So habe das Stuttgarter Landeskriminalamt innerhalb eines Tages Akten zur Identifizierung der Verunglückten bereitgestellt, ergänzt er.

Abgefertigte Reisekoffer, alte Interflug- und Feuerwehruniformen und ein russischer Flugdatenschreiber: die ersten Eindrücke, die man beim Betreten der Sonderausstellung bekommt, versetzen einen zurück in die Vergangenheit. Beim Blick an die Decke fällt ein weißer Bremsfallschirm ins Auge, rote Flugzeugsitze und Glasvitrinen voll mit Stasi-Dokumenten vervollständigen den Eindruck.

Wandtafeln beginnen mit dem Tag des Absturzes und illustrieren den Absturzhergang chronologisch mit Skizzen des Unfallorts, Helferehrungen, Haftbefehlen, Kondolenzbriefen und einem Dankesbrief der Angehörigen der Verletzten. Die Ausstellung zeigt daneben Ermittlungsakten zur Unfallursache, die Volkspolizei, Luftfahrtexperten sowie die Stasi anfertigten, aber gleichzeitig Zeitungsausschnitte, die die ungewöhnlich ausführlichen Berichte der staatlich zensierten DDR-Medien veranschaulicht. Zeitungsberichte der LVZ werden mit Artikeln aus der Bundesrepublik kontrastiert. Eine MDR- Dokumentation von 1999 ergänzt die anderen Exponate.

Die Ursachen des Flugzeugabsturzes waren eine Verkettung menschlichen Versagens, schlechter Witterungsbedingungen und unzureichender technischer Ausstattung des Flughafens, heißt es in der Bewertung der Ausstellung. Zusätzlich zur Sichtung der Stasi-Akten sprach das Museum beteiligte Institutionen in ganz Deutschland an. Das Dresdner Verkehrsmuseum steuerte Exponate bei und aus Schkeuditz sind Fotos und Helferehrungsurkunden der Feuerwehr zu sehen.

Die Feuerwehr des Maschinen- und Apparatebau (MAB) aus Schkeuditz war mit als eine der Ersten am Absturzort und begann Hilfe zu leisten. Ungefähr einen Kilometer vor der damaligen Landebahn war die Interflug-Maschine mit den Tragflächen am Betonmast eines so genannten Funkfeuers hängen geblieben, hatte sich überschlagen und Feuer gefangen. Bilder vom Krankenhaus Bergmannswohl sind zu sehen, in welchem die leicht verletzten Passagiere und die Pilotencrew behandelt wurden.

Auf Anfragen nach Unterstützung beim Flughafen Leipzig/Halle sei laut Geissler keine Antwort erfolgt: „Der Flughafen hat sich sehr zurückgehalten und auf unsere Anfragen nicht reagiert.“ In der Ausstellung sind hingegen viele Exponate der Leipziger Messe wie Messe-Eintrittskarten für DDR- und Bundesbürger zu sehen, die die Ausstellung ergänzen.

Eine Geschichtsbroschüre, die der Flughafen 2009 herausgegeben hat, verschweigt den Flugzeugabsturz. Auf Nachfrage erklärt Flughafensprecher Uwe Schuhart, dass eine Erinnerung an das Flugzeugunglück nicht geplant sei: „Eine Gedenktafel wird es nicht geben. Der Absturz ist keine Flughafenangelegenheit, sondern war der Absturz einer Interflugmaschine“, stellt Schuhart klar. Allerdings wird vermutet, dass die 1978 erfolgte technische Aufrüstung des Airports mit Instrumentenlandesystem und einem permanenten Radarleitsystem eine Konsequenz auf den Flugzeugabsturz war.

www.delitzsch.de

Alexander Ilg

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