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40 000 Euro für Schkeuditzer Kirchgemeinden

40 000 Euro für Schkeuditzer Kirchgemeinden

Vor einer seltenen Situation stand jetzt die Stadt Schkeuditz: Weil die Altlastensanierung in Schkeuditz-West im Zusammenhang mit der KWL-Erschließung günstiger als geplant ausfällt, muss Schkeuditz statt der eingeplanten 70 000 nur noch 30 000 Euro berappen.

Schkeuditz. Was mit den eingesparten 40 000 Euro werden soll, da überraschte die Stadtrats-Fraktion der Freien Wähler ihre Ratskollegen mit einem ganz besonderen Beschlussantrag. Das Geld sollen Schkeuditzer Kirchgemeinden und sonstige Religionsgemeinschaften als Zuweisungen und Zuschüsse für Investitionen erhalten. Gleichzeitig wird die Auszahlung für die Altlastensanierung in Wehlitz per Beschluss auf maximal 30 000 Euro begrenzt. Die Kommunalen Wasserwerken Leipzig sollten sich jetzt also an ihre Kostenschätzung halten. Wird es doch teuer, gibt es Diskussionen - mit der Stadt oder mit den Anwohnern.

Diskussionen in der Sitzung gab es aber vor allem wegen des Vorschlages der Freien Wähler. "Es ist üblich, parteiübergreifend in den Fraktionen über die Verteilung einer solchen Summe zu reden und gemeinsam einen Beschluss zu entwerfen. Die jetzige Verfahrensweise ist mir in 25 Jahren Stadtratstätigkeit noch nicht widerfahren", schimpfte auch gestern noch Reiner Ehnert (Die Linke). Auch dass Oberbürgermeister Jörg Enke (Freie Wähler) selbst den Beschlussantrag verfeinerte und die Verwaltung Zeitdruck aufbaute, weil das Geld sonst verfallen würde, missfällt Ehnert. Ebenso stößt er sich an dem pauschalen Auszahlungsbeschluss, ohne dass klar sei, wer wofür das Geld erhält. Vertreter der Linken und auch Mitglieder der SPD- sowie CDU/FDP-Fraktion verweigerten ihre Zustimmung. So äußerte sich auch Dieter Schöne (SPD) kritisch. Gleichzeitig gab es quer durch die Parteien auch Ja-Stimmen, sodass der Beschluss dann doch eine Mehrheit erhielt.

Dass aber selbst ein Christdemokrat wie Fraktionschef Manfred Putzke gegen den Beschluss stimmte, ärgerte Antragsteller Thomas Knauf (Freie Wähler) besonders. Putzke dazu: "Die Stadt hat auch in Glesien noch eine Trauerhalle für weltliche Beerdigungen. Das ist eine bessere Garage mit Investitionsbedarf. Warum dann das Geld der Kirche geben?" Der Glesiener lässt durchblicken, dass er schon seit Jahren mit der Kirche in seinem Dorf über Kreuz liegt. "Man kann in der CDU auch für konservative Werte eintreten, ohne zwingend kirchlich gebunden zu sein. So wie es auch Linke gibt, die getauft sind. Ich habe nichts gegen Religion, mich stört die Amtskirche", so Putzke.

Kirchgemeindemitglied Knauf hält die Zuwendung an die Kirchen nach wie vor für richtig. "Es heißt zwar oft, die Kirchen sind reich und kassieren Steuern, doch hier im Osten sieht es anders aus. Zuschüsse von der Stadt erhalten sie schon seit Jahren nicht mehr. In der Kursdorfer Kirche sind die Fenster undicht. Sieht man sich die Albanus-Kirche in Schkeuditz an, blutet einem das Herz angesichts deren Zustandes", nannte Knauf zwei von vielen Beispielen. Die Kirchen und Trauerhallen stünden allen, nicht nur Christen offen. Dass die Einrichtungen oft auch Kulturgut und ortsbildprägend sind sowie zunehmend auch Anlaufpunkt für Asylsuchende, seien weitere Argumente für diese Zuwendungen.

Wer nun wie viel Geld wofür erhält, darüber soll nächste Woche mit Pfarrern und Vertretern von Religionsgemeinschaften im Rathaus gesprochen werden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.10.2014
Olaf Barth

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