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ADAC eröffnet Übungsplatz

ADAC eröffnet Übungsplatz

"Tausend Tode" ist Sabine Reuter schon gestorben. Das sagt sie zumindest, als sie leicht irritiert in ihrem Auto neben Tochter Franziska sitzt, die das Fahrzeug lenkt.

Dölzig. Die 19-Jährige hat noch keinen Führerschein, weder eine theoretische Prüfung hinter sich noch Fahrstunden. Und dennoch rollt die junge Leipzigerin seelenruhig über den Asphalt.

Cool bleibt Franziska auch, als sie beim rasanten Einparken aneckt. Im Normalfall wäre da guter Rat richtig teuer. Nicht aber hier. Denn was die Führerscheinlose angestupst hat, war nur ein rot-weißes Hütchen. Der Ort an dem es geschah, war extra für Übungszwecke aufgebaut.

Im ADAC-Fahrsicherheitszentrum Leipzig-Halle können sich Fahranfänger neuerdings immer montags probieren. Da öffnen die gelben Engel von 17 bis 20 Uhr den Verkehrsübungsplatz, einen 900 Meter langen Parcours auf dem das Anfahren, das Fahren bei maximal 30 Kilometer pro Stunde und das Einparken geübt werden können. 16 Jahre alt müssen die Fahrwilligen mindestens sein und zudem einen Pkw-Führer im Schlepptau haben, der bereits drei Jahre eine Fahrerlaubnis besitzt. Genutzt wird beim Üben das Auto des Begleiters. „Unser Angebot richtet sich vor allem an Fahranfänger, die sich noch nicht in Ausbildung befinden“, sagt der Cheftrainer im ADAC-Sicherheitszentrum, Roland Rauchbach. „Üben im offiziellen Bereich“, nennt es der Fahrlehrer, der alles aus der Entfernung überwacht. „Wenn sie auf dem Aldi-Parkplatz üben, haben sie ein Problem“, fügt Rauchbach an, „denn das ist gesetzlich nicht erlaubt.“

„Wir haben sonst keine andere Möglichkeit zu üben“, begründet Una Döring, die ihre Tochter Elvira ans Lenkrad lässt. „Wenn es klappt, kommen wir wieder“, fügt sie an. Die 17-Jährige hatte ihre Theorieprüfung schon bestanden, aber ferienbedingt wenig Praxis. „Es ist anders als in der Fahrstunde, da fahre ich in der Stadt und habe Ampeln“, beschreibt die Brandiserin, die das Einparken übt. Ihre Mutter gibt ihr dabei kleine Ratschläge. „Aber als langjähriger Fahrer entwickelt man einen gewissen Automatismus, deswegen ist der Fahrlehrer nicht zu ersetzen“, sagt Una Döring. Geduldig lässt sie anschließend ihre Tochter beim Einparken des Kombis walten.

Nicht ganz so geduldig ist dagegen Sabine Reuter. „Anstrengend“, bezeichnet das Tochter Franziska. „Ich rede zu viel“, gibt die Mutter zu und zählt auf, was noch alles verbesserungswürdig ist: „Das Zusammenspiel zwischen Kupplung und Gängen zum Beispiel.“ Dagegen klappt das rückwärtige Einparken schon ganz gut. Die 19-jährige Leipzigerin wartet sehnsüchtig darauf, mit Theorie und Praxis beginnen zu können. Als Überraschung hat Sabine Reuter den Ausflug auf den Übungsplatz geplant, bereut haben es die beiden Damen nicht, auch wenn sich die Tochter überlegt, beim nächsten Mal auf Frau Mama als Beifahrer und Ratgeber zu verzichten.

Als Konkurrenz zur Fahrschule sieht Rauchbach das Angebot des Fahrsicherheitszentrums nicht. „Von uns sitzt keine Person im Auto, es ist ein reiner Selbstläufer“, begründet der Cheftrainer. Etwas skeptisch ist dagegen Gabriele Rosenberg von der Schkeuditzer Fahrschule Kohlmann: „Wir wollen nicht den Kümmel aus dem Käse holen, es hat Vor- und Nachteile.“ Ein springender Punkt sei, dass den Fahrschulen Einnahmen flöten gehen können. Dass schon vor den ersten Einheiten des Unterrichts geübt werden kann, hält Rosenberg für keine gute Lösung. „Dinge können fehlerhaft gelernt werden“, begründet sie. Zudem hält sie es für fragwürdig, wie im Ernstfall die Begleitpersonen reagieren. „Mehr als ins Lenkrad greifen können sie nicht“, fügt Rosenberg an. Allerdings befürwortet sie das Üben sowohl wenn der Fahrschüler kurz vor der Prüfung steht als auch danach, um sicherer zu werden.

Alexander Bley

Alexander Bley

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