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Ab Oktober sollen Flugzeuge einschweben

Ab Oktober sollen Flugzeuge einschweben

In der letzten Herbstsitzung der Fluglärmkommission (FLK) am Flughafen Leipzig/Halle hatte die Deutsche Flugsicherung (DFS) angekündigt, dass Ende dieses Jahres das sogenannte kontinuierliche Sinkflugverfahren für ankommende Flugzeuge eingeführt werden könnte.

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Mit einer deutlichen Lärmentlastung für die Anwohner, die in der weiteren Umgebung des Flughafens wohnen, rechnet die DFS nach Einführung des Sinkflugverfahrens.

Quelle: Roland Heinrich

Schkeuditz. Im März dann hieß es, dass es noch keine belastbaren Testergebnisse zum Verfahren vom Frankfurter Airport gibt. Dennoch hält die DFS am Termin für den Schkeuditzer Airport fest und benennt mit dem 16. Oktober sogar einen genauen Termin.

Inzwischen ist aus dem früheren Continious-Descent-Aproach (CDA)- bei der Benennung ein Continious-Descent-Operations (CDO)-Verfahren geworden, wie Stefan Jaekel, Pressesprecher der DSF mitteilte. Jenes "kontinuierliche Sinkflugverfahren" durchzuführen bedeute, in einer bestimmten Flughöhe die Triebwerksleistung der ankommenden Flugzeuge auf eine deutlich geringere Leistung einzustellen - auf etwa 30 Prozent - und den restlichen Anflug in einer Art Gleitflug zu vollenden. Das bringt logischer Weise Entlastung beim Lärm, ist aber nicht in jedem Fall anwendbar.

"Die CDO-Verfahren können von den Lotsen nur zu verkehrsarmen Zeiten unter bestimmten Bedingungen angeboten werden. Müssen aber anfliegende Flugzeuge dicht hinter­einander gestaffelt oder Verkehrsströme aus verschiedenen Richtungen in einen gemeinsamen End­anflug zusammen geführt werden, ist ein kontinuierliches Sinken in der Regel nicht möglich", erklärte Jaekel auf Anfrage der LVZ.

Eine entscheidende Rolle spiele auch das Wetter: Extremer Gegenwind, Gewitterzellen oder Turbulenzbereiche machten die normale Berechnung der Anflugstrecke mit Leerlaufleistung zunichte. "Zudem haben die verschiedenen Flugzeugtypen ganz unterschiedliche Sink-Eigenschaften. Bei einer Freigabe der Sink-Rate wäre nicht mehr gewährleistet, dass an- und abfliegende Flugzeuge ausreichenden Sicherheitsabstand zueinander haben", sagte der DFS-Mann.

"Die geplanten und mit der FLK abgestimmten CDO-Verfahren wurden dem Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung übergeben", sagte Jaeckel. Bereits 2012 hatte die FLK die Einführung des Verfahrens am Schkeuditzer Airport angeregt. Sofern der angenommene Zeitplan seitens des Bundesaufsichtsamtes für Flugsicherung (BAF), des Umweltbundesamt (UBA) und des Bundesministeriums der Justiz (BMJ) eingehalten werden kann, rechnet die DFS mit einer Einführung der Verfahren zum 16. Oktober dieses Jahres, informierte der Sprecher der DFS.

Beim CDO-Verfahren sollen die anfliegenden Luftfahrzeuge aus größtmöglicher Höhe in den konstanten Sinkflug übergehen. Eine große Höhe erfordert eine entsprechend lange Strecke, um die Höhe im konstanten Sinkflug abbauen zu können. Die für den Airport Halle-Leipzig geplanten CDO-Verfahren erstreckten sich bis zu knapp 60 Kilometer außerhalb des Flughafens. "Werden die Verfahren angewendet, rechnen wir mit einer gleichbleibenden bis etwas entlasteten Lärmsituation im Nahbereich, weiter außerhalb rechnen wir eher mit einer deutlicheren Lärmentlastung", benannte Jaekel Auswirkungen für die Anwohner. Konkrete Zahlen könne man logischer Weise erst nennen, wenn diese Verfahren tatsächlich auch geflogen werden. "Sicher aber ist: CDO-Verfahren verursachen keinerlei Mehrbelastung für die Anwohner", betonte der DFS-Sprecher.

Zusätzlich positiv wirke sich das Verfahren auf die Umwelt aus, weil der Treibstoffverbrauch und damit der Schadstoffausstoß der Flugzeuge sinke. Auch für die Wirtschaftlichkeit der Airlines sei dies von Bedeutung. "Das kontinuierliche Sinkflug-Verfahren ist typen­unabhängig. Grundsätzlich können alle Flugzeuge, welche die heutige Radarführungsstrecke fliegen, auch das CDO-Verfahren fliegen", sagte Jaekel und ergänzte: "Das Verfahren ist genauso sicher wie alle anderen Flugverfahren." Knackpunkt bei der Anwendung: Je größer das Verkehrsaufkommen, desto weniger kann das Verfahren angewendet werden. "Sowohl Pilot als auch Lotse müssen dem Verfahren im Einzelfall zustimmen", sagte Jaekel. Zusätzlich zur aktuellen Verkehrssituation spielen auch Wind, Luftdruck oder Temperatur eine Rolle.

Angewendet werden die Verfahren im Testbetrieb zu örtlichen Regelungen bereits an den Flughäfen Frankfurt und München sowie in Köln/Bonn und Hannover seit Februar im Regelbetrieb. Zum 1. Mai war eine Einführung der Verfahren auch an den Flughäfen Hamburg und Nürnberg geplant. Wichtig in diesem Zusammenhang sei, dass die CDO-Verfahren der einzelnen Flughäfen nicht auf einen anderen Flughafen eins zu eins übertragen werden könnten. "Dies ist grundsätzlich nicht möglich, da für jeden einzelnen Flughafen eine jeweilige Luftraumstruktur gilt und die CDO-Verfahren an diese Struktur angepasst sein müssen", erklärte der DFS-Sprecher. Eine Auswertung der DFS zu den bisherigen Testbetrieben ist für Sommer dieses Jahres geplant.

"Das Sinkflugverfahren CDO ist derzeit weder für Dresden noch für Erfurt geplant", informierte Jaekel auf entsprechende Anfrage. Wie berichtet, wird die DFS diese beiden Flughäfen und auch den Tower in Saarbrücken von Schkeuditz aus betreiben. Dafür ist zunächst eine Prüfungsphase anberaumt. "Selbstverständlich kann eine Umsetzung des Projektes nur erfolgen, wenn die neue Technik einer Sicherheitsbewertung unterzogen und das vorgeschriebene Sicherheitsniveau eingehalten wird", wies der DFS-Sprecher hin. Sollte die Validierung erfolgreich abgeschlossen werden, ist die Fern-Betreibung von Saarbrücken für 2016 von Schkeuditz aus geplant. Erfurt und Dresden folgen dann laut Plan 2018, informierte Jaekel.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.06.2014
Roland Heinrich

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