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Alte Schule in Glesien soll stehenbleiben

Ortschaftsrat lehnt Abriss ab Alte Schule in Glesien soll stehenbleiben

Der Abriss der 1756 gebauten Schule in der Delitzscher Straße 2 ist eine von fünf Varianten, die die Stadt Schkeuditz für eine Vermarktung des Grundstückes ersonnen hat. Es ist die bevorzugte Variante. Weitere Vorschläge betreffen den Zuschnitt des insgesamt etwa 1300 Quadratmeter großen Grundstückes. Der Ortschaftsrat hat den Abriss jetzt abgelehnt.

Die knapp 260 Jahre alte Schule im Ortskern Glesiens soll abgerissen werden.

Quelle: Roland Heinrich

Glesien. Rayk Bergner, Mitglied im Glesiener Ortschaftsrat, machte am Montagabend aus seinem Herzen keine Mördergrube, als es um die alte Schule im Ortskern und deren möglichen Abriss ging. „Ich halte es für einen Frevel, auch nur über einen Abriss nachzudenken“, sagte er und verkündete, dass er auch in seiner Funktion als Stadtrat gegen einen Abriss stimmen werde. Unter anderem auch seiner beruflichen Tätigkeit im Landratsamt geschuldet, kenne er genügend Beispiele, wo ein Aufbau oder eine Sanierung gelungen seien. „Und das bei Gebäuden, die in einem weitaus schlechteren Zustand waren, als es bei der Schule der Fall ist“, betonte er.

Wie berichtet, ist der Abriss der 1756 gebauten Schule in der Delitzscher Straße 2 eine von fünf Varianten, die die Stadt Schkeuditz für eine Vermarktung des Grundstückes ersonnen hat. Es ist die bevorzugte Variante. Weitere Vorschläge betreffen den Zuschnitt des insgesamt etwa 1300 Quadratmeter großen Grundstückes, das aus mehreren Flurstücken besteht. Grund für die Entwicklung dieser Varianten ist das bisher erfolglose Bemühen der Stadtverwaltung, das Areal zu veräußern. In zehn Jahren hätten sich insgesamt 14 Interessenten gemeldet, wovon sich nur vier für das alte Schulhaus interessiert hätten.

Ein weiteres, seit 2004 leerstehendes Gebäude steht nämlich ebenfalls auf dem Grundstück. Hierfür hatten sich immerhin zehn Interessenten gemeldet, die aber alle wieder Abstand von ihren Kaufabsichten genommen hatten. Das als ehemalige Bibliothek bekannte Haus wurde 1875 gebaut. Es weise Nässeschäden auf und eine Holzbalkendecke zeige erhebliche Durchbiegungen. Für beide Gebäude sieht die Verwaltung keine wirtschaftliche Verwendungsmöglichkeit.

Es gehe bei Denkmalen, wie es die Schule ist, selten um Wirtschaftlichkeit, meinte Bergner. Er sei froh, dass es die Gesetze zum Schutz historischer Gebäude gebe. „Es besteht kein Grund, eines der ältesten Häuser im Ort jetzt abzureißen. Das Haus steht bestimmt noch 50 Jahre“, drückte Bergner sein Unverständnis für das jetzige Ansinnen der Stadt aus.

Unverständlich allerdings war auch, das der Ortschaftsrat von den Vorschlägen der Stadt erst am Abend der Sitzung erfuhr. „Ich sehe die Varianten heute zum ersten Mal und werde dazu keine Stellungnahme abgeben“, sagte Gerhard Lindner. Zugesandt wurden die Vorschläge der Ortsvorsteherin jedoch, wie der Bürgermeister gestern bestätigte. Auch wenn die Stellungnahme der Glesiener aus besagtem Grund am Montag vertagt wurde, steht die Ablehnung zum Abriss des alten Schulgebäudes indes fest.

Ortsvorsteherin Ute Mähnert, die wie berichtet die Mängel am Haus als nicht so gravierend, wie von der Stadtverwaltung beschrieben, ansieht, glaubt, dass das Fehlen der Käufer auf eine schlechte Vermarktung durch die zurückzuführen ist. „An der alten Schule steht nicht mal dran, dass sie zu verkaufen ist“, bemängelte sie. Schkeuditz hat das Gebäude auf der städtischen Homepage 2004 eingestellt, drei Jahre später einen Verkaufsflyer erstellen lassen und einen Makler mit einbezogen, allerdings ohne Erfolg. Ein Verkaufsbanner hängt seit 2008 am Nachbargebäude, der ehemaligen Bibliothek. Immerhin hat es laut Stadt auch in diesem Jahr Interessenten für beide Gebäude gegeben.

„Die alte Schule steht doch unter Denkmalschutz. Können wir da überhaupt einem Abriss zustimmen. Das liegt doch gar nicht in unserer Entscheidung, oder?“, fragte ein Glesiener Besucher. Es gebe durchaus Möglichkeiten, war die Antwort von einer Mitarbeiterin des Bauamtes. Für einen Antrag auf Erteilung einer denkmalschutzrechtlichen Genehmigung zum Abriss müsse dargelegt werden, dass eine Sanierung eine wirtschaftliche Unzumutbarkeit für die Stadt darstelle. Bei Ablehnung der Abrissgenehmigung könnte der Rechtsweg beschritten werden. „Das ist nicht so viel“, war die Antwort auf eine Frage nach den Kosten für einen solchen Rechtsstreit. Die Stadt schätzt, dass sich die Abrisskosten mit dem Erlös aus dem Verkauf der dann freien Fläche kompensieren kann.

Von Roland Heinrich

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