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Anwohner wollen keine Erweiterung

Anwohner wollen keine Erweiterung

Die Sozialtherapeutische Wohnstätte für Menschen mit psychischer Erkrankung im Stadtteil Modelwitz möchte zusätzliche Plätze für Patienten schaffen. Bisher werden hier 30 sogenannte Klienten betreut.

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Im einstigen Herrenhaus des Rittergutes Modelwitz befindet sich die Wohnstätte des Trägerwerkes Soziale Dienste Sachsen. Erweiterungspläne stoßen hier bei den Anwohnern der Sackgasse Zum Herrnholz auf Widerstand.

Quelle: Roland Heinrich

Schkeuditz. Zehn sollen zusätzlich aufgenommen werden. Dagegen regt sich Widerstand bei den Anwohnern. Auf einer eigens eingerichteten Internetseite und auf Handzetteln heißt es: "Zuviel zerreißt den Sack".

So mancher Kultur- oder sozial engagierte Verein wäre für eine derartig mediale Unterstützung wohl dankbar: Rund 20 Anwohner des Schkeuditzer Stadtteils Modelwitz kreierten eine Internetseite, gestalteten einen Flyer und ließen ihn drucken - alles in einem recht professionellen Erscheinungsbild. Hintergrund, weshalb man hier - um die Straße Zum Herrnholz - so kreativ ist, ist der Wille, eine geplante Erweiterung der Sozialtherapeutischen Wohnstätte für Menschen mit psychischer Erkrankung zu verhindern. "Zuviel zerreißt den Sack" ist sowohl auf Handzetteln, als auch auf der Internetseite zu lesen.

Mit dem "Zuviel" sind weitere zehn sogenannte Klienten gemeint, die in der Wohnstätte des Trägerwerkes Soziale Dienste (TWSD) Sachsen untergebracht werden sollen. "Eins vornweg: Wir wollen, dass kranken Menschen geholfen wird", betont Thomas Korcz. Seit rund zehn Jahren wohnt er in unmittelbarer Nachbarschaft zur Wohnstätte. Dass er und weitere Anwohner mit einem für Außenstehende recht hohen Aufwand gegen die Erweiterung vorgehen, liegt in Erlebtem begründet - und auch in Unkenntnis, wie Patienten begegnet werden soll.

"Früher kannten wir die Patienten, die zum Großteil älteren Jahrgangs waren. Durch Gespräche wusste man ihre Geschichte. Es gab eine Konstanz in der Belegung. Heute sind die Patienten jung und wechseln ständig", beschreibt Korcz und erwähnt auch Angst, die existiere. Die Anwohner seien kein geschultes Personal und wüssten nicht, wie etwa auf Beschimpfungen richtig reagiert werde. "Dennoch müssen wir mit den Patienten umgehen. Bei einer Erweiterung aber gerät das Verhältnis Einwohner-Patienten ins Ungleichgewicht", meinte Korcz.

In die Wohnstätte Modelwitz werden Menschen aufgenommen, "für die eine dauerhafte Pflege und ärztliche Behandlung nicht (mehr) notwendig ist, die aber auch andererseits nicht in der Lage sind, ihr Leben allein oder mit Hilfe von Familienangehörigen selbstständig zu gestalten", heißt es in einem Informationsprospekt. "Für Außenstehende sah es aber so aus, dass die Patienten allein gelassen werden", meinte Korcz. Mehrfach wären die Anwohner in das Heim gegangen und hätten auf Missstände hingewiesen. "Wir kümmern uns", habe es geheißen. Das habe ein, zwei Wochen geklappt. Dann ging es in alter Gewohnheit weiter, schätzte der Heim-Nachbar ein.

Um ein Gespräch mit dem TWSD hatten die Anwohner im letzten Jahr gebeten. Das kam im September auch zustande (die LVZ berichtete). Hier erfuhren die Bewohner der Sackgasse Zum Herrnholz und Anlieger von den Erweiterungsplänen. "Mein Eindruck ist, dass sich seit dem Gespräch für die Patienten und dadurch auch für mich vieles zum Positiven geändert hat. Jetzt hat man das Gefühl, dass mit ihnen auch etwas unternommen wird", meinte Korcz. Dennoch werde er alle möglichen Wege gehen, um eine Erweiterung zu verhindern.

Jenes Kennenlernen, wie TWSD-Geschäftsführer Falk Stirner das Gespräch nach 13 Jahren der Wohnstätten-Existenz nannte, endete mit der Zusage, dass die Anwohner erfahren, wie es mit den Erweiterungsplänen weitergeht. "Seit dem Treffen im September ist Funkstille", sagte Korcz. Ein Bauantrag ist laut Landratsamt auch noch nicht gestellt. Dennoch hatte der Modelwitzer gehofft, dass man in Kontakt bleibe.

Ob am Betreuungskonzept oder an der Personalanzahl seit dem Gespräch mit den Anwohnern etwas geändert wurde, ist offen. Auch zu den Bauplänen hält man sich bedeckt. Mehrfache Anfragen der LVZ blieben seitens der Geschäftsführung bisher unbeantwortet.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.01.2014
Roland Heinrich

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