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Schkeuditz Archäologen entdecken 6000 Jahre alte Flachlandsiedlung
Region Schkeuditz Archäologen entdecken 6000 Jahre alte Flachlandsiedlung
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00:17 26.11.2016
Mitarbeiter des Landesamtes für Archäologie legen einen gefundenen Brunnen frei. Quelle: Fotos: Roland Heinrich
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Schkeuditz

Was die Mitarbeiter des Landesamtes für Archäologie auf der etwa zehn Hektar großen Fläche nördlich der Bundesstraße 6 in Schkeuditz entdeckt haben, hätte durchaus unerkannt bleiben können. Erd- beziehungsweise Sedimentschichten nämlich überdecken großflächig das Gebiet und damit auch die Befunde. Mit dem Anlegen normaler Suchstreifen hätten diese Befunde durchaus übersehen werden können, erklärte Thomas Westphalen, Leiter der Abteilung Archäologische Denkmalpflege. „Bei den Grabungen haben wir auf die Erfahrungen zurückgegriffen, die wir im Gebiet ,Watzschkenbreite‘ gemacht haben“, erklärte Grabungsleiterin Kathrin Balfanz. Dort, in rund einem Kilometer Entfernung, beim ehemaligen Möbel-Erbe-Gelände, habe man schon ähnlich großflächige Ablagerungen festgestellt. Deshalb habe man auf dem Gelände des Flughafens Leipzig/Halle jetzt auch tiefer gegraben.

Was zum Vorschein kam, ist durchaus als Sensation zu bezeichnen: „Zumindest habe ich in 25 Jahren Grabungstätigkeit noch keinen solchen Befund gehabt“, gab die Grabungsleiterin zu. Allein schon spektakulär sei ein 50 bis 60 Quadratmeter großes, sogenanntes Grubenhaus aus der mittleren Jungsteinzeit. „Ein solcher Fund ist in diesem Zeitfenster nicht so häufig“, meinte auch der Abteilungsleiter. Die Abmessungen sind sehr groß und mit 1,4 Metern Tiefe auch sehr tief. Es gebe Grubenhäuser auch in der späteren Bronze- und der Eisenzeit. Die haben in der Regel eine vier mal fünf Meter große Fläche und seien 70 bis 80 Zentimeter tief.

Zum schon bemerkenswerten Grubenhaus gesellen sich auf der Fläche noch drei Pfostenhäuser. „Die sind vermutlich zeitgleich entstanden. Wir gehen davon aus, dass es sich hier um ein prähistorisches Siedlungsareal handelt“, erklärte Balfanz. Eines der Pfostenhäuser habe einen schiffsförmigen Grundriss. Gut können die mit relativ geringem Abstand angelegten Löcher für die Pfosten der Außenwände erkannt werden. In der Mitte und mit größerem Abstand waren die Stützen für den First des Daches aufgestellt. Zum Teil waren die Häuser 25 Meter lang und fast acht Meter breit. „Befestigte Höhensiedlungen, wie etwa in der Dölauer Heide bei Halle, sind durchaus bekannt. Für diese Zeit kennt man aber fast keine Flachlandsiedlung“, sagte Westphalen. Hinzu komme, dass man sich bei der Fläche eigentlich abseits von jungsteinzeitlichem Siedlungsgebiet befindet.

Auch gefunden wurden angelegte Brunnen aus der Zeit. „Beide Brunnen sind etwa 1,80 Meter tief und ohne Verwendung von Holz zur Wasserentnahme angelegt worden“, erklärte die Grabungsleiterin. Damit befinde man sich aber nicht in der Tiefe, um an Grundwasser heranzukommen. Das Wasser, was auch jetzt bei den Grabungen zu sehen ist, ist sogenanntes Schichtenwasser, mit dem der Mensch – auch das brachten die Grabungen zum Vorschein – bis heute zu kämpfen hat: Drainageleitungen vermutlich aus DDR-Zeiten durchziehen das Gebiet.

Neben den archäologischen Untersuchungen stellten die zuletzt zehn Mitarbeiter des Landesamtes auch bodenkundliche Untersuchungen an, um Befunde besser einordnen zu können. Die großflächigen Ablagerungen lassen den Schluss zu, dass der Mensch auch in vorgeschichtlicher Zeit ressourcenzerstörend aktiv war, meinte Westphalen. Er vermutete eine intensive Viehhaltung auf einer kahlen Fläche. Die gerodeten Bäume könnten als Brennmaterial den Weg bis zur Salzstadt Halle gefunden haben,

Noch bis zum Freitag werden die Archäologen zu tun haben: „Es wird eine Punktlandung“, sagte Balfanz zum herannahenden Termin. Inwieweit ein Investor in den Startlöchern steht, ist nicht bekannt. Während der Airport bisher von einer normalen Vorgehensweise bei der Entwicklung einer Gewerbefläche sprach, will man dort jetzt, zu konkreten Interessenten befragt, keine Aussagen machen.

Von Roland Heinrich

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