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Schkeuditz Asylbewerber erhalten Deutsch-Zertifikate
Region Schkeuditz Asylbewerber erhalten Deutsch-Zertifikate
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15:44 19.05.2015
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Schkeuditz

Denn seine 13 Schüler sind Flüchtlinge aus Syrien, Iran und Indien und haben seinen Kurs ohne Deutschkenntnisse angefangen. Eine der wichtigen Lektionen: Wie man bei einem Arztbesuch seine Beschwerden erklärt. "Da muss man sich am Anfang auch mit Händen und Füßen verständigen", sagt Lehrer Sternkopf.

Seit November haben seine Schüler, darunter drei komplette Familien, 150 Stunden Sprachunterricht gehabt. Diese Woche konnten sie als erste Flüchtlingsgruppe den ersten Kurs beenden und ihre Abschlüsse in der VHS in der Bergbreite in Empfang nehmen. In den vergangenen Monaten haben sie gelernt, wie sie sich beim Einkaufen, in der Familie, in der Freizeit oder im Beruf auf Deutsch unterhalten können.

Die Lektion über den Arztbesuch sorgte schon aufgrund der Gesten von Lehrer Sternkopf für viel Heiterkeit unter den Schülern. Doch auch sie sollen auf Deutsch von möglichen Symptomen berichten können. "Ich habe Kopfschmerzen", sagt Shahryar Ezadi aus dem Iran. Zusammen mit seiner Familie musste er aus seinem Heimatland fliehen. "Wir sind Christen und dürfen unsere Religion nicht ausüben", erzählt der gelernte Bauleiter. Seine Frau Narges war im Iran in einem Krankenhaus angestellt. Nun würde sie gern als Friseurin arbeiten. "Deutsch ist nicht leicht. Aber der Lehrer hat sehr viel Energie und ist sehr gut", sagt sie. Am besten in der Familie spricht die 16-jährige Tochter Shaghayegh. "Ich gehe in Delitzsch zur Schule und übersetze manchmal für meine Eltern", erzählt sie. Die iranische Familie wohnt, wie die anderen Teilnehmer des Kurses auch, in Wohnungen in Schkeuditz.

Überreicht wurden die Abschlüsse diese Woche von Norbert Morch. "Deutsch ist Pflicht, um sich zu integrieren", sagt der Leiter der Volkshochschule Nordsachsen, zu der auch die Schkeuditzer Einrichtung gehört. Sobald die Asylbewerber einen positiven Bescheid für ihren Antrag bekommen, können sie einen weiterführenden Deutschkurs besuchen. "Die Flüchtlinge sind zum Teil richtig gut ausgebildet und daher auch für Deutschland ein Gewinn", sagt Morch. Als Belohnung für den erfolgreich abgeschlossenen Unterricht dürfen die fleißigen Sprachschüler das Observatorium in der Sprachschule besichtigen.

Unter den Sprachschülern ist auch Elhadi Khadawie. Der 54-Jährige aus dem Bürgerkriegsland Libyen ist Arabistik-Professor und hat ganz bewusst in der Bundesrepublik Asyl beantragt. "Respekt für Deutschland", sagt er. Denn die Bundesregierung hatte sich nicht an dem internationalen Militäreinsatz in seinem Land beteiligt. "Viele Menschen sind gestorben, auch meine ganze Familie", sagt er. Der Traum des Sprachwissenschaftlers ist es, später ein Lehrbuch Deutsch-Arabisch zu schreiben. Doch vorher muss er selbst noch die eine oder andere Vokabel lernen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.05.2015
Jan Iven

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