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Ausflugslokal „Domholzschänke“ feiert 90. Jahrestag

Geschichte mit Höhen und Tiefen Ausflugslokal „Domholzschänke“ feiert 90. Jahrestag

Die letzten Monate waren für Mario Freitag nicht leicht. Dem Betreiber der Domholzschänke fehlte mit der monatelangen Vollsperrung der Mühlstraße in Schkeuditz eine wichtige Verbindungsachse zu „seinem“ Ausflugslokal. Doch am Sonntag standen diese Schwierigkeiten hintenan. Es wurde gefeiert.

Viele Gäste feierten den 90. Geburtstag der Domholzschänke. Erst seit 2006 ist sie nach einem Brand wieder in Betrieb.

Quelle: Michael Strohmeyer

Schkeuditz. Die letzten Monate waren für Mario Freitag nicht leicht. Dem Betreiber der Domholzschänke zwischen Schkeuditz und Dölzig fehlte mit der monatelangen Vollsperrung der Mühlstraße in Schkeuditz eine wichtige Verbindungsachse zu „seinem“ Ausflugslokal. „Wir haben das schon sehr deutlich gespürt. Der Umsatz ist um 20 bis 30 Prozent zurückgegangen“, sagte der Gastwirt. Vor allem in der Woche waren die Mittagsgäste ausgeblieben. Die Freigabe der innerörtlichen B 186 am Donnerstag merkte er allerdings auch sofort. Jetzt sei wieder Stress angesagt.

Die jüngsten Schwierigkeiten standen am Sonntag aber hintenan. Einen Geburtstag galt es zu feiern: 90 Jahre ist das Ausflugslokal geworden. „Wir hatten von dem Jahrestag am Anfang dieses Jahres noch gar keine Ahnung“, gestand der Domholzschänken-Wirt. Eine ehemalige Mitarbeiterin im Lokal – sie hatte wohl in den 1960er Jahren dort gearbeitet – habe sich mit historischen Dokumenten gemeldet. „Wir waren immer von 1928 als Eröffnungsjahr des Lokals ausgegangen, wurden aber durch die einstige Mitarbeiterin im Frühjahr eines Besseren belehrt“, sagte Freitag.

„Domholzschänke ab 1. April am Domhäuschen eröffnet“, ist einer Zeitungsanzeige im „Schkeuditzer Tageblatt“ von 1926 zu entnehmen. Erster Wirt ist Arthur Rosch, der zuvor bereits die Gaststätte „Zur Grünen Aue“ in Dölzig betrieben hatte. Bis 1931 führt Rosch gemeinsam mit seiner Frau Frida die Domholzschänke. Auf alten Archivfotos sind bis zu 35 Mitarbeiter und um die 100 Tische auf dem riesigen Freisitz zu zählen. Heute gibt es zehn Mitarbeiter in der Küche und im Service und in den Sommermonaten laden rund 40 Tische zum Sitzen im Freien ein. Mit 41 Jahren stirbt Arthur Rosch und seine Frau übernimmt bis Ende der 1950er Jahre den Betrieb. Nach Jahren des Leerstandes wurde die Domholzschänke Mitte der 1960er Jahre aufwendig renoviert und unter verschiedenen Pächtern als HO-Gaststätte betrieben. Nach 1990 verfällt die Domholzschänke, wird 2002 verkauft und brennt 2003 – kurz vor der Sanierung stehend – komplett nieder. Der Leipziger Unternehmer Siegfried Krüger, der sich seit seiner Jugend mit dem Haus verbunden fühlt, kaufte das Areal und errichtetet die Domholzschänke neu. 2006 nahm das Gasthaus wieder den Betrieb auf, wurde 2011 und 2013 von zwei Hochwassern in Mitleidenschaft gezogen, ist jedoch wieder beliebtes Ausflugsziel nicht nur für Schkeuditzer.

Dass die Geschichte des Domholzes – woher die Schänke ihren Namen hat – noch viel weiter zurückreicht, führte Klaus Matzke vom Schkeuditzer Museums- und Geschichtsverein in einem Vortrag aus. Noch vor Schkeuditz wurde das Domholz schon 974 erstmals urkundlich erwähnt. Kaiser Otto II. beschenkte den Merseburger Bischof Giselher mit dem Domholz, erwähnte Matzke. Auch das Domhäuschen, dass benachbart der Schänke steht, ist ursprünglich älter. 1840 wurde es auf Veranlassung des Merseburger Domkapitels für 138 Taler errichtet und sollte als Sitz des Forstwarts.

Ein kleines Jubiläum feiert Domholzschänken-Wirt Freitag übrigens auch. Seit fünf Jahren ist er Pächter und feiert damit quasi „Holzhochzeit“ mit dem Lokal. Im nächsten Jahr arbeitet er seit zehn Jahren in der Domholzschänke.

Von Roland Heinrich

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