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Ausstellung über friedliche Revolution

Ausstellung über friedliche Revolution

Gibt es nicht vielleicht ein besseres Ambiente für die Eröffnung einer wichtigen und auch nachdenklich stimmenden Ausstellung, als der laute, quirlige Bereich einer Flughafen-Mall? Ja und Nein.

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Erste Besucher betrachten die Informationstafel mit Schauplätzen der Friedlichen Revolution in Leipzig. Auch Transparente und Wahlplakate sind zu sehen.

Quelle: Olaf Barth

Schkeuditz. Ja, weil dann die Reden und Musikstücke besser zu verstehen wären. Nein, weil die Ausstellung genau das schildert, was Voraussetzung für eben jenes Ambiente war: Für die Freiheit zu reisen, wohin man will. Während Flughafen-Seelsorgerin Ines Schmidt am Mikrofon dem Gedenken an die Friedliche Revolution vor 25 Jahren ihre Rede widmet, kreuzen Reisende die kleine Zuhörerschar, surren Kofferrollen, klappern Stöckelschuhe, zieht schwatzend und albernd eine aufgeregte und mit Rucksäcken bepackte Kinderschar ihren Weg.

 Immer wieder leitet der Lautsprecher-Gong Ansagen ein. Ein Fluggast nach Antalya soll sein Gepäck noch einmal kontrollieren lassen. Antalya? Auch Paris, Amsterdam, Istanbul und Genf stehen auf der Anzeigetafel. Ziele, die für die meisten DDR-Bürger vor der friedlichen Revolution unerreichbar waren. So selbstverständlich, wie heute die Reisenden zum Einchecken schlendern, so unverstellbar ist gerade Jüngeren wohl der Gedanke, im eigenen Land eingesperrt zu sein. Doch das war so, und um das nicht zu vergessen, sei so eine Ausstellung auch sehr wichtig, sagte Schmidt.

 Die Wanderausstellung mit Foto-Tafeln und Textinformationen über die Schauplätze der friedlichen Revolution, garniert mit Transparenten und Wahlplakaten jener Zeit, wurde gemeinsam von der ökumenischen Flughafen-Seelsorge und dem Leipziger Stasi- Museum "Runde Ecke" zusammengestellt. Die Mall wurde bewusst von Pfarrerin Schmidt gewählt. Weil der Raum größer ist, hier viele Reisende vorbei kommen und gleich etwas von der Leipziger Geschichte zu sehen bekommen. "Der Flughafen ist ein guter Ort, über Freiheit nachzudenken", meinte Schmidt. Sie erinnerte an das Wunder der Gewaltlosigkeit, ganz im Sinne Jesu, als der Ruf erschallte "Keine Gewalt".

 Der Leipziger Museumsleiter Tobias Hollitzer betonte, dass es sich am 9. Oktober 1989 in Leipzig entschieden hatte, ob die friedliche Revolution friedlich bleibt, oder es eine chinesische Lösung gibt. Er erinnerte daran, dass neben Leipzigern viele Tausende aus der DDR gekommen waren, um an diesem entscheidenden Tag, an dem 8000 Bewaffnete der Staatsmacht bereit standen, mit zu demonstrieren. Und er erinnerte auch daran, dass die Wahlbeteiligung bei der ersten freien Wahl zur Volkskammer fast 94 Prozent betragen hatte.

 Nachdenklich stimmende Worte auch von Superintendent Martin Henker, der sich für einen begründeten und wohlüberlegten Pazifismus einsetzt, gleichzeitig aber auch die schlimmen Ereignisse im Nordirak vor Augen hat. Da seien Diskussionen nötig, ohne dass er jetzt Antworten hätte. "Wir haben das Wunder erlebt, dass es gewaltlos blieb, andere erleben das nicht", so Henker.

 Die Ausstellung ist bis zum Jahresende zu sehen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.08.2014
Olaf Barth

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