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"Baukünstlerisches Kleinod" - Kirchenhistoriker spricht zu Besonderheiten der Altscherbitzer Kirche

"Baukünstlerisches Kleinod" - Kirchenhistoriker spricht zu Besonderheiten der Altscherbitzer Kirche

Mehrere Reden und Vorträge eröffneten am Montagabend die Festwoche zum 100-jährigen Bestehen der Altscherbitzer Krankenhaus-Kirche. Dabei wurde die Vorfreude auf das Ergebnis der bevorstehenden Sanierung mehrfach betont.

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Wo man singt, da lass' dich ruhig nieder! Tenor Johannes Dunz (links) bringt begleitet von Chizuru Böhme am Klavier Werke von Robert Schuhmann zu Gehör.

Quelle: Michael Strohmeyer

Schkeuditz. "Das, wozu sich das Krankenhaus hier entschieden hat, ist keine Selbstverständlichkeit", hob Manfred Lori, Verwaltungsdirektor des Sächsischen Krankenhauses (SKH) Altscherbitz, in seiner Ansprache während der Auftaktveranstaltung zur 100-Jahr-Festwoche der Kirche hervor. Etwa 1,5 Millionen Euro werde die bevorstehende umfängliche Sanierung des Gotteshauses kosten. Aus eigenen Mitteln wird die Restaurierung bestritten, betonte Lori.

"Es freut mich, dass die Geschäftsführung in Abstimmung mit dem Bauträger die Entscheidung getroffen hat. Schon jetzt möchte ich Herrn Fischer, der die Bauleitung übernimmt, danke sagen", erwähnte Lori. Ingo Fischer, Bauoberrat im Staatsbetrieb Immobilien- und Baumanagement (SIB), ­informierte im Vorfeld der Festveranstaltung, dass die ­planerischen Vorarbeiten bereits abgeschlossen sind. "Die Ausschreibungen, die wir beschränkt haben, haben begonnen. Bauvorbereitende Arbeiten schließen sich unmittelbar an die Festwoche an", informierte Fischer.

Dass es sich bei der Altscherbitzer Kirche um ein "baukünstlerisches Kleinod" handelt, wie es Fischer formulierte, bestätigte auch Gerhard Graf, bis 2008 Professor für Kirchengeschichte an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig, in seinem Vortrag. Dabei ging er weniger auf die Geschichte der Altscherbitzer Kirche als vielmehr auf die Bedeutung von Ornamentik und Wand- beziehungsweise Deckenmalereien ein. So erfuhren die Zuhörer, dass das Akanthusblatt an der Decke des Altarraums als immergrüne Pflanze in der Natur hier Sinnbild für die Ewigkeit ist. "Auch der evangelisch-protestantische Charakter der Kirche spiegelt sich in der Deckenmalerei wider", verriet Graf: Die "Lutherrose" an der einen Deckenseite steht der "Ehernen Schlange", dem Wappensiegel Philipp Melanchthons, auf der anderen Seite gegenüber.

Die Errichtung der Kirche Altscherbitz erfolgte mit 1911 und 1912 laut Graf relativ spät und hat ihren Ursprung, wie viele andere Krankenhaus- beziehungsweise Anstaltskirchen auch, in der industriellen Revolution Mitte des 19 Jahrhunderts. "In dieser Zeit lösten sich die traditionellen Großfamilien auf und Anstalten übernahmen die Betreuung", führte er aus. Eine seelsorgerische Betreuung wurde als Notwendigkeit erkannt.

"Die Altscherbitzer Kirche hat außen eine nahezu trutzige Ausstrahlung - wenn man sie durch das Blätterwerk der umliegenden Bäume wahrnehmen kann. Sie besitzt wenig Schmuck und Zierrat und entspricht dem Geschmack der Zeit", sagte der Kirchenhistoriker und hoffte, dass nach der Sanierung der helle Charakter der Kirche wieder neu erstrahlt.

"Wir bauen bei der Sanierung auf die Unterstützung der Stadt", sagte Verwaltungsdirektor Lori in Richtung Oberbürgermeister Jörg Enke (Freie Wähler), der ebenfalls beim Festakt zugegen war. "Wir brauchen uneingeschränktes Wegerecht während der Bauarbeiten", sprach Lori nur einen Punkt an.

Das Festprogramm ist im Internet unter www.skh-altscherbitz.sachsen.de in der Rubrik "Über uns" zu finden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.04.2013

Roland Heinrich

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