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"Beim Warmspielen war der 16-Meter-Raum tabu"

"Beim Warmspielen war der 16-Meter-Raum tabu"

Er kennt sie wie seine Arbeitshosentasche. Die in der Redensart übliche "Westentasche" passt nicht zu seinem Job: Für Jürgen Dienwebel sind die Sportplätze in Dölzig, Radefeld, Glesien und Schkeuditz tägliche Arbeit.

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Platzwart Jürgen Dienwebel wird nachgesagt, dass er den Rasen des Walter-Lutze-Stadions mit der Nagelschere bearbeitet. Das stimme nicht.

Quelle: Roland Heinrich

Schkeuditz. "Ich kenne im Umkreis von Leipzig keinen besseren Rasen, den im RB-Stadion mal ausgenommen", sagt der 60-jährige Platzwart beim SC Eintracht Schkeuditz nicht gerade bescheiden. "Bei mir ist jetzt schon alles grün, während woanders noch auf braunem Untergrund gespielt wird", sagt er und zeigt zum Platz.

Auf jenem Grün im Walter-Lutze-Stadion hat Dienwebel selbst schon gekickt. "Ich spiele seit meinem achten Lebensjahr im Verein", sagt der Ur-Schkeuditzer, der heute jedoch im benachbarten Sachsen-Anhalt wohnt. Er war aktiv dabei, als der Schkeuditzer Fußball wohl seinen größten Erfolg feiern durfte: In der Saison 1976/77 holten die Schkeuditzer den dritten Bezirksmeistertitel und stiegen in die erste DDR-Liga auf.

Dienwebel macht aus seiner Begeisterung für das runde Leder keinen Hehl. Die brauche er auch für seinen heutigen Job. "Ohne die Liebe zum Fußball und die Liebe zur Arbeit wird es auch nichts mit dem Rasen", sagte Dienwebel. Natürlich kämen bei dem 60-Jährigen inzwischen auch eine Menge Erfahrungen hinzu. "Ich bin seit 1991 bei der Stadt als Platzwart angestellt", sagte er. Unterstellt sei der Schkeuditzer dem Ordnungsamt. Sein Chef sei der dortige Leiter Michael Winiecki. Hier habe er stets ein offenes Ohr, wenn die Liebe und die Erfahrung nicht mehr ausreichen und Technik gefragt ist.

Was an Arbeit anliege? "Nach dem Winter gilt es, den Rasen instand zu setzen. Es muss die Nachsaat aufgebracht werden. Dann heißt es, zu vertikutieren und zu aerifizieren. Außerdem muss Sand auf die Plätze", zählt Dienwebel auf. Ganz wichtig sei das richtige Wässern.

Im Schkeuditzer Stadion gibt es 14 versenkbare Regner, weiß der Platzwart. "Ich gieße aber nicht jeden Tag ein bisschen. Wenn ich den Rasen sprenge, dann so, dass es danach richtige Schmatzgeräusche geben würde, wenn man das Grün betreten würde. Danach lasse ich den Rasen drei, vier Tage ohne Wasser", verrät Dienwebel. Warum? "Wenn der Platz Tag für Tag nur befeuchtet wird, bleiben die Wurzeln flach an der Oberfläche. Wenn die Wurzeln das Wasser aber suchen müssen, gehen sie in die Tiefe. Dadurch wird der Rasen nicht bei jedem Stollen-Kontakt herausgerissen", meinte er.

Während der Gärtner das "Vertikutieren" - quasi das Entfilzen des Rasens - wohl kennt, sieht es beim Aerifizieren schon anders aus. "Dabei werden Löcher in den Boden gestochen, die dann mit Sand aufgefüllt werden", erklärt Dienwebel. Der Sand sei für die Belüftung des Rasens wichtig. Auch fließe mit Sand im Boden das Regenwasser besser ab. Pfützen gebe es auf Schkeuditzer Plätzen also nicht. Jährlich werde der Boden kontrolliert, auch um die richtige Mischung Dünger zusammenstellen zu lassen. Zwei bis drei Mal werde im Jahr gedüngt.

Um sich anzuschauen, wie im Land des Rasens das Grün gepflegt wird, ist Dienwebel privat zu einem Spiel nach Großbritannien gefahren. "West Ham United hatte gegen Chelsea gespielt. Es war das letzte Jahr, in dem dort noch Michael Ballack auflief. Wir waren weit vor dem Spiel im Stadion, um uns den Rasen anzuschauen", berichtete Dienwebel. "Beim Warmspielen war der 16-Meter-Raum vor dem Tor gesperrt. Um den Rasen dort nicht zu beschädigen, haben sich die Spieler an den Eckfahnen erwärmt", ist der Schkeuditzer Platzwart noch beeindruckt.

Der Schkeuditzer Verein erzählt stolz weiter, dass sein Platzwart sich in England für die Rasenpflege inspirieren ließ und spöttelt, dass auch die Nagelschere zum Einsatz kommt. "Das stimmt aber nicht", sagt Dienwebel und lacht.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom ..
Roland Heinrich

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