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Schkeuditz Bisher unbekannter Besitzer dank einer Postkarte von 1899 entdeckt
Region Schkeuditz Bisher unbekannter Besitzer dank einer Postkarte von 1899 entdeckt
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00:19 30.07.2017
Diese Postkarte, die Wolfgang Ronniger im Internet erstand, weist einen bisher unbekannten Besitzer aus. Quelle: Repro: Roland Heinrich
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Schkeuditz

Die Chronik des Gasthofes zur Landesgrenze, der im nächsten Jahr seinen 400. Jahrestag feiern wird, muss umgeschrieben beziehungsweise ergänzt werden. Eine Postkarte aus dem Jahr 1899 nämlich weist auf einen Besitzer hin, der bisher unbekannt war und zu dem nun wohl weiter recherchiert werden müsste. Denn mit dem Auftauchen des neuen Namens entstehen weitere Fragen, die bisher ungeklärt sind.

Der Gasthof in Schkeuditz-Modelwitz kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Erste Nachricht über den Gasthof stammt schon aus dem 16. Jahrhundert, geht aus einer Chronik hervor. Wann und von wem der Gasthof aber erbaut wurde, konnte darin wegen fehlender Dokumente nicht gesagt werden. Die Chronik hatte Klaus Wagner vom Museums- und Geschichtsverein Schkeuditz bei seiner Recherche zur Gastronomiegeschichte der Stadt erarbeitet. Auch auf der Internetseite des Gasthofes zur Landesgrenze ist diese Chronik, die als ersten Besitzer am 1. Juli 1618 Adam Knopf nennt, veröffentlicht.

Akribisch sind in dieser historischen Abfolge zum Gasthof die einzelnen Besitzer aufgeführt, bis Carl Emil Naumann im Oktober 1897 den Gasthof übernahm. Die bisher gültige Chronik berichtet weiter, dass den Gasthof nach Carl Emil Naumanns Tod dessen Frau Emilie Naumann übernahm. Sie sei eine zweite Ehe mit einem H. Tessmann eingegangen und habe den Gasthof 1906 an Gustav Weise verkauft.

„Ich habe die Postkarte im August 2014 gekauft“, sagt der heutige Gasthof-Inhaber Wolfgang Ronniger. Auf einer Auktionsplattform im Internet habe er für jene Karte den Zuschlag erhalten. In der Lithographischen Anstalt Leipzig war sie in den 1890er Jahren von Bruno Bürger und Ottillie gefertigt worden. Drei Motive – der „Gasthof zum Preußischen Haus“ von außen, der Ball- oder Tanzsaal und der Freisitz – umranden ein zum beschriften freigelassenes Feld. „Ich fand die historische Postkarte schön. Was darauf steht, hatte ich bisher nicht gelesen“, gesteht der Gasthofbesitzer und ist jetzt umso überraschter, welches Dokument er nun in den Händen hält.

Die Postkarte ist nämlich ein Original-Schriftstück eines Gasthof-Besitzers, der bisher in keiner Chronik auftaucht. W. Neumann – der Vorname ist bisher unbekannt – lädt mit dieser am 17. Oktober 1899 abgestempelten Karte zu einer Orts-Kirmes ein. Gerichtet ist diese Karte an seinen Freund Otto Reichelt, der in der Delitzscher Straße 160 in Leipzig-Eutritzsch wohnte.

Dass es sich bei W. Neumann lediglich um einen einstigen Gasthofbetreiber handelt, der im Auftrag von Carl Emil Naumann oder dessen nachfolgender Frau handelte, ist aus zweierlei Gründen eher ausgeschlossen: „Ich habe die Anzeige für die Orts-Kirmes gefunden“, vermeldete Stadtmuseumsleiter Hans Neubert nach entsprechender Anfrage der LVZ. Am 21. Oktober 1899 war diese Annonce im „Schkeuditzer Wochenblatt“ veröffentlicht und betraf die selbe Veranstaltung, zu der W. Neumann mit der am 17. Oktober abgestempelten Postkarte einlud. „Hochachtungsvoll“ grüßt auch unter der Anzeige W. Neumann und nicht Emil Naumann oder dessen Frau.

Ein zweites Indiz, dass bei W. Neumann eher auf einen Besitzer hinweist, ist die Postkarte selbst. Auf ihr ist der bereits aufgedruckte Besitzer Emil Naumann per Hand durchgestrichen. Zusätzlich hat W. Neumann dort daneben noch einmal unterschrieben. Ein Wirt, der den Gasthof betreibt, aber nicht besitzt, würde den Kartenaufdruck wohl nicht derart verändern.

„Eigenartig ist eine Orts-Kirmes in Modelwitz in jener Zeit schon“, meinte Museumsleiter Neubert. Denn der Begriff Kirmes komme von Kirchweihmesse. Eine Kirche habe es 1899 im damals noch eigenständigen Modelwitz aber gar nicht gegeben. Erst 1929 wurde Modelwitz zu Schkeuditz eingemeindet. Und die benachbarte Kirche in Papitz wurde erst im November 1906 geweiht. Neubert vermutet in der Kirmes-Benennung der Veranstaltung mit „Ballmusik“ lediglich einen Feiergrund.

„Ein W. Neumann ist mir bei meinen Recherchen zu den Besitzern des Gasthofes nicht begegnet“, sagte Wagner vom Museums- und Geschichtsverein. Allerdings gibt es aus jener Zeit auch wenig Material, sagte der 81-Jährige. Wann Emil Naumann gestorben ist, wann W. Neumann den Gasthof übernommen hat und wie lange er ihn hielt, dürfte noch eine Weile ungeklärt bleiben. Denn Wagner ist derzeit anderweitig beschäftigt. Wie sich W. Neumann in die von Wagner erstellte Chronik einfügt und ob diese um 1899 umgeschrieben werden müsste, ist eine durchaus spannende Frage, der wohl andere Interessierte nachgehen müssen.

Von Roland Heinrich

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