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Caritas engagiert sich für eine offene Willkommenskultur

Caritas engagiert sich für eine offene Willkommenskultur

"Näherkommen" waren Name und Programm für einen Begegnungsnachmittag, der für eine "offene Willkommenskultur" in Schkeuditz warb. Dafür hatten der Caritas-Regionalverband Halle, die Stadt Schkeuditz sowie die Zwochauer Initiativgruppe "Lebensträume" am Dienstagnachmittag in die Käthe-Kollwitz-Straße 2 eingeladen.

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Wirbt mit ihrer Arbeit um Vertrauen: Krankenschwester Simone Kische (Mitte) nimmt sich ehrenamtlich der Sorgen und Nöte von Flüchtlingen an.

Quelle: Frank Schmidt

Schkeuditz. Dafür waren sowohl Flüchtlinge gezielt angeschrieben als auch an diesem Thema interessierte Bürger angesprochen worden.

"Bei uns hatten die Stadt Schkeuditz und der Landkreis Nordsachsen angefragt, ob wir bereit wären, das Netzwerk unserer vielschichtigen sozialen Kontakte auch für die Flüchtlingsthematik zu nutzen", erklärte Caritas-Projektleiter Joachim Triphaus das Zustandekommen dieses Treffens. "Und nun bemühen wir uns darum", fuhr er fort, "die Bürgerinnen und Bürger für das Thema Flucht, Vertreibung und Migration zu sensibilisieren." Dazu gibt es bereits einige Überlegungen. Vorstellbar wären Sprechstunden, um etwa die Bürgerbereitschaft aufnehmen sowie auf die Bedürfnisse von hilfesuchenden Flüchtlingen reagieren zu können. "Mit dem heutigen Nachmittag möchten wir Signale für weitere Angebote setzen. Von Flüchtlingsfragen in der Alltagsbewältigung über Kleiderbörsen zur Bereitstellung von Dingen für den täglichen Bedarf bis hin zur Betreuung bei Sprachkursen", skizzierte Triphaus die Hilfsansätze "für den Anfang, an dem wir erst stehen."

Aber am Punkt Null würde man dennoch nicht beginnen. "Wir haben ja schon Angebote und machen seit Jahren Migrationsberatungen", konstatierte Triphaus. Soll heißen, nicht nur Vermittler sein zu wollen, vielmehr auch "aktiver Fürsprecher". Voraussetzung sei aber, dass Flüchtlinge bereist sind, Hilfe zur Selbsthilfe in Anspruch zu nehmen. "Dafür wird es zukünftig Flüchtlingssozialarbeiter geben, die jedoch einen Betreuungsschlüssel von einem Betreuer für 100 bis 150 hilfebedürftige Personen haben. Angesichts solcher Zahlen sind wir ganz einfach auch auf die ehrenamtliche Bereitschaft zur Mitwirkung der Bürger angewiesen", nutzte Triphaus die Gelegenheit für einen öffentlichen Appell an die Bürgerschaft.

"Weil es vor allem die Aufgabe des Landratsamtes ist, die Flüchtlinge und Asylbewerber unterzubringen", sagte Andrea Felske als Vertreterin der Stadt Schkeuditz, "sind wir zunächst nur am Rande beteiligt. Wenn ein Kita- oder Schulplatz gebraucht wird, dann stehen diese Menschen dennoch hilfesuchend bei uns in der Tür und brauchen einen Ansprechpartner, den es bisher noch nicht gab", sagte Felske. Das gleiche trifft auf den Fall zu, wenn von den derzeit in Schkeuditz 49 gemeldeten Asylbewerbern jemand einmal medizinische Hilfe braucht.

"Meistens finden die Flüchtlinge aus Tschetschenien, Syrien, Iran und Irak sowie Indien und Ukraine ja den Weg zu uns", wusste die Krankenschwester Simone Kische aus eigener Erfahrung zu berichten. Sie arbeitet selbst in einer Kinderarzt-Praxis und ist der Einladung zu diesem Nachmittag gefolgt, um sich so ehrenamtlich zu engagieren. "Und wenn die Flüchtlinge merken, dass sie auch menschlich gut behandelt werden, legen sie gleich noch vertrauensvoll andere Probleme auf den Tisch." Wodurch quasi eine Informationsquelle zu sprudeln beginnt, mit der sich weitere Sorgen und Nöten der Flüchtlinge offenbaren. Diese Informationen wiederum könnten weitere Ansatzpunkte für das im Landkreis gewünschte soziale Hilfsnetzwerk sein.

Näher gekommen waren sich schnell Marianne Ehnert aus Schkeuditz sowie der 19-Jährige Deaa Khabich und dessen 62-jährigen Vater, Hischam, aus Damaskus. Alle drei, und nicht nur sie, plauderten, als würden sie sich schon ewig kennen. Dabei sind die Syrer erst ein Jahr in Deutschland. Und dafür würde Deaa, was übersetzt Sonne und Licht bedeutet, ganz gut Deutsch sprechen, freute es Ehnert. "Ich bin der Ansicht, wenn sie nach Deutschland kommen, müssen sie unsere Sprache erlernen. Nur dann haben Migranten für mich eine Berechtigung, hier zu sein", bezog die ausgebildete Sportpädagogin eine klare Position und erklärte sich bereit, dabei aktiv zu helfen und fügte an: "Wenn jemand unwillig ist, glaube ich nicht wirklich, dass er sich integrieren will."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.11.2014
Frank Schmidt

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