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Schkeuditz „Das war Emotion pur“
Region Schkeuditz „Das war Emotion pur“
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05:00 09.10.2010
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Schkeuditz

Etwa für Maritta Sopart, die jetzt wieder einmal in die Partnerstadt Bühl reist, wo sie vor 20 Jahren den historischen Tag erlebte und nie wieder vergessen wird.

Es war der Schkeuditzer Altbürgermeister Peter Blechschmidt (FDP), der seine Parteifreunde und Stadträte Maritta Sopart und Wolfgang Andres 1990 bat, Schkeuditz bei den Feierlichkeiten zur Deutschen Einheit in der Partnerstadt Bühl zu vertreten. Blechschmidt selbst wollte als Bürgermeister in seiner Stadt bleiben und dort eine Rede halten, erinnert sich Maritta Sopart. Gemeinsam mit ihren Ehepartnern Eva Andres und Eberhard Sopart sowie Andres Sohn Michael brachen die zwei Abgeordnete am 1. Oktober 1990 mit einem Lada nach Baden-Württemberg auf. „Der Empfang war sehr herzlich. Es wurde eine sehr lange Nacht mit vielen Gesprächen. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, die Baden-Württemberger und Sachsen passen gut zueinander“, schildert die heute 54-Jährige ihre ersten Eindrücke. Damals ahnte sie noch nicht, dass aus diesem Besuch private Freundschaften erwachsen würden, die bis in die heutige Zeit bestehen. Dabei gibt es in der Familie durchaus einen Anknüpfungspunkt an die einst unerreichbar scheinende Region. „Unser Großvater durfte schon zu DDR-Zeiten immer mal in den Schwarzwald fahren und hatte uns davon erzählt. Es war immer mein Wunsch, dorthin reisen zu können. Nun ging der Traum in Erfüllung. Die Entdeckung von Bühl und der Region war Liebe auf den ersten Blick“, schwärmt die zweifache Mutter. So hatte sie sich in Vorfreude auf den neuerlichen Besuch in Bühl und in Erinnerung an die Ereignisse von vor 20 Jahren mit ihrem Mann die damals entstandenen Fotos angeschaut und so wenigstens im privaten Kreis den 3. Oktober zu einem besonderen Tag gemacht. „Wir sind dann auch nach Leipzig gefahren, in die Nikolaikirche gegangen, wo einst ja alles anfing. Mein Mann war zu jeder Montagsdemo nach Leipzig gefahren“, blickt Sopart zurück und kommt dann auch auf die erste Reise nach Bühl zu sprechen.

Als offizielle Vertreter ihrer Stadt war die Lada-Besatzung nach Bühl gefahren. Doch nicht förmlich, vielmehr emotional ging es in der Nacht vom 2. zum 3. Oktober bei einem Treffen mit Bühler FDP-Freunden zu. „Wir haben neben den Gesprächen im Fernsehen die Live-Übertragung von der Feier aus Berlin angeschaut. Als dann die Nationalhymne gespielt wurde und das große Feuerwerk begann, war das Gänsehaut pur“, so Sopart. Am 3. Oktober dann sollten auch die Schkeuditzer Stadträte Andres und Sopart jeweils eine Rede halten. Die Lehrerin für Mathe und Physik erinnert sich: „Wolfgang hatte noch in der Nacht an seiner Rede gefeilt. Und ich war sehr aufgeregt. Wolfgang hat dann seine Sache vor dem Rathaus gut gemacht, auch die Emotionen an diesem Tag sehr gut rübergebracht. Er hatte sich extra eine Sonnenbrille aufgesetzt, damit nicht jeder gleich sieht, wenn ihm die Tränen in den Augen stehen, weil ihm dieser Tag so nah ging.“ Sopart selbst hatte ihren Auftritt im vollen Foyer des Gymnasiums vor über 200 Leuten. „Als Lehrerin sollte eben ich den jungen Leuten ein paar Worte sagen. Ich habe dann gar nicht mehr auf meinen Zettel geschaut, einfach erzählt, wie sich bei uns die Menschen über die Grenzöffnung freuten, auch viele junge Leute Interesse haben, Kontakte zu knüpfen und vielleicht eine Schulpartnerschaft aufzubauen.“ Den Zettel hat Maritta Sopart nicht mehr. Auch die danach tatsächlich entstandene Partnerschaft zwischen der Schkeuditzer Mittelschule und der Bühler Realschule existiert nicht mehr. „Vieles hängt ja immer vom Engagement einzelner ab. Doch mit dem Schulneubau in Bühl sowie dem Ausscheiden einiger Lehrer ist die Partnerschaft leider eingeschlafen“, bedauert Sopart, die seit 1992 Leiterin der Lessing-Mittelschule ist.

Wenn sie in diesen Tagen zum fast 20. Mal nach Bühl-Eisental zu ihren Freunden Daniela und Wolfgang Elsensohn in die Ferien reist, will sie auf jeden Fall wieder in den Stadtpark zur Kaiserlinde spazieren. Den Baum hatten Bühler und Schkeuditzer vor 20 Jahren gemeinsam zur symbolischen Besiegelung der Partnerschaft gepflanzt. „Er gedeiht prächtig“, weiß Sopart. Ein halbes Jahr nach der Baumpflanzung unterschrieben der Bühler Oberbürgermeister Gerhard Helbing und Peter Blechschmidt in Bühl feierlich den Partnerschaftsvertrag. „Für mich persönlich bedeutet es sehr viel und ein großes Glück, dass alles so gekommen ist“, sagt Sopart und klappt das Fotoalbum zu.

Olaf Barth

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