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"Das war kein angesehener Job"

"Das war kein angesehener Job"

Etwa zwei Jahre haben Thomas Müller und Boris Böhm für die jetzt in Altscherbitz zu sehenden neue Ausstellung recherchiert. Müller ist Leiter des  Sächsischen Psychiatriemuseums und Böhm leitet die Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein.

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Thomas Müller, Leiter des Sächsischen Psychiatriemuseums, erläutert den Besuchern den Aufbau der Texttafeln.

Quelle: Roland Heinrich

Schkeuditz. Das Thema ihrer Nachforschungen: Die staatliche Ausbildung von psychiatrischem Pflegepersonal in Sachsen. Anlass war deren Einführung in Sachsen im Jahr 1888, welche sich im Oktober 2013 zum 125. Male jährte. Die Ergebnisse dieser Recherche arbeiteten die beiden für eine Wanderausstellung auf, die seit vergangenem Oktober durch den Freistaat tourt. Für noch knapp einen Monat ist sie jetzt auch im Sächsischen Krankenhaus (SKH) Altscherbitz zu sehen. Auf Schautafeln wird im Servicezentrum im Haus 9 des SKH gezeigt, welche Entwicklung die Ausbildung genommen hat. Zur Ausstellung erschien auch eine rund 60-seitige, reich bebilderte Broschüre, die im Altscherbitzer Krankenhaus erworben werden kann.

 "Sachsen war 1888 das erste Land im Deutschen Reich, in dem staatlich organisiert eine systematische Ausbildung erfolgte", erklärte Böhm. Die Notwendigkeit dieser Ausbildung sei jedoch schon weit früher erkannt worden. Mit einem Preisausschreiben in der "Leipziger Zeitung" wurden schon 1842 Konzepte einer solchen Ausbildung abgefragt. "Soldaten, Tagelöhner, Dienstmädchen sowie Sträflinge mit geringem Vergehen und ehemalige Patienten bildeten das Pfleger-Personal. Der Beruf war kein angesehener Job", sagte Böhm. Ein viertel Jahr wurden die Pflegerinnen und Pfleger zunächst theoretisch ausgebildet. "Die Theorie-Ausbildung wurde später auf ein halbes Jahr ausgeweitet", wusste Böhm. Daran schloss sich ein zweijähriger Hilfsdienst an, der nach erfolgreicher Absolvierung zur Festanstellung führte.

 "Um den schlechten Ruf des Berufes loszuwerden und um Personal zu rekrutieren, wurden Pfleger mit der Festanstellung Staatsbeamte. Das steigerte die Attraktivität enorm", sagte der Gedenkstättenleiter. Entsprechend konnte man Anforderungen an die Bewerber stellen: "Männer mussten einen Beruf, vorzugsweise im Handwerk, haben. Ein Führungszeugnis wurde verlangt und auch der Militärdienst musste absolviert sein", erläuterte Müller. Das habe dazu geführt, dass männliche Pfleger im Durchschnitt fünf Jahre älter waren als Frauen. Die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges spielen in der Ausstellung genauso eine Rolle, wie die der nationalsozialistischen Herrschaft sowie des Zweiten Weltkrieges. "Die Ausbildung zu DDR-Zeiten ist hier nur kurz angerissen und wäre Thema einer gesonderten Recherche", sagte Böhm.

 Die Ausstellung ist bis zum 15. November zu sehen. Montags und dienstags ist das Servicezentrum Haus 9, von 15.30 bis 17.30 Uhr geöffnet, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung unter 034204 873651.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.10.2014
Roland Heinrich

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