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Demokratie-Diskussion in Dölzig

Demokratie-Diskussion in Dölzig

Das dritte Dölziger Gespräch, zu dem der Kirchenvorstand der evangelischen Kirchgemeinde eingeladen hatte, lockte etwa 40 interessierte Bürger in die Kirche des Schkeuditzer Ortsteils.

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Superintendent Martin Henker (links) und Oberbürgermeister Jörg Enke sind Gesprächsgäste der Pfarrerin Ines Schmidt, die durch den Abend zum menschlichen Miteinander führt.

Quelle: Roland Heinrich

Dölzig. Als Gesprächspartner waren Superintendent Martin Henker und Oberbürgermeister Jörg Enke (Freie Wähler) eingeladen. Mit „Die da oben spinnen wohl ...“ war der Abend überschrieben.

Es gibt anonyme Briefe mit Kritik, die sich unter der sprichwörtlichen Gürtellinie bewegen, weist Pfarrerin Ines Schmidt, die die Moderation des Abends übernommen hatte, hin. „Wie gehen wir miteinander um?“, stellte sie gleich zu Beginn die Grundsatzfrage. In einführenden Worten bestätigten die beiden Gäste denn auch, solche Briefe erhalten zu haben. „Ich lese derartige Kritik gar nicht erst“, gab Henker offen zu, „habe jedoch großen Respekt vor Kritiken, unter denen ein Name steht. Diese nehme ich sehr ernst und das geht mir noch Tage nach.“ Grundsätzlich sei die eigene Situation aber eine andere, als beim Schkeuditzer Stadtoberhaupt.

„Meine Einstellung hat sich in den letzten Jahren geändert“, sagte Enke zu der zum Gesprächsthema erhobenen Aussage. Mehr Verständnis habe er für „die da oben“ entwickelt, mit dem Wissen, welche Zwänge und Abhängigkeiten bestünden. Klar, auch er bekomme in schriftlicher oder mündlicher Form Kritik, „es ist aber für einen persönlich immer eine Frage der Gewichtung“.

„Hochkomplexe Strukturen in den Hierarchien, die nicht für jedermann zu verstehen sind und Abhängigkeiten, die nur schwer zu beeinflussen sind“, benannte Henker ein Dilemma sowohl im politischen als auch im kirchlichen Handeln. „Dennoch leide ich nicht so furchtbar“, gab er schmunzelnd zu. Es gebe in seinem Kirchenbezirk keine Fraktionen und, mit einem Seitenblick zu Enke erwähnte er, „wir sind nicht ver- oder überschuldet. Das ist ein Segen.“ Strukturell seien bei der Kirche viele Ehrenamtler tätig, was für eine Unabhängigkeit spreche. Allerdings gäbe es auch Kirchenbezirke, wo dies anders sei.

Ebenfalls über Grundsätzliches – nämlich über die deutsche Demokratie – wurde am späteren Abend diskutiert. Als überholt und verkrustet bezeichnete Frank Sachsenröder aus Dölzig die derzeitige Gesellschaftsform und brachte gleich drei Vorschläge zu Änderungen: „Politikerposten müssen auf ein oder zwei Legislaturperioden beschränkt werden“, sagte er und begründete, dass damit die Gefahr des „Realitätsverlustes“ geringer wäre. Zudem fordere er ein Wahlrecht für Kinder, welches von den Eltern übernommen werden kann. „Es gehen nur noch Rentner zur Wahl“, sah er eine Ursache in der demografischen Entwicklung. „Ich wäre für Volksentscheide nach Schweizer Vorbild“, führte er als dritten Punkt an. „Mit dem Volksentscheid wäre ich sehr vorsichtig“, erwiderte Henker, bestätigte aber einen Reformbedarf der derzeitigen Demokratie. „Bürokratie ist das Überlebensmittel für eine Demokratie ohne Wertekonsens“ gab er im Hinblick auf bestehende Strukturen und mit Blick auf Stuttgart 21 zu Bedenken.

Mehr Basisarbeit forderte Rosmarie Richter aus Dölzig. Sowohl die aus der Kirche Ausgetretenen als auch die zunehmenden Nicht-Wähler würden beiden Seiten ausreichend Anlass geben, hier etwas zu unternehmen. „Die Menschen sind satt“, sagte sie zu deren Initiativwillen. Nur Ausnahme- und Notsituationen würden zeigen, wozu Bürger in der Lage seien.

Roland Heinrich

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