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Der Instrumenten-Bauer von Hayna

Der Instrumenten-Bauer von Hayna

In dritter Generation repariert Frank Bauer Saxophone, Klarinetten, Quer- oder Blockflöten und Fagotte. Sein Großvater Willy Bauer hatte 1935 im Südosten von Leipzig, in der Theodor-Neubauer-Straße 6, seine Werkstatt eröffnet.

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Frank Bauer führt die Reparaturwerkstatt "Willy Bauer" in dritter Generation. Sein Großvater hatte sie 1935 in Leipzig eröffnet.

Quelle: Roland Heinrich

Hayna. Die beiden Söhne Manfred und Helmut führten das Familienunternehmen weiter. Erst vor 14 Jahren, nach dem Bau einer neuen Werkstatt, verlagerte Enkel Frank 2000 den Firmensitz in den Schkeuditzer Ortsteil Hayna.

Ein bisschen sieht es in der Werkstatt von Frank Bauer wie in einem Hobby-Keller eines Modellbauers aus: Gefüllte Schächtelchen hängen an der Wand; Zangen oder Feilen sind dort ebenfalls geordnet aufgereiht. Lappen zum Polieren, selbstgebastelte Ständer für auseinandergenommene Instrumente oder das unverzichtbare W 40-Spray-Öl finden sich auf der Werkbank. In Schachteln sind kleine Klappen von Klarinette oder Saxophon getrennt aufbewahrt. Auch Werkzeug, dass eigentlich in eine Zahnarztpraxis gehört, findet sich.

"Die Auftragsbücher sind voll - zum Glück", sagte Bauer und zeigte auf geschätzt 30 Instrumentkoffer. Die Werkstatt des 47-Jährigen sei in ganz Deutschland bekannt. "Auch aus Frankreich, Dänemark und Schweden kommen Kunden", berichtete Bauer. Dabei habe es durchaus auch schon Durststrecken gegeben. So sei ihm das Jahr 2008 mit der Finanzkrise noch in schlechter Erinnerung. Auch im letzten Jahr habe es einen Knick vor allem beim Instrumenten-Verkauf gegeben. "Jetzt ist die Nachfrage gut."

Frank Bauer ist in der Instrumentenwerkstatt seines Vaters und Onkels groß geworden. Beide hatten die Werkstatt ihres Vaters Willy Bauer übernommen. 1935 hatte der Großvater die Leipziger Werkstatt eröffnet. Bewusst oder unbewusst geschah das genau 100 Jahre nachdem Charles Joseph Sax, der Vater des Saxophon-Erfinders, seine Werkstatt in Brüssel eröffnete (siehe Kasten).

"Schon in den Schulferien habe ich beim Onkel und beim Vater ausgeholfen", sagte Frank Bauer. Während der Onkel Manfred vorwiegend Saxophone reparierte, wartete sein Vater Helmut Klarinetten. Letzterer baute auch kleinere Flöten neu. So kam es, dass Frank Bauer ab 1984 das Kunsthandwerk des Saxophon- und Klarinettenbaus erlernte. Nach dreijähriger Ausbildung aus Klingenthal zurück, stieg er sofort in der Leipziger Werkstatt ein und übernahm nach dem Tod des Onkels den Saxophon-Zweig. Nach einem tragischen Unfall seiner Eltern führt Frank Bauer seit 1992 die elterliche Werkstatt in dritter Generation weiter.

"Etwa 30 Saxophon-Werkstätten gibt es in Deutschland", schätzt Bauer. Dass der Beruf ein aussterbender ist, glaubt er aber nicht. Bei ihm gebe es immer wieder Anfragen betreffs einer Ausbildung. Ausbilden dürfe und wolle Bauer aber nicht: "Ich habe dafür gar keinen Platz", nennt er einen ganz pragmatischen Grund. Auf den eigenen Nachwuchs angesprochen, reagiert der 47-Jährige prompt: "Ich will und muss schon noch eine Weile arbeiten. Selbstständigkeit und ausreichend Rente gehen oft nicht zusammen - auch bei mir." Die Tochter habe sich bereits gegen die Tradition entschieden, beim zwölfjährigen Sohn sei die Entscheidung noch offen. "Ich gehe aber mit den Entscheidungen der Kinder mit und möchte keinen in die Werkstatt zwingen", sagte Bauer. Selbst sei er mit dem Beruf sehr zufrieden: "Man lernt nie aus." Durchaus gebe es auch bei den Holzblasinstrumenten - zu denen das Saxophon ja gehöre - noch Entwicklungen. Etwa bei der Mechanik, unterschiedlichen Bohrungen oder den eingesetzten Materialien.

Wie ein Auto müsse auch ein Instrument regelmäßig gewartet werden. "Je nach Aufwand dauert die Wartung acht bis zehn Stunden", sagte Bauer. Dazu wird in seiner Werkstatt gelötet, gebohrt, geklebt, geschliffen oder gedreht. Klappen des Saxophons oder der Klarinette werden abgebaut und bekommen neue Filz-Auflagen. Am Ende bläst Bauer die reparierten Instrumente an und überprüft den Klang.

 

 

www.willy-bauer.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.03.2014
Roland Heinrich

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