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Die "1914er" Kleingärtner feiern Jubiläum

Die "1914er" Kleingärtner feiern Jubiläum

"Alt wie ein Baum, möchte ich werden, genau wie der Dichter es beschreibt", heißt es in einem Puhdys-Klassiker. Die Schkeuditzer Kleingärtner der Anlage 1914 an der Bergstraße könnten dieses Lied der Rocker-Rentner mit dem Bewusstsein mitsingen, dass sie schon so alt wie oder älter als ein Baum sind.

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Umringt von Gartenfreunden informiert sich Bürgermeister Jörg Enke (Dritter von rechts) über die aktuelle Situation in der Anlage.

Quelle: Michael Strohmeyer

Schkeuditz. Vielleicht nicht alle in Persona, doch als Kleingartenanlage auf jeden Fall. Denn die besteht in diesem Jahr genau 100 Jahre. Am heutigen Sonnabend wollen das die Kleingärtner um ihren Vereinsvorsitzenden Klaus Westphal (77) im Kulturhaus Sonne zünftig mit Musik und Tanz feiern.

Bei einem Vor-Ort-Termin mit dem Schkeuditzer Oberbürgermeister Jörg Enke (Freie Wähler) hatten die Naturfreunde unlängst ihre Anlage vorgestellt und über die Freuden und Sorgen des Kleingärtner-Lebens berichtet. Zu den Freuden gehört die Tatsache, dass die Parzellen Raum für gärtnerische Tätigkeit und Erholung geben. Der Garten ist quasi das zweite Zuhause der Laubenpieper, das sie mit viel Liebe und Fleiß pflegen. Sorgen bereiten die fehlenden Interessenten jüngeren Alters, um die frei werdenden Gärten neu zu belegen. 60 Prozent der Pächter von den insgesamt 149 Gärten sind zwischen 60 und 80 Jahre alt.

Zu DDR-Zeiten, berichten die Kleingärtner, war so ein Garten für manche auch ein gewisses Statussymbol. In den Gärten konnten sie sich frei bewegen, feiern, eigene Vorstellungen verwirklichen. Die Nähe zum Flughafen sei da kein Hindernis gewesen. Blumen, frisches Obst und Gemüse kamen als Zugabe oben drauf. Noch einige Jahrzehnte zurück, dienten diese Gärten nicht nur dem Anbau, sondern auch der Kleintierhaltung. So konnte mancher mit frischem Fleisch seine Versorgung aufbessern.

Gegründet worden war die Anlage am 3. März 1914. Allerdings an etwas versetzter Stelle. Denn auf dem ursprünglichen Gelände wurden in den 1930er Jahren die Flugzeug Siebelwerke errichtet und später dort der Maschinen- und Anlagenbau (MAB) Schkeuditz betrieben. An Attraktivität hat die Anlage durch ihren Umzug nichts eingebüßt. "Viele der Gärten sind ja auch sogenannte Generationsgärten, die von den Eltern an die Kinder weitergegeben wurden", erzählte Westphal. So wie auch beim Ehepaar Sigrid (79) und Harry Kroll (83) im Rosenweg 15. Sigrid Kroll hatte den Garten von ihren Eltern übernommen, sodass die Familie hier nun schon über 80 Jahre Obst und Gemüse anbaut und reichlich Erfahrung dabei sammelte. Von der Vielfältigkeit und der Blumenpracht zeigte sich auch Enke beeindruckt: "Da kann ich mit meinem Garten nicht mithalten."

Er wünschte dem Ehepaar weiterhin alles Gute und gärtnerischen Erfolg. Abschließend wollte er noch wissen, ob der nahe Flughafen die Kleingärtner denn nicht störe. "Nein", sagte Westphal kurz und bündig. Der Flughafen bestehe seit 1927 und sei wie ein Teil dieser Kleingartenanlage. Störend seien lediglich die LKW mit ihren Piepstönen beim Rückwärtsfahren.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 31.05.2014
Michael Strohmeyer

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