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Schkeuditz Die Gemüter in Freiroda kochen
Region Schkeuditz Die Gemüter in Freiroda kochen
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08:01 01.12.2018
Der Schkeuditzer Oberbürgermeister Rayk Bergner versuchte zu schlichten. Quelle: André Kempner
Freiroda

Den Freirodaern reicht’s: Mehr als ein Drittel der 300 Einwohner quetschte sich am Donnerstagabend zur Ortschaftsratssitzung in den Saal des Bürgerhauses. Einziger Tagesordnungspunkt: die Vorstellung des eigentlich schon per Stadtratsbeschluss abgelehnten Autohofes durch den Investor Herecon. Aufgrund der aufgeheizten Stimmung kam dessen Abgesandter allerdings gar nicht dazu, die Projektvorstellung zu beenden.

Wozu der Investor überhaupt noch eingeladen worden sei, fragten sich nahezu alle im Raum. Die Erklärung lieferte der Schkeuditzer Oberbürgermeister Rayk Bergner (CDU): „Die Stadtratssitzung im November hat gezeigt, dass es Fragen gibt, die nur der Investor beantworten kann“, sagte er. „Ich möchte, dass alle umfassend informiert sind.“ Und dies, obwohl schon der Beschluss zum Aufstellen eines Bebauungsplanes mit großer Mehrheit vom Stadtrat abgelehnt worden war. „Derzeit ruht das Verfahren“, betonte Bergner. „Weitere Planungen finden im Moment nicht statt. Inwieweit das Thema allerdings noch einmal auf die Tagesordnung des Stadtrates kommt, weiß ich nicht.“ Er räumte ein, dass vor der Beschlussfassung der Ortschaftsrat und die Bürger in Glesien hätten informiert werden müssen. „Allerdings ging es ja zunächst einmal nur um die Aufstellung eines Bebauungsplanes“, so Bergner. „Und nicht um konkrete Planungen.“

Investor: Ein Autohof macht Sinn

Die hatte Herecon-Mitarbeiter Andreas Nadler im Gepäck. Wie bereits berichtet, sollten auf einem etwa 30 000 Quadratmeter großen Gelände eine Tankstelle mit Shop, eine Raststätte, Sanitäreinrichtungen, eine Spielhalle und 100 Lkw-Stellplätze entstehen. „Wir planen seit anderthalb Jahren. Damals ist der Flughafen auf uns zugekommen, weil er gern eine Tankstelle in unmittelbarer Nähe hätte“, berichtete Nadler. „Wir haben dann Gespräche geführt und eine Potenzialanalyse erstellt.“ Man sei zu dem Schluss gekommen, dass ein Autohof Sinn macht.

Das sahen die Freirodaer anders. „Es grenzt schon an Ignoranz, dass der Flughafen Ihnen dieses Grundstück überhaupt zum Kauf angeboten hat“, klagte eine Anwohnerin. „Es gibt kaum Gemeinden, die nicht wollen, dass Investoren kommen, die Arbeitsplätze schaffen“, entgegnete Nadler. „Das können wir hier wirklich nicht mehr hören“, konterten die Anwohner. „Was genau bringt der Autohof unserem Ort?“

„Die Lkw’s stehen derzeit in der Ortslage“

Freiroda gehört zum Schkeuditzer Ortsteil Radefeld und liegt zwischen den Einflugschneisen der Nord- und Südbahnen des Flughafens. Zudem grenzt die Autobahn 14 unmittelbar an den Ort. Da half es auch nichts, dass der Projektentwickler versuchte, die Vorzüge des Autohofs aufzuzeigen. „Mit Rosi’s Restaurant entsteht eine Vollgastronomie mit Bedienung“, argumentierte er. „Zudem ist eine Terrasse geplant, auf der Sie wunderbar sitzen können.“ Großes Gelächter im Raum. „Wir würden vor allem gern auf unserer eigenen Terrasse sitzen können“, so die Reaktion einiger Anwohner. „Wir haben hier den Flughafen, Porsche und die Autobahn. Es reicht! Das, was Sie hier halten, ist ein Propagandavortrag.“

Um seine persönliche Meinung zum Projekt gebeten, antwortete der Oberbürgermeister: „Ich habe mit diesem Stadtratsbeschluss keinerlei Bauchschmerzen. Wenn das Projekt nicht kommt, kommt es nicht“, sagte er. „Allerdings gebe ich zu bedenken: Die Lkw’s, die auf dem Autohof stehen sollen, sind doch schon da. Sie stehen derzeit in der Ortslage. So könnte alles geordneter zugehen.“ Kein Argument für die Freirodaer. „Ich verstehe das Problem nicht. Die Stadträte und der Ortschaftsrat haben entschieden und sich gegen den Autohof ausgesprochen“, so ein Bürger. „Und der Investor hat einen Rückabwicklungsvertrag mit dem Flughafen, wenn es keinen Bebauungsplan gibt. Warum sitzen wir dann heute hier?“ Ihm gehe es um Information, erläuterte Bergner. Und Projektentwickler Nadler ergänzte: „Wir wollten die Chance nutzen, das Vorhaben vorzustellen, weil wir gern investiert hätten. Aber ich habe den Tenor herausgehört.“ Am Ende versprach der Oberbürgermeister: „Ich kann nicht garantieren, dass die Vorlage nicht noch mal in den Stadtrat kommt, weil sowohl Stadträte als auch der OBM Anträge stellen können“, sagte er. „Aber ich werde sie nicht erneut einbringen.“

Von Linda Polenz

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