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Die letzten Tage der Malzfabrik

Die letzten Tage der Malzfabrik

Zwischen dem Sommer 2005 und dem Februar 2006 entstand das wohl umfangreichste und für sie selbst schmerzlichste fotografische Werk: Ines Zimmermann dokumentierte die letzten Wochen des Bestehens der Schkeuditzer Malzfabrik.

Schkeuditz/Halle. Eine Auswahl der dabei entstandenen fotografischen Ergebnisse ist bis zum 29. August in Halle zu sehen.

Immer den bevorstehenden Abriss der „Mälze“, wie die Schkeuditzer und auch die Hallenserin selbst Europas größte Malzfabrik nennen, im Hinterkopf, begann ein Kampf gegen die Uhr, gegen die winterliche Kälte und gegen die Angst. Die „Wahnsinnsidee“, allen Räumen der riesigen Fabrik ein würdiges Andenken zu verleihen, musste umgesetzt werden.

„Aus dem Zugfenster, wenn ich von Halle nach Leipzig fuhr, habe ich es stehen sehen“, berichtet die Fotografin von dem ersten, schaurig-schönen Eindruck des Gebäudes an der Bahnhofstraße. „Es lag da, wie ein riesiger Tanker und verströmte eine so beeindruckende Aura, im November 2003 war ich zum ersten Mal drin“, erinnert sich die 38-Jährige. Unfassbar sei für sie, die schon einige Fabrik-Ruinen gesehen hat, dass hier die komplette technische Ausstattung noch vorhanden war. „Es sah aus, als hätte die Besatzung schnell das Schiff verlassen müssen“, schildert Zimmermann, um beim Tanker-Begriff zu bleiben. Doch zunächst machte sie keine Fotografien.

„Im Juli 2005 erreichte mich die Nachricht, dass der Abriss überfällig ist“, scheint die Hallenserin noch heute aufgeregt zu sein. „Jetzt musste ich handeln“, beschreibt sie den Willen, etwas gutmachen zu wollen: Die Böllberger Mühle in Halle hatte sie gesehen, vor dem zerstörerischen Brand, aber fotografiert hatte sie nicht. Jetzt war sie in der „Mälze“ und hatte dieses große Ziel, die Fabrik komplett außen und innen, mit sämtlichen Etagen und allen Räumen in Bildern zu verewigen, bevor sie unwiederbringlich zerstört sind. „Jeden Montag konnte es soweit sein“, berichtet Zimmermann von der Angst vor dem beginnenden Abriss. Doch es tat sich zunächst nichts und die ersten Aufnahmen in dem dunklen Koloss entstanden.

„Am vierten Dezember ging es los und ich hatte nur die Hälfte geschafft“, erzählt Zimmermann. Zunächst waren es Nebengebäude und die Fabrikanten-Villa, die Opfer des Baggers wurden. Jede Woche war jetzt ein Geschenk. „Am 9. Februar war das Gebäude weg“, erinnert sich die Fotografin und berichtet von zittrigen Händen, als das Langhaus fiel und sie den Apparat verriss.

250 Filme mit je 36 Aufnahmen entstanden. Jeder Raum ist verewigt. Dafür ist Ines Zimmermann an ihre körperlichen, seelischen und auch finanziellen Grenzen gegangen. Bei Eiseskälte und nicht selten Belichtungszeiten von 25 Minuten entstanden die letzten Aufnahmen von den letzten Tagen der Fabrik. Ihre „Seele“ jedoch ist verewigt. Zimmermann würde die Fotos auch in Schkeuditz zeigen, doch da fehlen ihr einfach die Kontakte, wie sie sagt.

iDie Schkeuditzer Malzfabrik kurz vor und während des Abrisses – bis 29. August in der Galerie „salonfähig“, Halle, Triftstraße 19a.

Roland Heinrich

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