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Dieter Petzold fasziniert mit Psalterharfe

Dieter Petzold fasziniert mit Psalterharfe

Da konnte auch der Protagonist seine Enttäuschung nicht verbergen: Beim Soloauftritt des Klangkünstlers Dieter Petzold am Wochenende in der Art Kapella in Schkeuditz spitzten lediglich fünf Zuhörer die Ohren.

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Vielsaitig: Dieter Petzold mit der heute unüblichen Psalterharfe.

Quelle: Daniel Kaiser

Schkeuditz. Die wiederum waren allesamt Mitglieder des gastgebenden Vereins. „Wir können ja noch ein wenig warten?“, fragte der 59-Jährige in das wunderbar lichtdurchflutete Konzerträumchen. Vergebens. Die Audienz blieb handverlesen.

„Traurig und äußerst schade“, sagte Adelheid Metzing, Chordirektorin und zweite Vorsitzende, die sich das außergewöhnliche Spektakel des Virtuosen an der so genannten Psalterharfe nicht entgehen ließ und bereits nach den Proben von einem „äußerst filigranen Klanggewebe“ sprach.

In Anbetracht der misslichen Situation tat Petzold schließlich das, was alle (Klein-)Künstler in derlei Bredouille zu tun pflegen: Er zog sein für das breite Schkeuditzer Publikum konzipiertes Programm in vertraulicher Atmosphäre durch, ging zuvor intensivst auf die zahlreichen Fragen zum mitgebrachten Apparat ein.

Petzold klärte auf: Der flache Resonanzkörper aus Holz lag in der etwas kleineren Version mit 92 Saiten vor. Diese hatte er chromatisch und in aufwendiger Manier für den anstehenden Vortrag sorgsam gestimmt.

Heute eine Rarität, galt die Psalterharfe nach Angaben des adrett in schwarz gekleideten Musikphilosophen noch vor 100 Jahren als geläufiger Standard, war im Kreise der musikalischen Schülerschaft demnach etwa so cool wie heutzutage täglicher Unterricht an der Blockflöte. „Die Psalterharfe ist aber in den Wirren der Zeit versandet“, erklärte Petzold. Er selbst habe das Gerät, das über Jahrzehnte hinweg im Familienbesitz verstaubte, entdeckt und im Selbststudium erlernt. Schon als kleiner Junge habe er sich an der Vielfalt der Möglichkeiten versucht.

Das wiederum war auch am Sonnabend hörbar. Die weichen, warmen, zum Teil transparenten Töne offenbarten eine zarte Mischung aus Gitarre und Harfe. Petzold versetzte zunächst sich in exzessive Trance, später seine Zuhörer in melancholische Entspannung.

Berauscht vom eigenen Spiel improvisierte sich der Klangkünstler, der sein Instrument als Medium betrachtet, in die Tiefen des tonalen Labyrinths. Mit gelegentlich eingeworfenen wiederkehrenden Motiven – allesamt aus eigener Feder – holte der Virtuose seine Zuhörer immer wieder aus den Wirrungen der vermeintlichen Unordnung.

Das Konzert endete schließlich mit Petzolds 30-minütigem Meisterwerk „Zyklus“. Mit sanften, teils flinken Fingern näherte sich der Solist dabei der musikalischen Umsetzung des Themas Zeit.

Er präsentierte höchste Dichtkunst, verpackt in die unendlich reichhaltige, handgemachte Sprachvielfalt schwingender Saiten.

Nach derlei kolossaler, beinahe schon sakraler musikalischer Poesie am Stück mischte sich allerdings auch ein ganz irdischer Gedanke. Es war der leise Wunsch nach ein wenig weltlicher Klangkunst aus der Konserve.

Daniel Kaiser

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