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Dölziger Altdeponie wird nun versteigert

Unternehmer gibt Klärschlamm-Pläne auf Dölziger Altdeponie wird nun versteigert

Eigentlich wollte ein Unternehmen aus Brake in Norddeutschland auf der Dölziger Altdeponie Klärschlamm entsorgen. Inzwischen hat die Firma davon Abstand genommen und versucht nun schon zum dritten Mal das Gelände per Versteigerung wieder los zu werden. Am Donnerstag fällt der Hammer.

Der Zugang zur Dölziger Deponie ist gesperrt. Außerdem warnen Schilder dem Betreten.

Quelle: Roland Heinrich

Dölzig. Der unendlichen Geschichte um die aus DDR-Zeiten stammende Alt-Deponie in Dölzig wird nun ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Bis morgen läuft im Internet eine Online-Versteigerung für das Gelände. Die bisherige Besitzerin, die Weise GmbH aus Brake bei Bremen, ist mit ihrem Konzept der Klärschlamm-Verkippung (die LVZ berichtete) offensichtlich an fehlenden Genehmigungen gescheitert und will die rund 7,2 Hektar nun wieder loswerden.

Versteigert wird das Areal als „vertragsfreie Landwirtschaftsfläche“. Und genau das empfindet Grundstücksnachbar Frank Reiche als Frechheit und mutwillige Verschleierung der tatsächlichen Gegebenheiten. „Hier handelt es sich doch um eine Deponie-Altlast, quasi um eine tickende Zeitbombe. Die Fotos sind irreführend und widerspiegeln in keinerlei Weise den tatsächlichen Zustand des Grundstückes. Hier müssen die Behörden tätig werden, das Gelände sichern und nicht zusehen, wie es irgendjemand erwirbt und damit vielleicht nur spekuliert, ohne sich um die Gegebenheiten vor Ort zu kümmern“, sagte der 48-Jährige. Der Leipziger hatte am 13. Juni vor Ort Vertreter der Stadt Schkeuditz und des Landratsamtes Nordsachsen auf illegale Müllablagerungen im Umfeld der Deponie hingewiesen und geschildert, dass immer wieder Leute in der Deponie nach Altmetall suchen. Das alles müsse doch künftig verhindert werden. Das Gelände gehöre eingezäunt.

Reiche erwirbt selbst hin und wieder Flächen, um sie zu renaturieren, wie er sagte. Deshalb schaue er sich regelmäßig auf dem Auktionsportal der Deutschen Internet Immobilien Auktionen GmbH (www.diia.de) um und entdeckte dort die Versteigerung der Deponie Dölzig. „Es ist schon die dritte Auktion, zwei vorherige verliefen ergebnislos. Jetzt lag das Startgebot bei nur noch 3000 Euro. Das ist doch für eine Gemeinde erschwinglich, dann kann sie dort selbst agieren und für Ordnung sorgen“, so Reiche. Inzwischen gibt es zwei Bieter, der Preis stand Dienstagnachmittag bei 3400 Euro. Der Live-Zuschlag erfolgt am 6. Juli, zu sehen ist das auf der Homepage ab 11 Uhr.

Auf dem Portal ist unter der verharmlosenden Überschrift alles Nötige zum Gelände offen dargelegt. Zwar ist in der Stellungnahme vom 9. Mai des Schkeuditzer Bauamtes davon die Rede, dass laut Aktenlage keine Auflagen und/oder Mängel für das Objekt bestehen. Es liege im Außenbereich und befinde sich im Geltungsbereich eines rechtskräftigen Flächennutzungsplanes mit der Ausweisung als Grünland/Acker und Wald/Gehölze. Von der Altdeponie kein Wort. Aber: „Wir haben den Fragebogen des Auktionshauses korrekt ausgefüllt und bei den entsprechenden Punkten auf die Zuständigkeit des Landratsamtes verwiesen“, erklärte Bürgermeister Lothar Dornbusch (FW) und zeigt das ausgefüllte Formblatt. Die dort aufgeführte Frage, ob es Hinweise auf Altlasten oder Bodenkontaminationen gibt, hatte die Stadt wahrheitsgemäß mit einem Häkchen bei „Ja“ beantwortet.

Deutlich fällt die Stellungnahme des Landratsamtes Nordsachsen (LRA) vom 16. Mai aus. Zu dem „im Landschaftsschutzgebiet ,Leipziger Auwald’ und im ,Natura 2000 Gebiet’ liegenden Objekt“ heißt es, dass es sich um eine ehemalige Sandgrube handelt, die von Anfang der 1970er Jahre bis Mai 1989 mit Hausmüll, Asche, verschiedenen Industrieabfällen, Schlämmen, Gülle und Fäkalien verfüllt wurde. Was hier von der Behörde nicht aufgeführt wurde, ältere Dölziger aber berichten, ist der Umstand, dass hier zur Wendezeit die abziehenden Sowjetarmee Lkw-weise aus den zu räumenden Kasernen jedweden Müll, angeblich auch Fässer, auf die Tag und Nacht qualmende Deponie abkippten.

Von 1992 an wurde laut LRA die Altablagerung „Deponie Dölzig“ der stufenweise altlastenspezifischen Erkundung unterzogen und werde seit 2010 grundwasser- und bodenluftseitig (Deponiegas) überwacht. Der Bedarf an weiterer Überwachung sei im Ergebnis der Monitoringkampagne Frühjahr 2015 erneut bestätigt und in diesem Frühjahr fortgeführt worden. „Der Ergebnisbericht wird derzeit erstellt und dann fachtechnisch bewertet“, so das LRA.

Ob und in welchem Umfang weitere Überwachungs-, Sicherungs-, oder Beschränkungsmaßnahmen nach Bundesbodenschutzgesetz und Altlastenverordnung erforderlich werden und diese „gegebenenfalls auch den Grundstückseigentümern oder Inhabern der tatsächlichen Gewalt aufzugeben sind“, ist laut Behörde nicht absehbar, da die Altablagerung weder über geologisch/hydrogeologisch günstige Standortbedingungen noch über eine qualifizierte Abdeckung verfüge. Eine kurzfristige Anfrage der LVZ an das Landratsamt, wie und mit welcher Begründung über das Klärschlamm-Vorhaben der Weise GmbH entschieden wurde und wie es mit der Deponie weitergehen soll, wird noch bearbeitet.

Die Stadt Schkeuditz jedenfalls sieht sich nicht in der Lage, ins Risiko zu gehen und das Gelände selbst zu ersteigern. Wie es aus dem Rathaus heißt, gibt es aus dem Sächsischen Innenministerium eine Handlungsrichtlinie, wonach es Kommunen nicht gestattet ist, wegen zu erwartender Sanierungskosten kontaminierte Liegenschaften zu erwerben. Das verstoße gegen den Grundsatz einer sparsamen, wirtschaftlichen Haushaltsführung.

Bis zum heutigen Tag stehen die Hinweisschilder „Lebensgefahr“ und „Betreten verboten“ des ehemaligen Landratsamtes Delitzsch an der Dölziger Deponie. Manch einer befürchtet auch die Verseuchung des Grundwassers. Bürgermeister Dornbusch, früher selbst Planungsspezialist für die Sanierung und Sicherung von Deponien, sieht diese Gefahr nicht und den Grundwasserpfad durch die inzwischen gewachsenen Bäume geschützt. Die hoheitliche Aufgabe der Aufsicht falle aber dem Landratsamt zu.

Von Olaf Barth

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