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Schkeuditz Dölziger Bäckerei macht dicht
Region Schkeuditz Dölziger Bäckerei macht dicht
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06:00 26.08.2010
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Dölzig

Die Bemühungen um einen Nachfolger scheiterten.

So prall gefüllt wie seit Jahrzehnten gewohnt sind die Auslagen in der Dölziger Bäckerei nicht mehr. Das täglich Frische gibt es nach wie vor, doch bei den länger haltbaren Waren wie Gebäck und Kekse wurde schon mit dem Ausverkauf begonnen. Denn am Dienstag ist Schluss. Seit gestern verkünden dies auch Zettel an den fünf Läden in Dölzig, Schkeuditz, Böhlitz-Ehrenberg und Großkugel. Noch 20 der einst 25 Mitarbeiter halten bis zum Schluss zur Stange. Zehn in der Backstube und je zwei Verkäuferinnen in den Geschäften. „Wir bereiten uns ja schon eine Weile auf diesen Tag vor. Bereits im Januar haben wir allen Mitarbeitern und uns selbst zum 31. August gekündigt, ein Zurück gibt es nicht mehr“, erzählt Bäckersfrau Marion Eifert.

Gern hätten sie und ihr Ehemann Lothar Eifert an einen Nachfolger übergeben. Doch die Interessen der beiden Töchter galten anderen Berufen und die drei Enkelkinder im Alter zwischen sechs Wochen und sechs Jahren sind noch zu jung. Für sie haben die Großeltern künftig mehr Zeit. Einer der mitarbeitenden Bäckermeister hatte Interesse an der Übernahme des Betriebes bekundet, doch aus unterschiedlichen Gründen wurde schließlich doch nichts daraus. „Unser Entschluss steht dennoch fest. Wir wollen aus Altersgründen aufhören“, so Marion Eifert.

Seit April 1984 führt das Ehepaar die Bäckerei, die es vom heute 90-jährigen Vater Herbert Eifert übernommen hatte. Gegründet worden war der Betrieb von Großmutter Ida Eifert im Jahr 1919. „Ja, mit unsere Geschäftsaufgabe stirbt in Dölzig eine Bäckerei-Tradition. Aber es geht nicht mehr. Die ganzen Jahre steht mein Mann fast jede Nacht 1.30 Uhr in der Backstube. Den Beruf übt er schon sein Leben lang aus, das ist auch körperlich schwer“, erklärt die 57-Jährige.

Ihr Mann, gelernter Konditor- und Bäckermeister, hat die Kunden mit vielen Leckereien verwöhnt, vor allem aber waren schon immer seine Lebkuchen und die Stollen begehrt. „Die wurden bereits zu DDR-Zeiten fleißig in den Westen geschickt“, erinnert sich Marion Eifert. Wird das Rezept weitergegeben? „Mein Mann hat sein Herzblut mit reingebacken, das kann man nicht weiterreichen.“ Bis zu 6000 Stollen waren es zuletzt pro Saison. „Die Anerkennung von den Kunden gerade zur Weihnachtszeit war schön. Das war ja immer ein Riesenandrang“, blickt Lothar Eifert zurück. „Eigentlich hätte ich jetzt schon den Lebkuchenteig angesetzt“, sagt er bedauernd. Den Kunden und jahrelangen Geschäftspartnern gilt auch der Dank des Ehepaares: „Für die Treue und das Vertrauen.“ Voll des Lobes sind beide auch für ihre Angestellten. „Sie waren immer zuverlässig, mit Herz bei der Sache. Einige haben bereits einen neuen Job angetreten oder in Aussicht, andere werden leider arbeitslos“, bedauert das Ehepaar.

Dölzigs Ortsvorsteher Lothar Böttcher ist wie viele Kunden traurig, dass Eiferts aufhören: „Sie haben sich auch für den Ort engagiert. Bei ihnen erhielt man immer Unterstützung, so für das Dölziger Radrennen und bei sämtlichen Festen.“ Anerkennenswert sei auch, wie Eiferts über viele Jahre die Arbeitsplätze gesichert hätten. „Und der Bäcker war nicht nur Einkaufsort, sondern auch eine Kommunikationsstelle. Wenn man wissen wollte, was es Neues im Dorf gibt, brauchte man nur zum Bäcker gehen“, erzählt Böttcher.

Kunden könnten jetzt noch im Lebensmittelladen in der Frankenheimer Straße Backwaren erwerben. Böttcher: „Doch Bäcker ist Bäcker. Ich bin mit zwei Bäckereien in Verhandlung, dass sie mit ihren ambulanten Verkaufswagen unseren Ort und Kleinliebenau anfahren und so die Versorgung sichern, bis es hier vielleicht mal wieder einen Bäcker gibt.“ Olaf Barth

Olaf Barth

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