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Schkeuditz Dölziger kritisieren Pläne für Asylantenheim im Gewerbegebiet
Region Schkeuditz Dölziger kritisieren Pläne für Asylantenheim im Gewerbegebiet
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14:31 19.05.2015

Und statt wie sonst vielleicht fünf, kamen diesmal rund 50 Bewohner, um sich über das Vorhaben zu informieren und ihre Meinung dazu kund zu tun. Skepsis und Ablehnung überwogen.

Bis zu 60 junge Männer, Flüchtlinge und Asylbewerber aus dem nordafrikanischen Raum im Alter von 18 bis 27 Jahren, sollen in den Appartements des derzeit leer stehenden Hotels Magnet untergebracht werden. Das Quartier befindet sich um einiges vom Dölziger Ortskern entfernt im Gewerbegebiet am Westring. Dort, wo sich unter anderem eine Gokartbahn, die Disco Sax, ein Swingerclub und die Musterhaus-Ausstellung befinden, aber auch andere Gewerbebetriebe und ein Hotel nebenan.

Nordsachsens Landrat Michael Czupalla (CDU) erklärte zunächst die Aufgabe, der sich der Landkreis stellen muss und bat um Einsicht und um Verständnis für die bevorstehende Entscheidung. "Wir bekommen, wie andere Landkreise auch, eine bestimmte Anzahl an Flüchtlingen und Asylanten zugewiesen. Denen wollen und müssen wir humanitäre Hilfe leisten und die wollen wir menschenwürdig unterbringen. Dafür benötigt der Landkreis drei zentrale Quartiere." Mit Schkeuditz und den Dölziger Ortschaftsräten sei man schon über ein Jahr im Gespräch, ebenso mit der Pfarrerin Ines Schmidt von der evangelischen Kirchgemeinde. Sie schlug am Ende vor, eine weitere Veranstaltung dazu in der mehr Menschen fassenden Kirche durchzuführen und sah trotz aller Emotionen und Sorgen den Konsens: "Wir haben nichts gegen Ausländer hier."

Die Dölziger haben bereits mit dezentral untergebrachten Asylanten-Familien Erfahrungen gesammelt, sehen da eher keine Probleme. Doch die zentrale Unterkunft im Gewerbegebiet bezeichneten einige als "Ghettoisierung". "Schicken Sie uns doch Familien", forderte eine Frau. Einige Zuhörer schlugen vor, auch die alleinstehenden Männer dezentral zu verteilen. Darauf konnte Czupalla, der bei seinen Ausführungen von Dezernentin Angelika Stoye unterstützt wurde, nicht eingehen: "Unsere Erfahrungen zeigen, dass junge Menschen, die aus einer anderen Kultur kommen, die unsere Sprache nicht beherrschen und vielleicht auch noch unter dem Eindruck des Kriegsgeschehens in ihrer Heimat stehen, in zentralen Unterkünften besser rund um die Uhr betreut werden können."

Viele der von den Zuhörern aufgeworfenen Fragen und Probleme hätten in den nichtöffentlichen Beratungen zuvor auch die Ortschaftsräte diskutiert. "Wir haben uns dagegen gewehrt, können es aber nicht verhindern, wenn es so kommt. Wir müssen jetzt sehen, wie wir damit umgehen", sagte zum Beispiel Matthias Hinze. Denn ein Mitspracherecht, ob Ja oder Nein, haben die Ortschaftsräte eben so wenig wie die Bewohner. Auch die Stadtverwaltung, für die Oberbürgermeister Jörg Enke (Freie Wähler) teilnahm, sei zwar Gesprächspartner, aber kein Entscheidungsträger. Bis 19. März läuft die Ausschreibung für das Objekt, danach würden die Angebote ausgewertet. "Der Vergabeausschuss des Kreises fasst dann einen Beschluss. Im August oder September könnte das Quartier bezogen werden", sagte Stoye.

Die Betreiber einer nach eigener Aussage stark expandierenden Firma neben dem potenziellen Heim kündigten ihren Weggang an. "Das komplette Gewerbegebiet ist dann tot, wenn das Heim kommt", befürchtete der Geschäftsmann. Und der Betreiber des benachbarten Hotels befürchtet ausbleibende Gäste und den Verlust der 15 Arbeitsplätze. Ob es beim Eintreffen solcher Szenarien dann Entschädigungen gibt, dazu wurde nichts gesagt. Czupalla wehrte sich dagegen, von vornherein den Teufel an die Wand zu malen. Viel mehr appellierte er an die Gemeinschaft, die zusammenrücken müsse, um Menschen zu helfen. Es könne natürlich niemand garantieren, dass es keine Probleme gebe. "Wir lassen die Dölziger nicht allein, sind uns der Lage an diesem Standort bewusst und werden hier mehr Präsenz zeigen", versprach dann auch Leipzigs Polizeipräsident Bernd Merbitz.

"Jetzt müssen wir das erst mal alles sacken lassen", schlug schließlich nach langer Diskussion Ortsvorsteher Lothar Böttcher vor. Er hatte die Runde wohltuend sachlich moderiert und dafür gesorgt, dass jeder Bürger, der wollte, auch zu Wort kam.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.03.2014
Olaf Barth

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