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Ein Kennenlernen nach 13 Jahren - Wohnstätte Modelwitz und deren Nachbarn setzten sich zu erstem Gespräch an einen Tisch

Ein Kennenlernen nach 13 Jahren - Wohnstätte Modelwitz und deren Nachbarn setzten sich zu erstem Gespräch an einen Tisch

Die Sozialtherapeutische Wohnstätte für Menschen mit psychischer Erkrankung im Stadtteil Modelwitz möchte zusätzliche Plätze für Patienten schaffen. Dies wurde während einer ersten Gesprächsrunde mit Anwohnern mitgeteilt.

Schkeuditz. Eigentlicher Grund des Treffens waren aber nicht die Pläne der Einrichtung, sondern Anliegen der Nachbarn.

Abgelegen und beschaulich liegt die Wohnstätte Modelwitz nahezu idyllisch in der Straße Zum Herrnholz. Hier, in unmittelbarer Nähe zur Weißen Elster und zur Aue, ist es ruhig und dörflich zu nennen. Das hiesige, unter Denkmalschutz stehende und sanierte Herrenhaus ist Sitz der Wohnstätte und bietet derzeit für 30 Personen Platz. "Wir nennen unsere Bewohner 'Klienten'", erklärte Anja Fuchs, die Leiterin der Modelwitzer Wohnstätte.

In die Sozialtherapeutische Wohnstätte werden psychisch kranke Menschen aufgenommen, für die eine dauerhafte Pflege und ärztliche Behandlung nicht (mehr) notwendig ist, die aber andererseits auch nicht in der Lage sind, ihr Leben allein oder mit Hilfe von Familienangehörigen selbstständig zu gestalten. Nach mehrjähriger Betreuung und Anleitung sollen die Klienten in der Regel wieder zu einem eigenständigen Leben befähigt werden, heißt es in einem Informationsblatt zum Haus.

"Seit 13 Jahren gibt es die Einrichtung", sagte Falk Stirner. Er ist Geschäftsführer des Trägerwerks Soziale Dienste Sachsen, zu welchem auch die Modelwitzer Wohnstätte gehört. Mit Spaziergängen durch das landschaftlich schön gelegene Naherholungsgebiet und mit sportlichen Aktivitäten an frischer Luft wird sie beworben.

Nicht ganz so idyllisch sahen es in letzter Zeit die Anwohner. Mehrfach meldeten sie sich bei der LVZ und berichteten von regelmäßigen Fehlalarmen, die die Feuerwehr oder den Rettungsdienst meist an den Wochenenden in die Sackgasse riefen - und die Anrainer störten. Auch hätten die Nachbarn der Einrichtung von deren Klienten gelegentlich Besuch bekommen. "Wenn wir mal gegrillt haben, standen sie plötzlich im Garten", sagte ein Bewohner, der mit seinem Namen nicht in der Zeitung stehen möchte.

Bereits im Juli sollte es ein Gespräch zwischen dem Träger, der Wohnstätte und den Anwohnern geben. Jetzt hat es stattgefunden und war nach kurzer Zeit auch schon wieder beendet. "Das Gespräch in kleiner Runde hat etwa eine halbe Stunde gedauert", sagte Stirner. Es sei eine Art Kennenlern- oder Vorstellungsgespräch gewesen, sagte er. Sieben Nachbarn der Wohnstätte waren gekommen. "Es war ein ruhiges Treffen ohne emotionale Härten", schätzte der Geschäftsführer ein.

Das bestätigte auch die Leiterin der Einrichtung. "Wir haben in einem ruhigen Rahmen einmal die Abläufe in der Wohnstätte erklärt und kursierende Missverständnisse und auch Unwahrheiten ausgeräumt", sagte Fuchs. Warum dieses Gespräch erst jetzt stattgefunden hat, bleibt im Dunkeln. "Zu Festen oder Veranstaltungen haben wir die Anwohner immer mit eingeladen. Aber gekommen ist keiner", sagte Geschäftsführer Stirner.

Dass durch das jetzige Gespräch das Verständnis füreinander erhöht wurde, glauben sowohl der Geschäftsführer des Trägerwerkes als auch einige der Anwohner. Eine weitere Gesprächsrunde sei noch in diesem Jahr geplant, teilte Stirner mit. Dabei gehe es auch um das Vorhaben der Wohnstätten-Erweiterung, die grundsätzlich zwar existieren, aber ohne konkrete Pläne oder Unterlagen sind. "Wenn die Pläne fertig sind, wollen wir zuerst die Anwohner informieren", sagte Stirner.

In einem Anbau, soviel haben die Nachbarn schon erfahren, soll im Erdgeschoss eine Werkstatt eingerichtet werden. Darüber werde es wohl neue Wohnungen geben, hieß es.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.09.2013

Roland Heinrich

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