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Schkeuditz Ein Mann fürs Basteln und Trösten
Region Schkeuditz Ein Mann fürs Basteln und Trösten
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17:51 01.12.2009
Erster Mann in einer Frauendomäne: Tom Zickler ist der neue Erzieher in der Awo-Kindertagesstätte Spatzentreff in Radefeld. Quelle: Roland Heinrich
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Radefeld

Jetzt ist er staatlich anerkannter Erzieher im Radefelder Spatzentreff.

Wenn kleine Jungs Pech haben, so heißt es vom Aktionsrat Bildung, dann tritt zum ersten Mal in der Mittelschule oder im Gymnasium eine männliche Bezugsperson außerhalb der Familie in ihr Leben. In den acht Schkeuditzer Kindertagesstätten (Kitas) sind 80 Erzieherinnen beschäftigt. Im Spatzentreff, der Kindertagesstätte in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt in Radefeld, ist nun der erste Erzieher angestellt. Der 24-jährige Tom Zickler ist so erwachsen geworden: „Ich habe zwei kleinere Geschwister, mit denen ich aufgewachsen bin“, sagt er. Um sie habe er sich regelmäßig gekümmert. Inzwischen ist die Schwester acht, der Bruder ist zehn Jahre alt. Laut Statistischen Bundesamt werden in Deutschland rund zehn Prozent der drei- bis vierjährigen Kinder auch von den Geschwistern betreut.Im Sommer hat Zickler nun den Arbeitsvertrag bei der Radefelder Kindertagesstätte Spatzentreff als Erzieher unterschrieben. Über mehrere Praktika an sozialen Einrichtungen sei der Berufswunsch entstanden. „Mir wurde ein soziales Talent bescheinigt und der Beruf des Erziehers angeraten“, ist Zickler stolz. Auch bei der dreijährigen Ausbildung musste der Leipziger mehrwöchige Praktika zunächst in einem Hort, im zweiten Ausbildungsjahr in einem Jugendclub und im dritten Jahr beim Straßenkinder Verein im Haus „Tante E.“ in Leipzigs Innenstadt absolvieren. Als staatlich anerkannter Erzieher hat er nun die Berechtigung in den Händen, Kinder im Alter von 0 bis 18 Jahren zu betreuen.„Wir hatten mehrere Bewerbungen auf die Stelle“, sagt Silvia Schiller, die Leiterin vom Spatzentreff. Dass Tom ein Mann sei, spielte bei der Arbeitsplatzvergabe aber keine Rolle, betont sie. Lediglich die Qualifikation sei entscheidend gewesen. Der positive Neben-Effekt, vor allem auf die Jungen sei aber nicht zu leugnen. „Die Jungs haben einen guten Bezug zu Tom“, sagt sie. Zickler sei gegenüber den Kindern eine ganz anders wahrgenommene Autoritätsperson, bemerkte Schiller.Ein weiterer Vorteil, den die Leiterin des Teams der Kita mit Zickler Arbeitsbeginn erwähnt: „Wir sind im Altersdurchschnitt etwa Ende 40“, sagt Schiller und weist auf neue Ideen des 24-Jährigen hin. Zwar seien diese nicht ohne Widersprüche zum Konzept der Einrichtung, eine Bereicherung jedoch seien sie allemal.In den acht Schkeuditzer Kindertagesstätten sind 80 Erzieherinnen beschäftigt und jetzt, von technischem Personal oder dem Hausmeister abgesehen, nur ein Mann angestellt. In den vier Grundschulen Schkeuditz’ bietet sich ein ähnliches Bild: Zwei der insgesamt 35 Lehrer sind Männer. Schkeuditz liegt damit weit unter dem Bundesdurchschnitt, der in den Ländern zwischen unter drei bis knapp zehn Prozent Männeranteil variiert. Schon in der Tatsache, dass die Frauendominanz in den ersten Bildungseinrichtungen der Kinder existiert, sieht der Aktionsrat Bildung einen Grund, dass vor allem Jungen zu Schulabbrechern werden. Dieter Lenzen, Ratsvorsitzender und Präsident der Freien Universität Berlin, sprach gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Der Siegel“ gar von einer Benachteiligung der Jungen und bezeichnet sie als „Verlierer im deutschen Bildungssystem.“ Ursache sei die erschwerte Auseinandersetzung mit der eigenen Rollenidentität aufgrund fehlender männlicher Vorbilder.„Ich würde gern bleiben“, sagt der neue Erzieher in Radefeld. Er komme im Spatzentreff gut mit den Kindern und – nicht zu vergessen – mit dem Team aus. Berufsbegleitend wolle er in ein bis zwei Jahren studieren

Roland Heinrich

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