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Schkeuditz Ein Schkeuditzer läuft und läuft und läuft -
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13:56 19.05.2015
Nach 100 Kilometern kann Andreas Breuer noch lachen. Quelle: Christine Dreilich

"Den Gedanken daran habe ich schon fünf oder sechs Jahre. Ich hatte mich mental aber noch nicht bereit dafür gefühlt", sagte der 56-Jährige jetzt. Das ist nun anders, denn der im Stadtteil Modelwitz Wohnende hat Angekündigtes war gemacht: Er hat sich rennend erstmals auf die unglaubliche Strecke von 100 Kilometern begeben.

"Ja, da kommt man etwa bis nach Dresden", scherzt Breuer. Dass er die Strecke so gut überstanden habe, mache ihn stolz. Ganz nebenbei ist Breuer mit einer Laufzeit von elf Stunden und neun Minuten als insgesamt Fünfter in seiner Altersklasse auch noch Sachsenmeister geworden. Dabei wollte der als Landschaftsgärtner Arbeitende eigentlich kürzer treten.

"Das habe ich auch gemacht. Ich bin in diesem Jahr keine kurzen Läufe mehr gerannt", sagte Breuer. Was er unter kurz versteht, lässt andere schon in Gedanken daran scheitern: Bis zu 20-Kilometer-Läufe sind für ihn Kurzstrecken. Außerdem habe Breuer mal eine Woche gar keinen Sport gemacht. Das war die Woche vor dem 100-Kilometer-Rennen. "Da sollte man sich sportlich zurückhalten und einen Tag vor dem Rennen ordentlich Kohlenhydrate zu sich nehmen - bei der sogenannte Nudelparty", erzählt er.

Wie er sich auf den Super-Marathon vorbereitet hat? "Eigentlich sollte man sechs Wochen vor dem Rennen wöchentlich um die 100 Kilometer rennen. Ich habe das nicht geschafft - keine Zeit!", sagte der Schkeuditzer. "Nur" auf 40 Kilometer pro Woche sei er gekommen. Dennoch und gegen die Bedenken von Arbeitskollegen und Familienangehörigen hat er es geschafft.

"Früh, um 6 Uhr, war der Start. Der Zielschluss war 13 Uhr angesetzt. Ich hatte mir nur vorgenommen, unter zwölf Stunden zu bleiben und so gut wie möglich durchzukommen. Das ist mir dann ja auch gelungen", freut sich der eigentlich aus dem Schwimmsport Kommende. Seit seinem 14. Lebensjahr nämlich ist Breuer im Schwimmsport aktiv. Heute ist er Trainer beim SG MoGoNo (Motor Gohlis-Nord) und hat 18 Jugendliche, 16 Sportler mittleren Alters und etwa zwölf junge Schwimmer unter seiner Fuchtel.

Auch für "seine Kinder", wie er die jungen Schwimmer nennt, sei Breuer gelaufen. "Ich wollte ihnen zeigen, dass der Wille viel entscheidet. Ich wollte zeigen, dass man auch bei einer altersbedingt eigentlich abnehmenden Leistungskurve noch zu großen Leistungen fähig ist. Einziger Antrieb ist dabei die Motivation", erklärte der Trainer. Von dieser Motivation, die Breuer ja immerhin über 100 Kilometer getragen hat, wolle er "seinen Kindern" etwas abgeben.

Der 25. Leipziger 100-Kilometer-Lauf, der jetzt auch Breuers großes sportliches Jahresereignis ist, fand auf der August-Bebel-Kampfbahn in Wahren bei Aprilwetter statt. Rund 180 Starter hatten sich laut Gesamtleiter André Dreilich gemeldet (die LVZ berichtete). Zehn Runden zu zehn Kilometern waren zu absolvieren. "Ich fand, das war genau das richtige Wetter. Bei Hitze wäre zusätzliche Vorsicht nötig gewesen", sagte Breuer. Apropos Hitze: Auf den ersten fünf Runden habe sich Breuer an den Verpflegungsstationen ausschließlich mit Trinken versorgt. "Ab der sechsten Runde wurde es dann schwer und bei Kilometer 75 kam dann der sogenannte Hammer", gab der Schkeuditzer zu. Mit Kartoffeln, die "ordentlich" in einen Salznapf getunkt werden, habe sich Breuer die nötigen Kohlenhydrate und Elektrolyte zugeführt. "Es gibt zwar auch Salzstangen, das ist aber nichts für mich. Das wird immer mehr im Mund", schilderte er. Die letzte Runde sei er dann aber wieder normal gelaufen. "Ich hätte auch noch weiter rennen können", meinte er.

Mit seinem Ergebnis beim eigentlich als Einmaligkeit geplanten 100-Kilometer-Lauf steht Breuer nun vor einem Problem: "Ich habe mit dem Sachsenmeister ja einen Titel. Einen Titel müsste man ja auch verteidigen. Aber eigentlich wollte ich auch mal bei einem Mittel-Triathlon mitmachen", erklärte Breuer. Mittel-Triathlon heißt, 2500 Meter zu schwimmen, 90 Kilometer Rad zu fahren und 20 Kilometer zu laufen. Letztere Distanz ist ja für Breuer eine Kurzstrecke. Beide Events in Angriff zu nehmen sei wegen der terminliche Enge der Veranstaltungen nicht möglich. Nun muss sich Breuer noch entscheiden.

Hinzu kommt, dass Breuer - wohl nicht nur aus eigenem Antrieb - auch kürzer treten wollte. Das sah in diesem Jahr so aus, dass er mit dem Winter-Marathon, dem Kyffhäuser-Lauf und der Harz-Querung "nur" drei Marathons absolvierte. "Der LVB-Triathlon in Leipzig gehört natürlich zum Pflichtprogramm", nennt Breuer ein weiteres sportliches Ereignis. Hier ist der Schkeuditzer seit der ersten Stunde dabei. "Ach ja, ich habe auch noch an drei Radrennen teilgenommen", fiel Breuer ein. Hinzu kommen Wettkämpfe seiner "Schwimm-Kinder", bei denen weitere Breuer-Familien-Wochenenden verloren gehen. Jetzt gehe es aber erst mal in den Urlaub. Ob die Laufschuhe da mit dabei sind? "Nein, die bleiben zu Hause. Sonst gibt's Ärger", sagte Breuer und lachte.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.08.2014
Roland Heinrich

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