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Erste „Stolpersteine“ in Schkeuditzer Fußwegen verlegt

Erinnerung an NS-Opfer Erste „Stolpersteine“ in Schkeuditzer Fußwegen verlegt

Ziemlich genau 71 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hat Schkeuditz die ersten vier „Stolpersteine“ vom Künstler Gunter Demnig verlegen lassen. Jene pflastersteingroßen Quader sind an der Oberseite mit einer Messingtafel versehen, die Namen, Geburtsdaten und Schicksal der NS-Opfer benennen.

Der Künstler Gunter Demnig verlegte in der Landwehrstraße in Schkeuditz den ersten Stolperstein in der Stadt. An Kurt Beyer wird damit erinnert.

Quelle: Roland Heinrich

Schkeuditz. Ziemlich genau 71 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hat Schkeuditz die ersten vier „Stolpersteine“ vom Künstler Gunter Demnig verlegen lassen. Jene pflastersteingroßen Quader sind an der Oberseite mit einer Messingtafel versehen, die Namen, Geburtsdaten und Schicksal der NS-Opfer benennen. Erster Geehrter war der zuletzt in der Landwehrstraße 4 wohnhafte Kurt Beyer, der wegen seiner kommunistischen Gesinnung 1935 verhaftet und 1941 im Konzentrationslager Dachau offiziell an „Versagen von Herz und Kreislauf“ verstarb.

Erinnerung an Kurt Beyer

Der Kommunist, der 1899 geboren wurde und den Beruf des Kürschners ausübte, erhält mit dem „Stolperstein“ nicht die erste Ehrung. Eine Buchhandlung, eine Straße und auch ein Ausbildungsbetrieb des Maschinen- und Apparatebau (MAB) trugen zu DDR-Zeiten seinen Namen. Auf dem Ausbildungsgelände gab es einen Gedenkstein, der bis heute verschwunden ist. Alle Ehrungen wurden nach der Wende entfernt, womit Beyer quasi zum zweiten Mal Opfer eines Systems wurde.

Anders verhält es sich bei dem jüdischen Ehepaar Bernhard und Golda Gusta Goldberger, die gemeinsam mit ihrer Tochter Hanna gestern in der Schillerstraße jeweils einen ehrenden „Stolperstein“ erhielten. Sie blieben seit ihrer Deportation nach Polen im Jahr 1938 bisher namenlose Opfer der Nazis. Nun sind ihre Namen vor dem Haus Nummer 9 zu lesen.

Familie Goldberger größer als gedacht

Im Fall der Familie Goldberger kam das Projekt des Erich-Zeigner-Haus-Vereins Leipzig mit dem Gymnasium Schkeuditz noch rechtzeitig genug, um von Zeitzeugen zu erfahren, dass die Familie größer gewesen ist. Noch drei weitere Töchter von Bernhard und Golda Gusta Goldberger wurden namentlich genannt. Zu deren Schicksal zu recherchieren, wird nun Aufgabe weiterer Gymnasiasten sein.

Vor Schkeuditz steht in Bezug auf die Aufarbeitung der NS-Zeit, der Verfolgung, Deportation und Tötung noch eine große Aufgabe. Wie Oberbürgermeister Jörg Enke (Freie Wähler) gestern erwähnte, beinhalte eine Opferliste noch 50 Namen, zu deren Schicksal recherchiert werden müsse. Das sei gerade für Gymnasiasten mit Quellenfindung und -forschung eine wichtige Vorleistung für das dann eventuell folgende Studium.

An beiden Orten der „Stolperstein“-Verlegung sorgten die Schülerinnen und Schüler für einen würdigen Rahmen. Sie berichteten zu den Schicksalen der Personen und brachten musikalische Saxofon-Stücke zu Gehör. Für Kurt Beyer und die Familie Goldberger baten sie um eine Schweigeminute.

Von Roland Heinrich

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