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Fast die Hälfte aller Kinder erkrankt - Unterricht in Wehlitz abgesagt

Fast die Hälfte aller Kinder erkrankt - Unterricht in Wehlitz abgesagt

In der Schkeuditzer Thomas-Müntzer-Grundschule im Stadtteil Wehlitz gab es zwei Tage keinen Unterricht und nur eine Notbetreuung. Grund dafür ist offenbar ein Magen-Darm-Infekt, der bei Schülern und einigen Lehrern Erbrechen, teilweise auch Durchfall ausgelöst hatte.

Schkeuditz. Die Ursache dafür wird noch gesucht, die akute Gefahr einer schweren Krankheit oder einer Epidemie besteht nicht, teilte das Landratsamt Nordsachsen (LRA) der LVZ mit. Insgesamt seien bisher 84 Personen betroffen.

Erst auf Nachfrage informierte am Freitag die Stadtverwaltung Schkeuditz als zuständiger Schulträger über einen am Donnerstag von Schulleiter Steven Machlitt an die Eltern gerichteten Brief. Darin bat er sie, die Kinder "heute und morgen wegen einer erhöhten Zahl an Magen-Darm-Erkrankungen wenn möglich zu Hause zu betreuen." Alle Maßnahmen und Kontrollen seien veranlasst. Aus der Schule selbst drangen gestern in Abwesenheit des Schulleiters keine Informationen nach außen. Es gebe die strikte Anweisung, auf die Pressestelle der Sächsischen Bildungsagentur (SBA) in Leipzig zu verweisen, selbst dürfe man zu dem Vorfall nichts sagen, hieß es. Dem widersprach SBA-Pressesprecher Roman Schulz: "Das ist falsch. Die Schulen haben keinen Maulkorb. Es ist Quatsch, dass sie nichts sagen dürfen."

Die SBA selbst hatte nach Bekanntwerden der Fälle aber auch nicht informiert. "Bei 300 Schulen ist immer mal was, da geben wir nicht jedes Mal eine Pressemitteilung raus. Wichtig ist, und das machen die Schulleiter, sich sofort mit den Eltern in Verbindung zu setzen und uns über den festgelegten Verfahrensweg über besondere Vorfälle zu informieren", so Schulz. Wann die breitere Öffentlichkeit informiert werde, sei auch eine Ermessensentscheidung in Abhängigkeit vom Besonderen oder von der Tragweite des konkreten Falles. Die SBA stehe hinter der Entscheidung, angesichts der Lage den Unterricht ausfallen zu lassen. "Wir empfehlen das sogar, gerade vor einem Wochenende."

Worum es sich bei der Krankheit handelt, wird derzeit noch untersucht. Sowohl das Trinkwasser wurde überprüft als auch der Lieferant des Schulessens. Aus dem Landratsamt waren am Donnerstag Mitarbeiter des Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramtes vor Ort, informierte gestern LRA-Sprecher Rayk Bergner. Auch Desinfektionsmaßnahmen an Wasserhähnen, Türklinken und in Toiletten seien durchgeführt worden. "Es ist definitiv nur diese Schule betroffen. Das ergaben Abstimmungen mit Leipzig und dem Leipziger Land. Es ist also ein lokales Ereignis. Die Symptome treten meist auch nur einmal auf, nach dem Erbrechen geht es den Betroffenen wieder besser", so Bergner. Angesichts dieses Verlaufs habe eine Information der breiteren Öffentlichkeit nicht zur Debatte gestanden. "Am Montag wird der normale Schulbetrieb wieder aufgenommen", so Bergner.

Wenn aber in Schkeuditz eine Schule nur Notbetreuung anbietet, weil dort fast die Hälfte der 165 Kinder plötzlich erkrankt, dann ist das für so eine Stadt offenbar doch etwas "Besonderes" mit "Tragweite". Zumindest lassen das die Gerüchte vermuten, die gestern die Runde machten. Über verschiedene Schulen wurde spekuliert, die angeblich wegen hoch ansteckender Noroviren geschlossen seien. Außer den betroffenen Eltern war über den Vorfall offenbar niemand weiter im Bilde. Auch die Stadtverwaltung hatte am Donnerstag von sich aus keine Pressemitteilung mit sachlichen Informationen über die Krankheitsfälle herausgegeben.

Über die Gründe für diese Zurückhaltung war nichts zu erfahren. Der für die Schulen zuständige Bürgermeister Lothar Dornbusch (Freie Wähler) überließ die Erklärung Pressesprecher Helge Fischer. "Sicher wurde erst einmal alles Wichtige für die Schule unternommen und nicht zuerst an die Pressemitteilung gedacht", mutmaßte er.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.06.2015
Olaf Barth

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