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Feuerwehr soll nicht mehr als „Tragehilfe“ für Rettungsdienste missbraucht werden

Kritik von Wehrleiter Uwe Müller Feuerwehr soll nicht mehr als „Tragehilfe“ für Rettungsdienste missbraucht werden

Einmal im Jahr zieht Stadtwehrleiter Uwe Müller vor den Schkeuditzer Stadträten Bilanz über die zurückliegende Arbeit. Auch im jüngsten Bericht findet der Feuerwehrchef zu dem einen oder anderen Thema kritische Worte.

Zahlreiche Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr wurden jetzt in Schkeuditz geehrt. Mit dabei auch der Stadtwehrleiter Uwe Müller (4. von rechts) selbst, der auf 40 Jahre aktiven Dienst zurückblicken kann

Quelle: Michael Strohmeyer

Schkeuditz. Traditionell zum Jahresende sind die Zuschauerplätze bei der Stadtratssitzung in Schkeuditz mit Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr gefüllt. So auch am Donnerstagabend, als Stadtwehrleiter Uwe Müller seinen Bericht fürs Jahr vortrug und als langjährige Kameraden eine Ehrung erhielten. Die eigentliche Auszeichnung für die vielen Jahre der aktiven ehrenamtlichen Arbeit erhielten sie gestern vom Landrat Kai Emanuel (parteilos) in Bad Düben überreicht.

„Mehrere Jahre habe ich über die negative Entwicklung unseres Personalbestandes berichtet“, startete Müller seinen Bericht. In diesem Jahr habe die aktive Mitgliederwerbung gefruchtet: In der Stützpunktfeuerwehr seien sieben Neuzugänge, davon einer aus der Jugendfeuerwehr (JFW), zu verzeichnen. Eine weitere Übernahme aus der JFW werde noch erfolgen. Mit noch vier Neuzugängen in Wolteritz, Radefeld und Dölzig seien insgesamt elf neue Mitstreiter zur Wehr gestoßen. Unter ihnen befänden sich gut ausgebildete Kameraden anderer Feuerwehren, die wegen Arbeitsplatzwechsels nach Schkeuditz umgezogen seien.

Insgesamt zählen die Schkeuditzer Wehren nun 119 Aktive: Radefeld, Glesien und Wolteritz haben jeweils 14, Dölzig 27 und Schkeuditz selbst 50 Kameraden. „Die Ortsfeuerwehr Radefeld hat dieses Jahr eine Jugendfeuerwehr mit neun Mitgliedern neu gegründet“, erwähnte Müller und bezeichnete die JFW nach wie vor als Quelle für spätere aktive Kameraden. „Hier gilt es weiterhin ganz besonderen Wert auf die Förderung der Jugendarbeit zu legen“, betonte er. Derzeit kümmerten sich die Jugendwarte und deren Helfer um 57 Kinder und Jugendliche, und das zusätzlich zur eigenen Ausbildung und zu Einsätzen.

Bis Donnerstagabend hatten die Schkeuditzer Wehren 374 Einsätze, erwähnte Müller. Zum Vergleich: Im letzten Jahr seien es um diese Zeit 214 Einsätze gewesen. Allein der Sturm „Herwart“ habe am vergangenen Sonntag für insgesamt 58 Einsätze gesorgt. Umgefallene Bäume, gebrochene Strommasten, abgerissene Strom- und Telefonleitungen, beschädigte Dächer, bis hin zu einem komplett angehobenen Dach in Glesien riefen die Kameraden zu den Einsätzen.

Gründe für den enormen Anstieg der Einsätze nennt der Stadtwehrleiter auch: „Fehlalarme belasten uns bis heute enorm. Es sind aber nicht die Brandmeldeanlagen, es sind Fehlmeldungen wie ,unklare Rauchentwicklung‘, die wir nicht finden“, erwähnte der Stadtwehrleiter. Außerdem gebe es mutwillige Fehlalarmierungen. „Tragehilfen heben die Einsatzzahlen ebenfalls stark an“, informierte Müller. Unterscheiden müsse man da aber zwischen Notfalltragehilfen, wenn die Besatzung des Rettungswagens plötzlich einen stark adipösen, stark übergewichtigen Patienten vorfindet, und denen, die geplant sind. „Die geplanten Tragehilfen sind Missbrauch der Feuerwehr!“, sagte der Wehrleiter. „Muss zu einem Krankentransport eines adipösen Patienten die Feuerwehr verheizt werden? Ich bezeichne das als Fehlplanung und Einsparung des Personals des Rettungsdienstes auf dem Rücken der Freiwilligen Feuerwehren“, betonte Müller.

Grundlehrgänge, Technische und Führungskräfte-Lehrgänge sowie Lehrgänge für die Motorkettensäge standen für die Kameraden, meist an den Wochenenden, auch auf dem Plan. Alle Lehrgänge mussten mit einer Prüfung abgeschlossen werden, und es hatten alle Kameradinnen und Kameraden aus Schkeuditz bestanden, führte Müller aus. Im Dezember beginnen zwei Fahrsicherheitstrainings für jeweils zehn Kameraden beim ADAC in Dölzig. Im Februar nächsten Jahres folge das nächste Training. „Mein Dank an unsere Stadt, die Wichtigkeit eines solchen Trainings verinnerlicht zu haben und die Gelder dafür frei zu machen“, sagte der Wehren-Chef.

Auch die 150-Jahrfeier der Stützpunktfeuerwehr fand im Bericht des Wehrleiters Erwähnung. Es sei eine gelungene Veranstaltung gewesen, bei der einfach alles gepasst hätte. Die vielen Tage der Vorbereitung, die Durchführung und die Nachbereitung hätten die Kameraden zusammengeschweißt. Die Kameradschaft sei gelebt worden.

Baulich soll sich am Gerätehaus in Schkeuditz etwas tun: Die Sicherheit in der Teichstraße werde erhöht. Im Außenbereich seien bereits neue Leuchten mit Bewegungsmeldern installiert. In der Fahrzeughalle ist das in Arbeit, sie wird ebenfalls mit Bewegungsmeldern ausgestattet, informierte Müller. Für die Ausrüstung der Kameraden seien Feuerwehrüberjacken und -überhosen in Beschaffung. Für einen Rettungssatz der Feuerwehr Dölzig und für den Beginn der Umstellung der Atemluftflaschen sei die Anschaffung in Vorbereitung. Müller dankte den Stadträten für Beschlüsse im Sinne der Sicherheit.

Im Anschluss an den Jahresrückblick aus Sicht der Feuerwehr wurden Kameradinnen und Kameraden für zehn Jahre, für 25 Jahre und für 40 Jahre aktiven Dienst sowie für zehn Jahre, 25 Jahre, 40, 50 und 60 Jahre treue Dienste in der Feuerwehr geehrt. Für 70 Jahre Mitgliedschaft erhielt der Kamerad Gerhard Lippold von der Wettkampffeuerwehr Hayna die Ehrenurkunde mit Ehrenzeichen des Kreisfeuerwehrverbandes Delitzsch und einen Präsentkorb der Stadt Schkeuditz durch den Oberbürgermeister Rayk Bergner überreicht.

Von Roland Heinrich

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