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Schkeuditz Filme und Musik beruhigen Schkeuditzer Patienten vor einer Operation
Region Schkeuditz Filme und Musik beruhigen Schkeuditzer Patienten vor einer Operation
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11:58 23.03.2017
Chefarzt Henrik Rüffert hilft Patientin Anke Fährmann bei der Anpassung der sogenannten OP-Brille. Mit Naturfilmen, Konzertmitschnitten oder auch Komödien werden Betroffene vor der bevorstehenden Operation ohne weitere Medikamente beruhigt. Quelle: Foto: Olaf Barth
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Schkeuditz

Mit einer Video-Brille werden seit dieser Woche in der Schkeuditzer Helios-Klinik Patienten auf ganz besondere Weise auf eine kurz bevorstehende Operation (OP) vorbereitet. Beruhigen und Angst nehmen möglichst ohne Medikamente ist das Ziel. Und das klappt offenbar gut, wie jüngst bei der Präsentation der Methode zu hören war. Laut Aussage der Beteiligten kommt die „OP-Brille“ erstmals in Sachsen zum Einsatz.

„Ich bin wie ein Vogel über die Landschaften geflogen und war dann gleich viel ruhiger. Dazu hat auch die entspannende Musik beigetragen“, schildert Anke Fährmann ihre Erfahrungen mit der Video-Brille. Vor ihren Augen zogen zum Greifen nah Wälder und Täler vorüber, die Surround-Kopfhörer erzeugten den Klangteppich dazu, während um sie herum die Mediziner alles für die OP vorbereiteten. Die Delitzscherin hätte sich auch ein Konzert, eine Komödie oder einen Kindertrickfilm aussuchen können.

Die 46-Jährige lächelt tapfer in ihrem Krankenbett und beantwortet geduldig die Fragen der Medienleute. Sie war eine der ersten Patientinnen, die diese Brillen-Media-Center-Kombination nutzen konnten. Es war nicht ihre erste Operation, erzählt die Grundschullehrerin, sie sei vorher immer sehr aufgeregt. Ihr Herzschlag nehme zu, wenn sie geholt wird. „Dank der Brille war ich auch ohne Tablettenwirkung viel entspannter. Besser wäre noch, die Brille nicht erst bei der OP-Vorbereitung zu bekommen, sondern schon bevor man aus dem Zimmer abgeholt wird“, empfiehlt die Patientin für die künftige Nutzung.

Henrik Rüffert nimmt den Hinweis dankbar entgegen. Der Professor ist Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie. Mit diesem neuen Hilfsmittel für die Operationsvorbereitung soll Patienten die Angst und Aufregung vor der Narkose und dem medizinischen Eingriff genommen werden, erklärt der 49-Jährige. Das könne man auch mit Gesprächen und Erklärungen versuchen, meist komme man aber um den Klassiker, die „LMAA*-Pille“, nicht herum. „Beruhigungsmittel haben aber ihre Nebenwirkungen, die umso mehr hervortreten, je älter die Patienten sind. Das wird mit dem neuen Tool verhindert. Der Patient muss sich natürlich darauf einlassen wollen. Ganz verschwinden werden die Medikamente nie“, sagt der Chefarzt.

Seit Montag sind die drei Drei-D-Brillen im Einsatz. Entwickelt wurden sie speziell für die medizinische Nutzung von dem Start-up-Unternehmen HappyMed aus Österreich. Die Firma hatte ihr Produkt vor einiger Zeit der Fachgruppe Anästhesie vorgestellt. „Wir Ärzte sind da auch erst einmal skeptisch, waren dann aber von dieser Möglichkeit, bei Patienten Ängste ohne Medikamente abbauen zu können, doch recht schnell überzeugt“, schildert Rüffert seine erste Bekanntschaft mit der audiovisuellen Brille. Diese erfülle auch notwendige Voraussetzungen. So sei sie robust, desinfizier- und abwaschbar. Der Vorteil für die Mediziner bei dieser Methode: Die Patienten bleiben bis zur OP ansprechbar.

Rund 20 Operationen werden täglich in der Helios-Klinik vorgenommen. Die Brillen werden nur mit dem Einverständnis der Patienten genutzt. Für das Leasing der drei Brillen zahlt die Klinik monatlich eine vierstellige Rate. „Das ist erst einmal eine nicht ganz unerhebliche Investition, da sind die Medikamente billiger. Doch bezieht man deren in Einzelfällen auftretenden Nachwirkungen mit ein, wird es teurer, sodass sich die Brillen doch rentieren“, ist sich der Professor sicher.

*LMAA: Leck Mich Am A...“

Von Olaf Barth

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