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Schkeuditz Fluglärm treibt Modelwitzerin in den Keller
Region Schkeuditz Fluglärm treibt Modelwitzerin in den Keller
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19:47 09.08.2011
Stefanie Landmann zeigt in ihrem Schlafkeller die Schreiben an Politiker und Behörden. Vor ihr liegt aber auch ein Lärm-Tagebuch, in dem sie in den schlaflosen Nachtstunden den Krach schildert und ihrem Ärger darüber Ausdruck gibt. Quelle: Olaf Barth
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Schkeuditz

Zu den Rednern gehörte auch Stefanie Landmann aus Modelwitz. Nachts flüchte sie zum Schlafen immer öfter in den Keller. Schreiben an Politiker und Behörden mit Bitten um mehr Lärmschutz hätten zu nichts geführt.

Die Vögel zwitschern, Insekten summen, im Garten neben dem Häuschen der Familie Landmann in der Straße Auenblick lädt eine Bank zum Träumen ein. „Es ist ruhig hier, eine Idylle. Wir wollen nicht weg“, sagt Stefanie Landmann, die in ihrer Freizeit im Kirchenchor singt. Sie zeigt auf einen angrenzenden frisch umgepflügten Acker. Im Norden schließt sich die benachbarte Siedlung Papitz an, dahinter ragt auch schon ein Dach der DHL-Anlagen hervor. „Wenn dort nachts der Betrieb läuft, dann herrscht hier unerträglicher Lärm, noch dazu, wenn der Wind ungünstig steht. Mehrmals in der Woche flüchte ich dann zum Schlafen in den Keller. Aber selbst dort ist der Lärm zu hören und sind Erschütterungen durch den nächtlichen DHL-Betrieb zu spüren“, schildert Stefanie Landmann. Die 58-Jährige lebt hier mit Ehemann Christian (56) und Tochter Laura (23).

Vor zwölf Jahren war die Familie hierher gezogen, trotz des nahen Flughafens. „Wir sind nicht gegen den Flughafen. Im Vorfeld hatten wir uns in Leipzig und Schkeuditz über die künftigen Pläne informiert. Von einem europäischen Nachtfrachtflugdrehkreuz mit uneingeschränkter Nachtflugerlaubnis war nirgends die Rede. Es ist ein Unding, dass so etwas überhaupt so dicht an einer Stadt erlaubt wurde“, empört sich Landmann.

Bis zu 60 Flugzeuge der weltweit operierenden Post-Tochter DHL starten und landen Nacht für Nacht in Schkeuditz. Der Be- und Entladebetrieb verursacht Lärm, die rückwärts rangierenden Fahrzeuge piepen penetrant und die Triebwerke der Flugzeuge tragen ihr Übriges zum nächtlichen Lärmmix bei. Bei bestimmten Wetterlagen breitet sich Kerosingestank in der Stadt aus. Andererseits finden bei DHL bisher 3000 Menschen einen Job. Einige wohnen selbst in Papitz und Modelwitz. Die DHL-Ansiedlung macht zudem einen gehörigen Teil des Leipziger Rufs als exzellenter Logistikstandort aus, in dessen Folge sich weitere Unternehmen ansiedeln. Politiker und Vertreter der Wirtschaft unterstreichen immer wieder, wie wichtig die DHL-Ansiedlung für die Entwicklung des Flughafens und der Region sei. „Für all das sind wir Anwohner aber geopfert worden. So einfach ist das“, sagt Landmann.

Seit der Zunahme der nächtlichen Frachtflüge engagiert sie sich für mehr Lärmschutz. „Besser noch für ein Nachtflugverbot. Als Beraterin für akademische Berufe habe ich in der Arbeitsagentur Leipzig auch viel mit Jugendlichen zu tun. Ich muss konzentriert sein und brauche meinen Nachtschlaf. Und um den werde ich mit den anderen weiter kämpfen“, sagt sie. Das könne einerseits juristisch weiter versucht werden. Andererseits, wenn die Masse der Betroffenen mitziehe. „Man muss die Leute aus ihrer Resignation reißen, die verschiedenen Initiativen bündeln, statt sich wegen unterschiedlicher Interessenlagen im Norden und Süden, Westen und Osten des Flughafens auseinander dividieren zu lassen. Dann können Politiker uns auch nicht länger ignorieren“, hofft Landmann. Bisher habe sie auf ihre Schreiben an Bundes- und Landespolitiker noch keine Antwort erhalten. Sie wisse auch, dass viele, die weiter weg wohnen, den Protest nicht nachvollziehen können. „Jeder kann sich aber nachts selbst davon überzeugen, wie unerträglich laut es hier ist“, sagt die Modelwitzerin, die schnell wirksame Lärmschutzmaßnahmen fordert.

In Bürgerfragestunden des Schkeuditzer Stadtrates wollte Landmann unter anderem wissen, welche Vorteile die Stadt Schkeuditz vom DHL-Frachtdrehkreuz hat und was die Stadträte gegen die stetig anwachsenden Lärmbelastungen zu tun gedenken. Von den schriftlichen Antworten des Oberbürgermeisters Jörg Enke (Freie Wähler) zeigt sich Landmann enttäuscht. Ihr Fazit: „Viele wortreiche Umschreibungen. Im Kern hat Schkeuditz nichts von der Ansiedlung. Und der Spielraum lokaler Politiker, Einfluss zu nehmen, ist kaum vorhanden.“

Unabhängig von Enkes Antwortschreiben ist aber auch Fakt: Schkeuditz kann künftigen Haushaltsdebatten durchaus entspannter als zuletzt entgegensehen, weil nicht zuletzt auch wegen wirtschaftlich erfolgreicher DHL-Tätigkeit die Gewerbesteuern wieder reichlicher sprudeln sollen. Und die Politiker tun etwas, wenn auch oft nur mit gewissem Druck der BI. So initiierte die SPD weitere Treffen von Verantwortlichen und Betroffenen. Der CDU-Fraktionschef brachte die Übernahme besonders betroffener Grundstücke durch den Flughafen ins Gespräch. Für die CDU sitzt zudem ein aktives BI-Mitglied im Stadtrat. Der Stadtrat als Ganzes stellte sich hinter den Auftrag für ein von der Kommune finanziertes Lärmschutzgutachten. Und nach der jüngsten Revidierung eines den Flughafen betreffenden Beschlusses dürften künftige Stellungnahmen zu Infrastrukturmaßnahmen des Flughafens wohl nicht mehr sofort kritiklos durchgewunken werden.

„Viele Gespräche, Messungen und Berechnungen. – Konkrete Entlastungen hat das alles aber bisher nicht gebracht“, wertet Landmann diese Dinge aus Sicht der Betroffenen. Die Bitterkeit in ihrer Stimme verrät, dass auch sie Zweifel hat, dass sich an der Lärmsituation bald irgendetwas bessern wird. „Die wollen hier ja nicht einmal wie sonst überall in Deutschland die ganz alten, besonders lauten Fracht-Maschinen verbieten sowie nächtliche Betriebseinschränkungen durchsetzen“, erklärt sie kopfschüttelnd.

Auf diese und andere Themen will sie möglicherweise heute mit weiteren Betroffenen auf dem Flughafen aufmerksam machen: „Am Mittwoch treffen sich um 18 Uhr geladene Gäste aus Politik und Wirtschaft in der VIP-Lounge des Flughafens. Dort werden sie sich feiern, aber sicher nicht über den uns quälenden Nachtfluglärm sprechen. Wenn es klappt, werden wir aber da sein und an diese Themen erinnern.“

Olaf Barth

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