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Schkeuditz Flugzeuge über Apfelbäumen: Gartenanlage am Airport wird 100
Region Schkeuditz Flugzeuge über Apfelbäumen: Gartenanlage am Airport wird 100
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14:17 19.05.2015
Schon etwa 20 Jahre pflegt und hegt die Schkeuditzerin Brigitte Mehnert ihren Garten. Der benachbarte Flughafen, der erst nach der Kleingartenanlage 1914 kam, stört nicht, meinte die 63-Jährige. Quelle: Michael Strohmeyer

Und in all den Jahren gehörten Flugzeuge, Hangars sowie Start- und Landebahnen zum Bild des Vereins, denn der Flughafen wurde in direkter Nachbarschaft gebaut.

Zwölf Jahre lang hatten die Kleingärtner an der Beuditzer Straße die Ruhe, die sie suchten. Idyllisch wuchsen Gemüse- und Obstsorten und versorgten die Menschen so mit Nahrungsmitteln während des Ersten Weltkriegs, der gerade erst begonnen hatte, berichtete der Vereinsvorsitzende des KGV, Klaus Westphal. Seit 1992 habe er diese Amt inne.

Ab 1926 dann säumten nicht mehr Bäume und Wiesen das Umfeld der Kleingärten. Vielmehr rückten schwere Geräte an, um hier den Flughafen Halle-Leipzig zu errichten. "Der große Hangar, die zunächst provisorische Abfertigungshalle und das Restaurant entstanden in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Garten-­Oasen", erzählte Hans-Dieter Tack, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Luftfahrt Schkeuditz, beim jüngsten Treffen Luftfahrt-Interessierter.

Wie Tack weiter berichtete, hatte der Flughafen damals so allerlei Kuriositäten zu bieten, über die sich sicherlich auch die Passagiere heutzutage freuen würden. So gab es nicht nur Badewannen und ein Vollbad für 30 Pfennige (die Flüge dauerten zu der Zeit noch sehr lange, die Körperpflege musste daher am Flughafen in Angriff genommen werden), sondern auch Flughafenmitarbeiter, die sich vorrangig um die wartenden Damen kümmerten. So genannte Eintänzer brachten gut betuchten Frauen nicht nur das Tanzen bei, sondern verkürzten die Wartezeit mit Drehungen über das Parkett. Neben Fluggeräuschen hatten die Kleingärtner also auch noch musikalische Unterhaltung.

1937 planten die Siebel-Flugzeugwerke aus Halle, das Gartengelände zu bebauen. Hier sollte ein Werk entstehen, in dem die Endmontage von Flugzeugen erfolgte. 30 Pfennig pro Quadratmeter zahlte das Unternehmen, die 198 betroffenen Gärtner erhielten eine Entschädigung von jeweils rund 300 Reichsmark und ein neues Gelände an der Bergstraße.

"Ein Teil der Obstbäume durfte allerdings nicht gefällt werden, sie blieben zur Tarnung der Hallen stehen, denn der Zweite Weltkrieg zeichnete sich bereits ab", erklärte Westphal. Ihm liegen noch Originalschreiben aus der Zeit vor, die zur Feierstunde der Kleingärtner am 31. Mai im Kulturhaus Sonne gezeigt werden. Tack ergänzte, dass das kurze Zeit später eröffnete Schkeuditzer Werk II der Siebel-Flugzeugwerke "zu einem Vorzeigebetrieb" geworden sei.

Als das Gelände 1944 von der US-amerikanischen Luftflotte bombardiert wurde, wurden etwa 50 Prozent der Produktionskapazität zerstört. Zahlreiche Menschen starben. Glück im Unglück sozusagen für die Gärtner, die zu der Zeit längst an ihrem neuen Standort waren. Doch auch dort sollte es mit der Ruhe bald vorbei sein. Heute haben die Gärtner mit DHL wieder einen Flugplatz vor der Gartenpforte. "Kleingartenverein und Flughäfen ziehen sich eben beide immer wieder an", sagte Tack abschließend scherzhaft.

Am 31. Mai feiert der Kleingarten-Verein im Schkeuditzer Kulturhaus Sonne seinen 100. Geburtstag offiziell. Mitglieder werden über die vergangenen Jahre berichten, zudem können interessierte Besucher noch einmal einen Blick auf die ereignisreiche Geschichte werfen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.03.2014
Julia Tonne

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