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Schkeuditz Fotos verfremden in der Art Kapella Plastiken
Region Schkeuditz Fotos verfremden in der Art Kapella Plastiken
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15:49 12.07.2017
Edwin Partoll (rechts) zeigt seine Plastik „Vogelflug“, die von Rolf Steyernagel (links) fotografisch interpretiert wurde. Quelle: Foto: Armin Kühne
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Schkeuditz

Chinesische Terrakotta-Krieger und gotische Heiligenfiguren, eine Glasvase und eine winzige Gruppenplastik inspirierten Rolf Steyernagel zu ganz erstaunlichen fotografischen Interpretationen. Den Floh für die formidablen Bilder hatte dem passionierten Fotografen Kurator Gerd W. Fiedler ins Ohr gesetzt, der für den Schkeuditzer Verein Art Kapella ehrenamtlich Ausstellungen organisiert. Steyernagel, der frühere Modellbauer, Jahrgang 1940, fing schnell für die Idee Feuer. Seit er mit
70 Jahren seine Werkstatt aufgab, widmet sich der Meusdorfer der Fotografie. Am Computer entstanden Kompositionen, die überraschenden Bildideen folgen und die plastischen Arbeiten, Leihgaben verschiedener Sammler, in ganz und gar eigenwillige und verfremdende Kontexte setzen. Diese Plastiken sind bei den beschränkten Möglichkeiten der Galerie freilich nicht immer perfekt präsentiert.

Vom unvergessenen Meißner Holzbildhauer Lothar Sell stammt ein Paar, das in schönster Chagall-Manier mit seinem Baby glücklich auf dem Dach seines winzigen Fachwerkhauses hockt. Steyernagel setzt die poetische Plastik auf eine Mohnblumenwiese und sekundiert sie mit der nüchternen, seelenlosen Fassade des längsten Wohnblocks in Europa. Die Ambivalenz lässt sich steigern: Das Wohnen im hellen Probstheidaer Plattenbau steht gegen Leben im winzigen Zimmerchen einer dunklen, aber heiteren Hütte. Beim Experimentieren mit Porzellan schuf die Budapester Künstlerin Ildiko Polgar ein Frauensymbol, das Steyernagel in einem Park mit Blick auf den Leipziger Weisheitszahn verortet, bestaunt von Touristen, ursprünglich abgelichtet vor dem Alten Rathaus. Der „Mann mit dem wendigen Gehirn“, Metallplastik der estnischen Künstlerin Leida Ilo, spaltet Steyernagel und stellt sie im Kontext Er und Sie in ein neues Beziehungsgeflecht. Andere seiner Arbeiten bestechen in der klaren Ästhetik von Aufbau und Farbwahl. So erlangen die frappierenden Porzellanschwünge von Annika Teder bei Steyernagel als Serviette neben dem
morgendlichen Spiegelei unvermutetes
neues Eigenleben. Ein halbes Jahr beschäftigten Steyernagel diese anregenden Verfremdungen. „Ob mir das immer gelungen ist, weiß ich nicht, für Kritik bin ich immer offen“, sagt der 76-Jährige bescheiden.

Als Kurator umrankte Fiedler seine Einführung in die Arbeiten Steyernagels mit zahlreichen Anekdoten. Dabei bekräftigte der Kunsthistoriker nicht nur bei den Plastiken Wiedererkennungseffekte, sondern auch bei den Motiven der in Leipzig entstandenen Fotos. Fiedler bekannte sich zu seiner Intention, mit seinen Ausstellungen neue Themen anzupacken, die mit ihrem Spannungsbogen fesseln. Das Publikum in seinen Bann zu ziehen, gelang auch Fan Yu, Student der Leipziger Musikhochschule, der mit Kantate und Capriccio von Bach gleichermaßen Bekanntes mit den Prägungen seiner Herkunft aus Taiwan verfremdete.

Unter den Gästen der gut besuchten Vernissage war auch der Schkeuditzer Bürgermeister in spe, Rayk Bergner, dem Fiedler schon im Hinblick auf seinen Werdegang mehr Begeisterung für die Kunst zutraut als seinem Vorgänger. Jedenfalls, so Fiedler coram publico, begrüße der designierte Rathaus-Chef den Vorschlag, nach Berliner Muster eine Stadtbilder-Ausstellung nebst Katalog auf die Beine zu stellen und suche nach Möglichkeiten, den Verein dabei zu unterstützen.

Rolf Steyernagel, Plastiken und ihre fotografischen Interpretationen, bis
27. August, Galerie Art Kapella, Teichstraße 7, geöffnet dienstags und mittwochs, samstags und sonntags 13 bis 17 Uhr

Von Ingrid Leps

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