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Freistaat führt Sondierungsgespräche

Kaufinteresse für Altscherbitzer Friedhof Freistaat führt Sondierungsgespräche

Der Altscherbitzer Friedhof, auf dem die Gründer der Provinzial Irren Anstalt Rittergut Alt Scherbitz – und auch mehr als 2000 Opfer der Nazi-Euthanasie – beerdigt sind, soll verkauft werden. Interessenten würden sich der historischen Verantwortung stellen wollen.

Die denkmalgeschützte Kapelle könnte durch die Kaufinteressenten eine Sanierung erfahren.

Quelle: Roland Heinrich

Schkeuditz. Der Altscherbitzer Friedhof in Schkeuditz wird vermutlich verkauft. Zumindest gibt es „potenzielle Interessenten für einen Erwerb“, bestätigte Stefan Wagner vom Staatsbetrieb Zentrales Flächenmanagement Sachsen (ZFM) auf Anfrage der LVZ. Das ZFM wurde mit Beginn des Jahres vom Freistaat gegründet und ist grundsätzlich für alle Liegenschaften in Sachsen Ansprechpartner, die nicht einer Fachverwaltung unterstehen. „Dazu gehört der Friedhof in Altscherbitz“, erklärte Wagner. Zuvor war der Staatsbetrieb Immobilien- und Baumanagement (SIB) zuständig.

„Insgesamt gibt es auf dem etwa 21000 Quadratmeter großen Friedhof noch acht Gräber, wovon drei von den Angehörigen gepflegt werden und fünf durch das ZFM“, erklärte Wagner. Anträge auf Verlängerung der Liegezeiten seien nicht gestellt worden, so dass die Gräber, wie bei jedem anderen Friedhof auch, aufgelassen werden können, wenn die gesetzliche Liegezeit ausgelaufen ist. Das soll im nächsten Jahr der Fall sein. „Einige Angehörige baten darum, die Grabsteine dann abholen zu dürfen“, erwähnte Wagner. Und auch das Altscherbitzer Krankenhaus werde noch zwei Grabsteine vom Friedhof sichern: Dort nämlich sind Johann Moritz Koeppe, der Begründer der Provinzial Irren Anstalt Rittergut Alt Scherbitz, und Koeppes Nachfolger, Geheimrat Albrecht Paetz, beerdigt. Deren Grabsteine sollen auf das Krankenhausgelände kommen.

Ebenfalls auf dem Friedhof beerdigt, und zum dunklen Kapitel des Krankenhauses gehörend, sind mehr als 2000 Opfer der Nazi-Euthanasie. Ohne Namen waren die Gräber mit sogenannten Nummernsteine versehen. Nach Ablauf des Liegerechts wurden die noch vorhandenen Grabhügel Ende der 1960er-Jahre eingeebnet und die Nummernsteine abgeräumt und später sogar als Wegbegrenzung verwendet. Die zum Teil noch existierenden Steine seien vom Krankenhaus in Verwahrung genommen worden.

Eine Gedenkstätte oder eine Stätte der Erinnerung an jenem letzten Ruheort der Nazi-Opfer zu installieren, und jedem einzelnen wieder einen Namen zu geben – die Namenslisten zu den Nummernsteinen sollen existieren – schien seitens der Stadt vor sieben Jahren schon greifbar nah: Die Landschaftsarchitektin Cathleen Einenkel-Schwager hatte zwei Entwürfe für eine solchen Stätte erarbeitet. Im ersten Entwurf, der „Die wiedergefundene Identität“ benannt war, sollten die 2060 Opfer postum als eigenständige Individuen gewürdigt werden. In der zweiten Variante, die „Der Mantel des Schweigens“ hieß, sollten die vorhandenen Grab-Nummernsteine unter einem metallenen, gewellten Mantel liegen. Auf diesem sollten die Namen der Opfer eingraviert werden. Als Standort des Mahnmals war sogar schon eine Fläche westlich des Hauptweges in der Nähe des Friedhofseingangs ins Auge gefasst worden.

Doch aus dem Vorhaben wurde nichts. Zunächst gab es Zwist mit dem Verband der Kriegsgräberfürsorge: Dort wollte die Stadt einen Förderantrag für die Erinnerungsstätte stellen. Dann habe der damalige Eigentümer, das SIB, zwar nichts gegen eine solche Erinnerungsstätte einzuwenden gehabt, habe aber gewollt, dass die Stadt das Friedhofsareal übernimmt. Das lehnte Schkeuditz mit Blick auf die Unterhaltungskosten für das Areal aber ab.

„Überlegungen, selbst eine Gedenkstätte für die Nazi-Opfer umzusetzen, gibt es durch den Freistaat nicht“, antwortete Wagner vom ZFM auf entsprechende Anfrage. Allerdings seien die potenziellen Interessenten bereit, sich im Sinne der historischen Vergangenheit zu engagieren. Der Idee eines Gedenkortes stehe man aufgeschlossen gegenüber. Auch eine Sanierung der denkmalgeschützten Kapelle auf dem Friedhof könnte erfolgen. „Konkrete Gespräche seitens des Freistaates gibt es hierzu jedoch nicht“, ergänzte Wagner. Momentan befinde man sich noch im Meinungsbildungsprozess inklusive der Abwägung öffentlicher Belange.

Von Roland Heinrich

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