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Fünf Jahre Früherkennung

Fünf Jahre Früherkennung

Heute vor fünf Jahren wurde am Sächsischen Krankenhaus (SKH) Altscherbitz das in Mitteldeutschland erste Früherkennungszentrum (FEZ) für beginnende Psychosen gegründet, das nicht an eine universitäre Einrichtung angeschlossen ist.

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Oberarzt Jens Müller

Quelle: Roland Heinrich

Schkeuditz. Nach wie vor hat das FEZ damit ein Alleinstellungsmerkmal zumindest in Sachsen. Trotz aufwendiger Diagnostik lohne sich der Fortbestand der Einrichtung.

Bereits 31 sogenannte Kontakte habe es in diesem Jahr gegeben. Der Großteil der Personen, die im FEZ nach ausführlichem Gespräch eventuell aufwendige Diagnose erfahren, werde von den niedergelassenen Ärzten geschickt. "Im vergangenen Jahr hat es 112 Kontakte gegeben", wusste Barbara Richter, die Chefärztin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am SKH Altscherbitz. Der Anteil der unter 18-Jährigen, die tatsächlich Anzeichen einer beginnenden Psychose zeigen, läge bei etwa 40 Prozent. Bei den über 18-Jährigen sei es etwa ein Drittel.

Schon beim Personal wird der Aufwand, der bei der Früherkennung für beginnende Psychosen betrieben werden müsse, deutlich, erklärte Richter. Ärzte und Psychologen seien sowohl für über als auch unter 18-jährige Patienten nötig, denn die Zielgruppe bewegt sich zwischen 15 und 30 Jahren.

Um eine sichere Diagnose zu stellen, kommen Patienten zu drei Terminen zu jeweils 90 Minuten. Ein Teil der Diagnostik findet am Computer statt, an dem die Behandelten komplexe Fragebögen beantworten. Ein anderer Teil beinhaltet Gespräche mit den Fachärzten. Wird eine Psychose bestätigt, erhalten die Erkrankten eine intensive Beratung zu weiteren Diagnostik- und Behandlungsangeboten.

Das Schkeuditzer FEZ ist selbst nicht forschend tätig. Andere Einrichtungen, die es etwa in Leipzig oder Dresden gibt, sind universitär angebunden und haben sich der Forschung verschrieben. Die Altscherbitzer nutzen die Ergebnisse solcher Einrichtungen. So steht das FEZ etwa in engem Erfahrungsaustausch mit dem FEZ in Köln.

Der Vorteil: Das FEZ im SKH Altscherbitz ist quasi aus der Praxis heraus entstanden. Seit Jahren stehe das SKH Altscherbitz mit seinen Fachärzten für früherkennungs-orientierte Medizin. Außerdem gebe es, da alles in einer Einrichtung untergebracht sei, keine bürokratischen Hürden, so Richter. Dennoch backt man hier keine eigenen Brötchen, sondern kooperiert mit anderen Einrichtungen.

Das Drogenproblem und dessen Auswirkungen nehmen bei den Jugendlichen weiter zu, sagte Jens Müller, Oberarzt im Team des FEZ. "Cannabis hat schon immer eine Rolle gespielt. Schwierig wird es dann bei der Diagnostik", sagte der 43-Jährige. In der Wirkung seien Unterschiede schwer zu definieren.

"Nach wie vor kommen Patienten zu spät", sagte Richter. Es sei bedauerlich, sehen zu müssen, dass Menschen mit 22 Jahren zum SKH kommen, bei denen ein Bruch im Verhalten schon im Alter von 15 Jahren geschehen ist. "Bei rechtzeitiger Diagnose hätten diese Patienten ein ganz anderes Leben führen können", sagte sie. Auch wenn das FEZ mit dem Arbeitsamt, mit Sozialarbeitern oder dem Berufsförderungswerk gut zusammen arbeite, müsste genauer auf Veränderungen bei den Kindern und Jugendlichen geachtet werden, mahnt die Oberärztin. Einige Veränderungen, die auf eine beginnende Psychose hinweisen könnten, seien eine veränderte Farbwahrnehmung, Konzentrationsunfähigkeit, Zustände, die einer Überbelastung ähneln.

 

 

Das FEZ ist unter 034204872040 zu erreichen. Mittwochs von 13.30 bis 16 Uhr ist Sprechzeit im Haus 4 des SKH, Leipziger Straße 59.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.05.2014
Roland Heinrich

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