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Funde am Rathausplatz?

Funde am Rathausplatz?

Demnächst wird in unmittelbarer Nähe zum Rathaus in Schkeuditz gebaut. Wie berichtet will hier die Volkssolidarität (VS) ein Wohn- und Pflegeheim für Senioren errichten.

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Der einstige Gewerbehof am Rathausplatz. Mehrere Geschäfte befanden sich hier in den 1950er Jahren.

Quelle: Repro Stadtmuseum Schkeuditz

Schkeuditz. Ende nächsten Jahres soll es stehen. Doch bevor mit den Arbeiten begonnen werden kann, werden die Archäologen auf der Baufläche nach "Schätzen" suchen. Wie die Geschäftsführerin der VS Leipziger Land/Muldental, Heike Richter, unlängst informierte, hatten Probebohrungen ergeben, dass durchaus Funde zu erwarten sind.

Das vermutete gestern auch der Stadtmuseumsleiter Hans Neubert. "Ich gehe von Befunden aus der Neuzeit aus. Eventuell auch aus dem Mittelalter", sagte er. Doch was befand sich auf dem heutigen innerstädtischen Areal? "Zunächst befand sich das Grundstück einst vor den Toren der Stadt", wusste Neubert zu berichten. Eines der nachweislich drei Stadttore habe sich zwischen der heutigen Eisdiele und der Pizzaria in der Friedrich-Ebert-Straße befunden. "Es hieß Viehtor, weil es aus der Stadt zur einstigen Schäferei und auch zu den Weideflächen führte", sagte Neubert. Die Schäferei übrigens habe sich neben dem Schafteich dort befunden, wo sich heute das Bürgeramt ausdehnt.

Das Grundstück, welches sich zwischen Rathaus und Bürgeramt befindet und auf welchem gebaut werden soll, wurde einst von Amts wegen dem Scharfrichter zugeteilt. "Scharfrichter hatten nahezu den Status von Ausgestoßenen. Deshalb auch wohnten sie außerhalb der Stadttore. Keiner wollte mit ihnen etwas zu tun haben", erklärte Neubert.

Der Beruf, der wohl nicht üppig entlohnt worden sei, sei meist auch an den Sohn vererbt oder übertragen worden. "Zu den Aufgaben des Scharfrichters gehörte nicht nur das sogenannte Halsgericht. Er war auch in einem gewissen Maße für medizinische Belange, wie etwa Zähne zu ziehen, zuständig", klärte Neubert auf. Zusätzlich kamen noch diverse Dienste an Tieren hinzu. "In einer Stadt wie Schkeuditz werden schon wegen deren Größe nicht so viele hingerichtet worden sein", meinte der Stadtmuseumsleiter. Hinrichtungen seien übrigens am Galgenberg - in der Nähe des heutigen Bahnhofes - erfolgt.

In den 1950er Jahren existierte hier ein Gewerbehof. "Schkeuditzer werden sich noch an die Imbissbude erinnern. Als letztes Gebäude dieses Komplexes ist das zuletzt als Lebensmittelgeschäft betriebene Haus 2009 gefallen", sagte Neubert. Zusätzlich habe es auf dem Grundstück ein Gemüsegeschäft und mit Leder-Rotter ein Lederwarengeschäft gegeben. Kleingärtner konnten im Gewerbehof ihr Gartengemüse zu Geld machen. Straßenseitig existierte ein Fotogeschäft. Zusätzlich konnten hier auch Blumen gekauft werden. Die Gebäude des Hofes sind etwa um 1900 gebaut worden.

In unmittelbarer Nachbarschaft zu besagtem Grundstück haben Adolf und Anselm Heilpern übrigens 1920 eine Rauchwaren-Färberei gegründet. Schon drei Jahre später folgte mit einem Neubau eine Rauchwaren-Zurichterei. Besonderer Wert wurde bei der Zurichterei der deutschen, amerikanischen oder australischen Felle auf die Leder und Haarbehandlung gelegt. "Die jüdischen Geschäftsleute wurden enteignet und verließen Deutschland schon 1932", wusste Neubert.

Noch zu DDR-Zeiten sei geplant gewesen, auf das Grundstück des Gewerbehofes einen Neubaublock zu bauen. Das wusste Oberbürgermeister Jörg Enke unlängst zu berichten. In den 1980er Jahren sind die Gebäude abgerissen worden. Die "Wende" habe dann aber für bauliche Ruhe gesorgt. Es folgten Jahre des Brachliegens. 2012 dann wurde das städtische Grundstück an die Volkssolidarität verkauft.

Dass die Archäologen etwas finden werden, ist unstrittig. Sämtliche Keller der einstigen Häuser sind wohl noch erhalten, da sie nach dem Häuserabriss nur verfüllt worden sind. Wann mit den Grabungen begonnen wird, ist nicht genau bekannt. Beim ersten Spatenstich war vom August die Rede.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.07.2014
Roland Heinrich

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