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Gasthof in Schkeuditz erinnert an Landesgrenze

Tanzend von Preußen nach Sachsen Gasthof in Schkeuditz erinnert an Landesgrenze

Die historische Grenze zwischen Preußen und Sachsen kann künftig mit nur einem kleinen (Tanz-)Schritt überwunden werden. Denn im bald öffnenden Saal des „Gasthofes zur Landesgrenze“ wird ein Strich den einstigen Grenzverlauf markieren.

Der Gasthof zur Landesgrenze wurde 1618 erstmals urkundlich erwähnt.

Quelle: Roland Heinrich

Schkeuditz. Einem Telefonat ist es zu verdanken, dass der Gasthof „Zur Landesgrenze“ in Schkeuditz noch steht. Jener eingehende Anruf nämlich ließ den Pkw-fahrenden Wolfgang Ronniger an am Straßenrand im Stadtteil Modelwitz anhalten. Es sei an einem Freitag in den 1990er Jahren gewesen. „Zu der Zeit war ich auf der Suche nach einem Gebäude, dass sich als Firmensitz eignet. Da sah ich eine Ruine, die ich inspizierte und dann haben wollte“, erinnerte sich der heute 59-jährige Geschäftsführer der Firma Möller für Klima- und Kältetechnik. Seine Nachfrage bei der Stadt ergab, dass ein Erwerb unmöglich sei. Auf sein Drängen hin bekam er schließlich eine Telefonnummer von der Treuhand Liegenschaftsgesellschaft (TLG).

„Dort habe ich angerufen und gesagt, dass ich den Gasthof „Zur Landesgrenze“ haben möchte“, sagte Ronniger – wie sich später herausstellte, unterlag er da einem Irrglauben. Die Antwort, die er erhielt, entsetzte ihn: „Der wird am Dienstag abgerissen!“ Nach längerem Hin und Her wurde der Abriss abgesagt und ein Treffen bei der TLG anberaumt. Dort gab es den nächsten Schock: „Die Fotos, die ich dort vorgelegt bekam, zeigten nicht das Gebäude, was ich mir angeguckt hatte. Ich war also gar nicht durch den alten Gasthof gestöbert. Ich hatte aber unterschrieben, dass ich das ruinöse Lokal kaufen will – und hatte es nicht mal gesehen“, erzählte Ronniger. Nach einer dann tatsächlichen Besichtigung des Gasthofes aber wollte der Geschäftsmann das Vorhaben angehen: „Das Gebäude war schlimm, das Grundstück aber hat mich überzeugt!“ 1997 kaufte der Diplom-Ingenieur den einstigen Gasthof zunächst als Firmensitz.

Heute ist der erstmals 1618 erwähnte Gasthof „Zur Landesgrenze“ in der Äußeren Leipziger Straße 104 nicht nur Sitz der Firma Möller, sondern mit einer kurzen Unterbrechung seit 2002 auch wieder ein gut besuchter Gasthof. Doch eines fehlte noch zur Komplettierung des historischen Vorbildes: „Der Tanzsaal diente bisher als Lagerraum und soll nun wieder für Veranstaltungen nutzbar werden“, verkündete Ronniger. Schon am 30. April soll die Eröffnung mit etwa 100 geladenen Gästen bei Live-Musik gefeiert werden. „Es ist quasi ein Geburtstagsgeschenk, das ich mir zu meinem 60. selbst mache“, sagte der Gasthofinhaber.

Doch in den verbleibenden Wochen ist noch einiges zu tun. „Vom Biergarten aus sollen die Gäste in den Tanzsaal gelangen“, sagte Ronniger. Dafür müssen noch Wände eingerissen und an anderer Stelle hochgezogen werden. Auch eine zusätzliche Toilette muss noch entstehen. „Ich will den Termin auf jeden Fall halten“, meinte der 59-Jährige. Er gesteht, dass die Eröffnung mit einigen Kompromissen zustande kommen wird: „Wir legen noch kein Parkett in den Saal, sondern erst mal Laminat. Auch die Stuck-Verzierungen sind noch nicht dran.“ Für beides will Ronniger im nächsten Winter für ein bis zwei Monate noch einmal Hand anlegen.

Für die Ausgestaltung des Tanzsaales, dessen Besonderheit darin bestand, dass eine Linie durch den Saal die Landesgrenze markierte, hat der Gasthofbesitzer gesammelt. Preußische und sächsische Könige sollen als Gemälde die Wände zieren. „Die Bilder sind Repliken, die ich im Internet erworben habe“, erzählte Ronniger. Das bildliche Highlight soll mittig im Saal platziert werden: Der Handschlag zwischen König Friedrich I. von Preußen und dem Kurfürsten von Sachsen, August II., dem Starken.

Von Roland Heinrich

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