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Gauchelfest: Wenn Eier fliegen lernen

Gauchelfest: Wenn Eier fliegen lernen

Über Ostern leben Mann und Frau im Kanalörtchen Dölzig gefährlich. Braune Geschosse fliegen am Grund des Gauchelquells mal mehr und mal weniger koordiniert durch die Luft.

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Neuer Clou im Gauchel-Programm: Eierwerfen und -fangen. Bei Philipp Sachsenröder zerschellt das rohe Ei. Da schützt auch die Schürze nicht.

Quelle: Alexander Bley

Dölzig. Rohe Eier müssen geworfen und gefangen werden. Das ist der neue Clou, den sich die Dölziger für Ostersonnabend ausgedacht hatten, ein Amüsement für Groß und Klein. Darauf hatten sie alle insgeheim am Schöppenwinkel gewartet: Das rohe, braune und eierig fragile Fluggeschoss zerschellte zwischen den klatschenden Handflächen von Philipp Sachsenröder. Genau über seinem Kopf ergoss sich die glibberige Soße. Die Cellophanschürze, gespannt über die Jacke, war nur Makulatur. „Ich habe die Ei-reste auf dem Kopf erst nicht mitbekommen, aber es soll ja gut für die Haare sein“, ulkte der 16-Jährige nach seinem Fangversuch. Geworfen wurde das Hennenprodukt vom ebenfalls 16-jährigen Dölziger Steven Hölzel. „Wir wollten gewinnen“, fügte der Werfer an. „Zu hart und zu weit“, gestand er im Beisein seines Fängers. Doch einige Starterpaare später hörte sich das schon anders an: „Ich wollte ihn eigentlich schon treffen.“Und kaum zu glauben, nicht etwa die erfahrenen Hasen – wie es gang und gäbe ist – gewannen den Wettbewerb, sondern der Nachwuchs. Daran konnte auch der einheimische Feuerwehrchef und Eierwurfexperte Lutz Bransdor nichts ändern. Wenn auch knapp, 30 Meter blieben an diesem Tag der Rekord. Aufgestellt wurde dieser von jenem Lausbuben, der zuvor für den Gag des Tages sorgte und das Ei in eine unmögliche Fanghöhe katapultiert hatte – Steven Hölzel. Dominique Kloß warf das einhunderprozentige Naturprodukt wie einen Schlagball Richtung Gauchel. Keiner der neugierigen Zuschauer glaubte in diesem Moment, dass Hölzel das Geschoss des Zehnjährigen aus der Luft pflücken könnte. Wie auch immer, das Ei blieb ganz. Mit einer Hand bekam es Hölzel unter Kontrolle. Das Duo teilt sich einen 50-Euro-Gutschein für einen Elektrodiscounter.26 Starterpaare versuchten sich im Spaßwettkampf, probierten unterschiedliche Wurftechniken zum Teil mit einer unglaublichen Streuung, jenseits der Fänger, in Richtung Passanten und Zuschauer. Immer mehr Schaulustige rückten aus dem Radius der Werfer. Schließlich zerschellt so ein Ei schneller als gedacht. Regungslos nahm die Mauer des unmittelbaren Grundstücks diese Attacken hin. Der Besitzer wird sich freuen, auch nach der Osterbescherung noch Eier im Garten zu finden.„Es war phänomenal“, freute sich Ideengeber und Initiator des Wettkampfes Heiko Leske über den regen Teilnehmerzuspruch. Drei Versuche hatte jedes Paar. 120 Eier wurden insgesamt für die Hauptattraktion des achten Gauchelfestes zur Verfügung gestellt. Im Internet hatte der 40-Jährige den Gag entdeckt, der vielerorts zelebriert wird. Finnen halten den Rekord, nachweislich liegt der bei 96, 90 Meter. Wie das die Herren 1981 geschafft haben, bleibt allerdings ein Rätsel. Einen ähnlichen Osterbrauch gibt es im Vogtland. In einer aus Wolle gehäkelten Schleuder wird das Ei in die Höhe geworfen und anschließend gefangen. Dieser Spaß lässt sich am Schöppenwinkel nicht ohne weiteres probieren, da das Gelände dafür nicht weitläufig genug ist.Neben dem Eierweitwurf für die Großen, gab es beim Gauchelfest auch einen Wettstreit für die Kleinen. Die Geschicklichkeit der Kinder wurde beim Eierlauf getestet. Zudem ließ es sich der plüschige Osterhase nicht nehmen, jedes Kind mit einem Süßigkeitsbeutel zu überraschen. Alle 200 Täschchen gingen beim Fest, das von den Mitgliedern der Freien Wähler, Freiwilligen Feuerwehr, Jugendclub und Heimatverein organisiert wurde, weg. „Wir wollen das Fest in diesem Rahmen beibehalten. Risiko und Aufwand werden immer höher“, erklärte Leske. „So ist es eine gute Mischung, die mit einem Gag am Rand aufgepeppt wird.“Der auf dem Fest eingenommene Gewinn wird zur Sanierung des Gauchel-Umfeldes genutzt. So wurde die Einfassung des Taubenhauses vor kurzem erneuert. 1000 Euro kostete diese Maßnahme. Demnächst soll die Quelle mit Pflanzen verschönert werden, längerfristig der Weg aus dem Dorf zur Gauchel. Viele der Natursteinplatten sind gebrochen, zudem sollen die Stufen beseitigt werden, damit Rollstuhlfahrer den Weg passieren können.Der Dölziger Quelle wird eine besondere Wirkung nachgesagt. Wer davon trinkt, kommt immer wieder an diesen Ort zurück, heißt es. Zudem wird beim österlichen Schöpfen und dem anschließenden Heimweg absolute Ruhe verlangt. Ansonsten verliert der Jungbrunnen seine Wirkung und wird zum Plapperwasser.

Alexander Bley

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