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Gedenken an Opfer der NS-Euthanasie

Gedenken an Opfer der NS-Euthanasie

Zum Gedenken an die Altscherbitzer Opfer, die während der NS-Euthanasie ihr Leben lassen mussten, ist gestern in der Krankenhaus-Kirche ein Gedenkgottesdienst abgehalten worden.

Schkeuditz. Vor 70 Jahren begann für tausende Patienten der damaligen Anstalt die systematische Ermordung. Für ein dauerhaftes Mahnmahl kämpft Manfred Seidel seit zehn Jahren.

„Tu deinen Mund auf für die Stummen und die Sache aller, die verlassen sind“, zitiert Klinikseelsorger Michael Walter bei der gestrigen Gedenkveranstaltung aus dem Buch der Sprüche im Alten Testament. Mahnende Worte wider das Vergessen findet er beim Gottesdienst in der Kirche.

Insgesamt seien 5100 Altscherbitzer Insassen währen der NS-Diktatur in Schkeuditz, Brandenburg oder Bernburg zu Tode gekommen. Diese Zahl kennt Manfred Seidel, Vorsitzender des Heimatvereins Torturm, der seit 2000 um eine Gedenkstätte auf dem Altscherbitzer Friedhof bemüht ist. „2060 ehemalige Patienten wurden auf dem Anstaltsfriedhof bestattet“, weiß Seidel. Hier seien alle Namen, Geburts- und Einlieferdaten, Patientennummern und die sogenannten Sterbedaten bekannt.

Die Leipziger Landschaftsarchitektin Cathleen Einenkel-Schwager habe für die entsprechende Gedenkstätte zwei Entwürfe erarbeitet, teilt Bürgermeister Manfred Heumos (CDU) mit. „Nun brauchen wir von der Deutschen Kriegsgräberfürsorge und vom Grundstückseigentümer die Zustimmung“, erklärt Heumos das weitere Vorgehen. Sobald die Zustimmung des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) und des Verbandes vorläge, werden die Pläne im Kultur- und Sozialausschuss vorgelegt. „Parallel prüfen wir die Fördermöglichkeiten“, sagt der Bürgermeister.

Ein weiteres Vorhaben, für welches die Stadt schon 2005 eine geplante Beteiligung verkündete, liegt brach: In Zusammenarbeit mit dem Gymnasium sollten Daten für das Projekt „Stolpersteine“ zusammengetragen werden. „Die Ergebnisse waren nicht zu verwenden“, sagte Stadtsprecher Helge Fischer.

Diese vom Künstler Gunter Demnig in Handarbeit gefertigten Messingtafeln, die auf die Steine aufgebracht sind, gibt es schon in fast 280 deutschen Städten und kennzeichnen den letzten freiwilligen Wohnsitz jüdischer Familien, die im Dritten Reich ums Leben kamen. Der Text auf den Messingtafeln enthält Name, Geburtsjahrgang, Deportationsjahr und Todesort. „Die Daten zu ermitteln ist ein langwieriger und schwieriger Prozess“, betont Fischer und hofft, dass sich Auskunftsfähige beim hiesigen Museums- und Geschichtsverein melden. Derzeit glaube Fischer, dass zehn bis zwölf jüdische Familien in Schkeuditz wohnten. Das wahrscheinlich weltweit größte „dezentrale Mahnmal“ erhält heute in Grimma acht weitere Stolpersteine, deren Zahl europaweit auf etwa 200 200 angewachsen ist.

Roalnd Heinrich

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